
Wanderführer zu den Bergen in Bremen und umzu
Zwei Bremer beschreiben Ein-Tages-Touren auf Berge im norddeutschen Flachland
Bergwandern im norddeutschen Flachland – geht das? Dass das schier Unmögliche durchaus möglich ist, haben die beiden Bremer Klaus Fritz Brandt und Heinrich Lintze herausgefunden. In ihrem Wanderführer „Von Bremen aus hoch hinaus – Ein-Tages-Touren auf die Berge Norddeutschlands“ beschreiben sie 18 Ausflüge zu Hügeln, Bergen und Gebirgszügen, die maximal zwei Stunden Fahrtzeit von Bremen entfernt sind. Die Routen sind erstaunlich abwechslungsreich: Mal steht die ungewöhnliche Landschaft im Vordergrund, mal die kulturhistorischen Besonderheiten von Städten und Orten – alle stets zu Füßen einer ernstzunehmenden Erhebung, versteht sich. SPOT sprach mit den beiden Bremern über die Lindner Alpen, schweißtreibende Bergtouren in Norddeutschland und einen Hügel, von dem aus man Bremen von oben betrachten kann.

SPOT: Wie sind Sie zum Wandern und zum Bücherschreiben gekommen?
Klaus Fritz Brandt: Uns verbindet eine 50-jährige Freundschaft und wir sind immer gerne gewandert. Aber die Idee, unsere Wandertouren auch in einer solchen Publikation festzuhalten, kam uns erst während der Corona-Pandemie. Wir hatten eigentlich einen Wanderurlaub in Italien geplant, aber aufgrund der dramatischen Entwicklungen der Pandemie fiel die Reise aus. Stattdessen haben wir uns einfach ausgestattet mit Thermosflasche und ein bisschen Proviant und sind durch Bremen und umzu gelaufen. Da haben wir gemerkt, dass es hier überraschend viele Wasserläufe gibt. Heinrich Lintze hatte dann die Idee, das aufzuschreiben.
Heinrich Lintze: Ein paar Jahre vorher hatte ich schon mit der Bremer Stadtzeichnerin Isa Fischer zusammen ein Buch gemacht. Ich arbeite seit Jahren als Stadtführer in Bremen und mir war aufgefallen, dass es in der Stadt viele interessante Tierskulpturen gibt und dass man darüber interessante Geschichten findet. Dann hatte ich mit Isa Fischer darüber gesprochen und die hat gesagt: „Wir machen ein Buch. Du schreibst die Geschichten auf und ich zeichne.“ Das war für mich erst einmal überraschend, denn ich hatte vorher noch nie ein Buch geschrieben. Aber wir haben zusammen den Band „Tierisch Bremisch“ gestaltet, der sich gut verkaufte und mittlerweile vergriffen ist. Und dann habe ich Klaus angestiftet und gesagt: Lass uns doch auch so ein Buch machen. So entstand der Band „Wanderungen zwischen Hunte und Wümme“. Das war unser gemeinsamer Start ins Thema Wanderbücher.
„Es gibt eine ganze Menge Berge in Bremen und umzu.“
Wie kamen Sie auf die Idee, Berge in Bremen und umzu zu erwandern? Gibt es tatsächlich so viele Berge im norddeutschen Flachland?
Brandt: Wir kommen beide aus dem Mittelgebirge und sind beruflich in Norddeutschland hängen geblieben. Wir lieben eigentlich die Marsch- und Geestlandschaft hier oben, aber eine Sehnsucht nach den Bergen ist geblieben. Deswegen haben wir überlegt, ob es eine Möglichkeit gibt, von Bremen aus mit dem Deutschlandticket und öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb von maximal zwei Stunden einen Ausgangspunkt für eine Bergwanderung zu erreichen. Berge in Norddeutschland sind natürlich nicht sonderlich hoch, aber sogar unter der Voraussetzung, dass man den Hügel geografisch als eigenständigen Berg bezeichnen kann, gibt es eine ganze Menge Berge in Bremen und umzu.

