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Industriekaufffrau Sema Güneysu im Werksverkauf
Kristina Bumb

Berufe am Puls der Zeit: Industriekaufleute in der Biobranche

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Bremer Naturkosthersteller Sonnentracht bildet begeisterte Industriekaufleute aus

Digitalisierung, Nachhaltigkeit, soziale Medien … unsere Lebenswirklichkeit verändert sich zurzeit in atemberaubendem Tempo. Das gilt auch für die Berufsbilder, die durch sich wandelnde Bedürfnisse und Anforderungen entstehen. In einer Reihe stellt SPOT spannende, hochmoderne Ausbildungsberufe vor, die in Bremer Unternehmen und Berufsschulen angeboten werden. Die Ausbildung zu Industriekaufleuten in der Biobranche gehört dazu.


Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung, Tier- und Umweltschutz, Biolebensmittel – diese Begriffe werden für viele Menschen immer wichtiger. Gerade junge Leute interessieren sich dafür – auch im beruflichen Kontext. Beim Bremer Naturkosthersteller Sonnentracht können Schulabsolventinnen und -absolventen in eine Ausbildung als Industriekaufleute starten. Dabei lernen sie die Arbeit eines großen Produzenten für Biolebensmittel in allen Facetten kennen.

Junge Industriekaufleute leiten den Werksverkauf als Azubiprojekt

Nicht viele Bremerinnen und Bremer wissen, dass mit der Firma Sonnentracht ein hochmodernes, international erfolgreiches Industrieunternehmen aus der Biobranche in Woltmershausen ansässig ist. Am Hohentorshafen finden sich auf mehr als 10.000 Quadratmetern Fläche Produktionshallen, Lager und Verwaltung. Auch ein Werksverkauf ist dort angesiedelt. Er bietet ein kleines Café und ein breit gefächertes Biosortiment unter dem Markennamen Agava mit alternativen Süßungsmitteln vor allem aus der Agave, Brotaufstrichen, Honig aus der eigenen Imkerei und Backzutaten.

Der Werksverkauf ist zusäzlich etwas Besonderes, weil er von Auszubildenden zu Industriekaufleuten geleitet wird. Sie beraten Interessierte, die in den Agava-Shop kommen, betreuen das Café, organisieren die Arbeitspläne, übernehmen das Marketing für die Bioprodukte und anderes mehr. Die jungen Industriekaufleute lernen so die Biobranche von der Pike auf kennen.

Die Vision des Biounternehmens gab bei der Ausbildungssuche den Ausschlag

Die Delmenhorsterin Sema Güneysu ist im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau – und von ihrer Berufswahl begeistert. „Ich wollte nach dem Fachabitur eine kaufmännische Arbeit beginnen, habe lange recherchiert und stieß schließlich auf den Naturkosthersteller Sonnentracht. Die Vision des Unternehmens hat mich sofort angesprochen“, erzählt sie.

„Ich habe mich immer für Naturschutz und faire Arbeitsbedigungen interessiert. Auch in der Schule haben wir darüber einiges gehört. Trotzdem war mir nicht bewusst, wie viel Aufwand, Wissen und Leidenschaft hinter ,Bio‘ steckt“, sagt die 21-Jährige. „Jetzt weiß ich, was es bedeutet, nachhaltig zu produzieren und anspruchsvolle Zertifizierungen in diesem Bereich zu erhalten. Das kann ich ganz anders wertschätzen.“ Schon immer habe sie versucht, im Privaten gesund und umweltbewusst zu leben. Aber sie habe dennoch im Zuge des neu gewonnenen Wissens zu Hause einiges geändert: „Ich weiß, was es heißt, ,Bio‘ zu leben.“


„Ich könnte nicht auf Dauer Waren verkaufen, hinter denen ich nicht stehe.“ (Sema Güneysu, Auszubildende)


Sie steht voll hinter den Sonnentracht-Produkten, die die angehenden Industriekaufleute im Vertrieb den Großkundinnen und -kunden präsentieren. „Ich kann unsere Produkte aus vollem Herzen empfehlen. Denn ich weiß, dass die Käuferinnen und Käufer davon einen Mehrwert haben, und gehe abends mit einem guten Gewissen nach Hause.  Ich könnte nicht auf Dauer Waren verkaufen, hinter denen ich nicht stehe“, sagt Sema Güneysu. In der Biobranche gehe es um mehr als um das Geldverdienen. „Wir könnten unsere Produkte auch massenweise in Supermärkten platzieren, aber wir bleiben zum Beispiel fachhandelstreu und vertreiben sie nur über Reformhäuser und Naturkostläden.“

Der Anspruch gelte auch für die zurzeit viel diskutierten Lieferketten. „Die Sonnentracht-Geschäftsführung unterhält zum Teil seit Jahrzehnten gute Beziehungen zu Lieferantinnen und Lieferanten sowie Partnerprojekten im Ausland“, schildert die angehende Industriekauffrau. „Sie besuchen die Projekte vor Ort, überzeugen sich von den Produktions- und Arbeitsbedingungen. Dank solcher guten Beziehungen sind die Lieferantinnen und Lieferanten auch flexibler, wenn es bei Schwierigkeiten mal darauf ankommt.“

Industriekaufleute beim Biohersteller: Zukunftsträchtig und abwechslungsreich

Während der dreijährigen dualen Ausbildung lernen die angehenden Industriekaufleute die ganze Bandbreite der Arbeit eines großen Bioherstellers kennen. „Neben dem Einsatz im Werksverkauf bin ich alle drei Monate in einem anderen Bereich eingesetzt: zum Beispiel in der Produktionsplanung, im Vertrieb, im Marketing oder in der Buchhaltung. Ich bin dabei als Auszubildende voll im Betrieb eingebunden und kann richtig mit anpacken“, schildert Sema Güneysu. Wenn sie in ihrer Berufsschulklasse auf junge Industriekaufleute aus anderen Branchen trifft, sieht sie sich in ihrer Berufswahl bestärkt: „Ich möchte auf alle Fälle im Bereich Lebensmittel und nachhaltige Industrieproduktion bleiben.“