Wir haben 18 Wanderungen im Buch, und bei den meisten davon ist man nach spätestens anderthalb Stunden am Ausgangspunkt, sodass man ohne lange Fahrtzeit einen Tag im Gebirge verbringen kann. Es gibt viele Berge in der Umgebung von Bremen, auch wirklich bergige Landschaften. Wir hatten darum relativ flott eine Liste von etwa 35 Zielen. Die ersten 18 haben wir in unserem Buch beschrieben. Und an Band 2 arbeiten wir schon, genauso wie an einer Überarbeitung unseres Fluss-Wanderführers.
Ihr Buch wirkt dabei nicht nur wie ein Wanderführer mit reinen Wegbeschreibungen, sondern wie ein richtiger Reiseführer.
Lintze: Was unser Buch von anderen Wanderführern unterscheidet, ist, dass wir historisch und geografisch Sehenswertes auf den Touren genauer beschreiben. Zum Beispiel haben wir nicht nur den Weg über den Weyerberg in Worpswede erklärt, sondern sprechen auch über den Künstlerort. Ein anderes Beispiel: In Lüneburg laufen wir die Strecke vom Bahnhof bis zum Kalkberg durch die Altstadt und nehmen die Leserinnen und Leser mit hinein in die Geschichte der Stadt.
Aber natürlich gibt es auch präzise, verlässliche Wegbeschreibungen. Für jede Tour ist eine Karte mit QR-Code abgedruckt, der zur Handy-App Komoot und dort direkt zu der jeweiligen Wanderung führt. Man kann sich die Wegbeschreibung unterwegs sogar akustisch wiedergeben lassen.

Welche Berge in Bremen gibt es, die Sie mit verarbeitet haben?
Lintze: Neben der Erhebung in Schönebeck in der Bremer Schweiz gibt es in Bremen ja eigentlich nur einen Berg: den Müllberg. Er ist dabei nicht nur einfach ein Berg, sondern bietet mit dem Metalhenge ein spannendes Kunstwerk. Wir haben für unsere Beschreibung mit dem Astronomen Dieter Vornholz zusammengearbeitet, der die astronomischen Bezüge von Metalhenge herausgearbeitet hat.
Brandt: Der andere „Bremer“ Berg, der eine Rolle spielt, ist der Hohe Berg bei Syke. Von dort erlebt man einen Blick auf Bremen von oben und kann die längliche Ausbildung der Stadt vom Heizkraftwerk bis zur Bremer Hütte gut erkennen. Es ist vielen nicht geläufig, dass man von einem Berg auf Bremen hinuntergucken kann.
„Berge in Norddeutschland sind sogar für anspruchsvollere Wanderinnen und Wanderer geeignet.“
Welche Touren aus Ihrem Buch empfehlen Sie für Wander-Neulinge?

Lintze: Ich würde zum Beispiel die Tour über den Lindener Berg in Hannover vorschlagen. Man geht dort auf eine städtische Entdeckungstour und wird mit unglaublich interessanten kulturhistorischen Schätzen konfrontiert, etwa in Verbindung mit dem alten Königshaus der Welfen. Oben auf dem Berg ist unter anderem eine Schrebergartenkolonie, die witzigerweise Lindener Alpen heißt. Von den Lindener Alpen aus hat man dann einen Blick bis ins nahe Weserbergland.
Einkehren kann man in einen alten Turm, der zur Stadtbefestigung gehörte. Dort ist heute ein Biergarten. Diese fünf Kilometer lange Wanderung kann ohne allzu große Anstrengung von Menschen in jedem Alter und mit jeder Kondition unternommen werden. Man ist innerhalb einer Stunde mit dem Zug vor Ort.
Attraktiv ist auch eine Wanderung durch die Dünen an der Wümme bei Rotenburg. Die Dünen sind nur 18 Meter hoch, aber man hat trotzdem den Eindruck, man befindet sich in einer anderen Landschaft und hat die Marsch ein Stück weit hinter sich gelassen. Spannend ist ebenso der Heiligenberg bei Bruchhausen-Vilsen. Bruchhausen-Vilsen ist ein schöner kleiner Ort in einer tollen Landschaft mit vielen Tälern und bergigen Abschnitten unmittelbar vor der Bremer Haustür.

Gibt es in Ihrem Buch auch Routen für erfahrenere Wandersleute oder sind die norddeutschen Berge dafür zu niedrig?
Brandt: Wir beschreiben zum Beispiel eine Wanderung von 20,5 Kilometern von Hameln über den Süntel nach Bad Münder. Es geht dabei aber nicht nur um 20 Flächenkilometer, sondern man überwindet 590 Höhenmeter. Denn die Wanderung führt erst über den Hamelner Berg und den Schweineberg auf den 437 Meter hohen Süntel. Da ist man einen ganzen Tag unterwegs. Berge in Norddeutschland sind also sogar für anspruchsvollere Wanderinnen und Wanderer geeignet.
Der Wander- und Reiseführer „Von Bremen aus hoch hinaus – Ein-Tages-Touren auf die Berge Norddeutschlands“ von Heinrich Lintze und Klaus Fritz Brandt ist im Kellner-Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro.

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