Industriekaufleute leiten den Werksverkauf
Auszubildende zu Industriekaufleuten leiten im Rahmen eines Azubi-Projektes den Werksverkauf des Bremer Naturkostherstellers Sonnentracht.
Industriekaufleute Verkauf von Bio-Honig
Produkte aus der Agave, deutscher Bio-Honig sowie Gewürze aus sozialen Projekten zum Beispiel in Indien gehören zum Sortiment.
PC-Arbeitspllatz Industriekauffrau
Die Auszubildende zur Industriekauffrau Sema Güneysu arbeitet meist am PC – aber nicht nur.
Werskverkauf Sonnentracht Woltmershausen
Die angehenden Industriekaufleute beraten auch Kundschaft, sorgen für das Marketing und vieles mehr.

Rekordzuwächse der Biobranche

Dass die jungen Industriekaufleute mit ihrer Berufswahl goldrichtig liegen, zeigt auch ein Blick auf die Rekordzuwächse, die der Handel mit Biolebensmitteln in Deutschland für sich verbuchen kann. In 2021 setzte der deutsche Lebensmittelhandel mit dem Verkauf von Lebensmitteln in Bioqualität rund 15,87 Milliarden Euro um. „In den vergangenen zehn Jahren konnte der Umsatz mit Biolebensmitteln damit mehr als verdoppelt werden“, besagt zum Beispiel der Onlineanbieter für Markt- und Konsumentendaten Statista.

Der Bremer Naturkosthersteller Sonnentracht verzeichnete 2021 einen Umsatz von 18,2 Millionen Euro und ein Umsatzplus von 17 Prozent. Mehr als 10 Millionen Stück abgefüllte Gebinde verkaufte der Betrieb, der im Besitz der Familie Lang ist und erst 2001 ins Leben gerufen wurde. Mehr als 100 Mitarbeitende sind am Firmenstandort in Woltmershausen ansässig. Die Produktion ist dabei vollständig klimaneutral.

Produkte aus Agave werden durch Industriekaufleute vermarktet

Im Werksverkauf am Hohentorshafen präsentieren die Auszubildenden vor allem die Produkte der Sonnentracht-Eigenmarke Agava. Der Name verrät bereits, dass die Agavenpflanze bei diesen Nahrungsmitteln eine zentrale Rolle spielt. Walter Lang, der Vater von Sonnentracht-Geschäftsführer Gerrit Lang, machte die Agave in den 70er-Jahren in Europa bekannt. Das Gewächs mit den typischen fleischigen Blättern stammt aus Mexiko und gilt dort schon seit Jahrhunderten als Nutzpflanze. Die Blätter enthalten einen hohen Anteil an Zucker.

Durch schonende Pressung wird aus ihnen ein süßer Pflanzensaft – sogenannter Agaven-Dicksaft – gewonnen, der nach weiterer Veredelung als Lebensmittel Verwendung findet. Enthalten sind viele Inhaltsstoffe für eine gesundheitsfördernde Ernährung. Die Marke Agava nutzt den Dicksaft als Grundlage für ihre Sirupe in verschiedenen Geschmacksrichtungen – von Erdbeere über Karamell bis Zimt.

Engagiert für Naturschutz und faire Arbeitsbedingungen

Dass diese Dicksäfte allesamt Bioqualität haben, versteht sich für die Firma Sonnentracht von selbst. Die verarbeiteten Agaven stammen aus ökologischem Landbau in Mexiko. Genauso hohe Standards gelten zum Beispiel auch für die Kokosbrotaufstriche und die Vanille, die man als Schote oder gemahlen im Agava-Sortiment findet.  So stammt Letztere aus Indonesien, wo die Vanilleorchideen im Rahmen eines sozialen Projektes zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort angebaut werden.

Bio-Honig bildet eine weitere wichtige Sparte des Sortiments, das auch im Webshop der Firma erhältlich ist. Er stammt dabei aus einer Wanderimkerei, die nach Bioland-Richtlinien arbeitet. Die Bienen werden mit ihren Stöcken in klassische deutsche Trachtgebiete gebracht, wo sie dann den Nektar von saisonal blühenden Sorten sammeln. „Unser Firmenmotto lautet: Das Leben ist süß“, fasst die angehende Industriekauffrau Sema Güneysu zusammen.

Naturkosthersteller Sonnentracht produziert Biolebensmittel
Der Bremer Naturkosthersteller Sonnentracht produziert Biolebensmittel aus der süßen Sparte.
Agavendicksaft vom Biohersteller Sonnentracht
Die Agave bildet die wichtigste Zutat für die Produkte der Sonnentracht-Eigenmarke Agava.
Honig im Werksverkauf von Sonnentracht
Honige aus der eigenen Imkerei gehören zum Sortiment des Bremer Bioproduzenten Sonnentracht.
E-Auto mit Ladekabel
Berufe am Puls der Zeit: Hochvolttechnik in Kfz-Werkstätten

In Bremer Kfz-Werkstätten kann der Ausbildungsberuf Kfz-Mechatroniker jetzt mit dem Schwerpunkt Hochvolttechnik erlernt werden. Die jungen Handwerker kümmern sich um E-Autos und Wasserstoff-Fahrzeuge.

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Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Nachhaltigkeit“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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