
Woltmershausen: Leben zwischen Weser, Wandel und Pusdorf-Gefühl
Zwischen Deich, Hafen und Nachbarschaft – ein Stadtteil mit eigener Identität
Woltmershausen hat viele Namen – doch wer hier lebt oder aufgewachsen ist, sagt oft einfach „Pusdorf“. Der traditionsreiche Beiname ist bis heute fest im Alltag verankert und steht für ein Lebensgefühl, das sich nur schwer in wenigen Worten beschreiben lässt. Es ist eine Mischung aus Bodenständigkeit, Nachbarschaft und einer gewissen norddeutschen Gelassenheit, geprägt vom Wind an der Weser und der Weite entlang des Deichs.
Der Stadtteil im Bremer Süden wirkt auf den ersten Blick ruhig und fast dörflich, zudem ist er eng mit der Geschichte der Stadt verbunden. Hafen, Industrie und Arbeit haben Woltmershausen über Jahrzehnte geprägt – Spuren davon sind bis heute sichtbar. Gleichzeitig verändert sich Woltmershausen: Neue Projekte wie das Tabakquartier bringen Bewegung in den Stadtteil, ohne seinen Charakter zu überlagern. Was bleibt, ist dieses besondere Gleichgewicht. Zwischen Weserufer und Wohnstraßen, zwischen Tradition und Wandel hat sich Woltmershausen zu einem Ort entwickelt, der nicht laut sein muss, um aufzufallen.
Zahlen und Fakten: Woltmershausen im Überblick

Woltmershausen gehört zu den kleineren Stadtteilen Bremens, überzeugt jedoch durch eine gewachsene Struktur und klare räumliche Abgrenzung. Auf einer Fläche von 5,386 Quadratkilometern leben 14.226 Menschen (Stand 2024). Damit verbindet der Stadtteil eine vergleichsweise überschaubare Größe mit einer stabilen Bevölkerungsstruktur. Das Durchschnittsalter liegt bei 43,4 Jahren und damit nahezu auf dem Niveau der Gesamtstadt Bremen (43,1 Jahre). Ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt eine moderate Entwicklung: 1984 lag das Durchschnittsalter noch bei 40,1 Jahren, 1994 bei 40,6 Jahren und 2014 bei 43,5 Jahren. Diese Zahlen deuten auf eine gewachsene, kontinuierliche Entwicklung hin, ohne starke demografische Brüche.
Woltmershausen gliedert sich in die beiden Ortsteile Woltmershausen und Rablinghausen. Während beide eng miteinander verbunden sind, prägen unterschiedliche Strukturen das Bild: von klassischen Wohnstraßen über Kleingartengebiete bis hin zu gewerblich genutzten Flächen in Hafennähe. Insgesamt zeigt sich ein Stadtteil, der trotz seiner Nähe zu Industrie und Hafen eine stabile Wohnfunktion bewahrt hat. Die Mischung aus überschaubarer Größe, gewachsenen Nachbarschaften und moderater demografischer Entwicklung macht Woltmershausen zu einem Quartier mit Beständigkeit und Entwicklungspotenzial zugleich.
Zwei Ortsteile, zwei Perspektiven
Woltmershausen setzt sich aus den beiden Ortsteilen Woltmershausen und Rablinghausen zusammen. Beide sind eng miteinander verbunden, zeigen im Detail jedoch unterschiedliche Facetten des Stadtteils.
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Woltmershausen

Das Kulturhaus Pusdorf bietet ein buntes Programm aus vielfältigen Aktivitäten an. Kulturhaus Pusdorf Woltmershausen bildet den zentralen und dichter besiedelten Teil. Hier finden sich klassische Wohnstraßen, kleinere Geschäfte, soziale Einrichtungen und Treffpunkte des Alltags. Auch das Kulturhaus Pusdorf liegt hier und steht exemplarisch für das aktive Gemeinschaftsleben im Stadtteil. Gleichzeitig prägen die Nähe zu den Hafen- und Gewerbeflächen sowie historische Industrieansiedlungen das Umfeld. Diese Mischung aus Wohnen, Arbeiten und gewachsener Infrastruktur verleiht dem Ortsteil seinen eigenständigen Charakter.
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Rablinghausen
Rablinghausen wirkt dagegen ruhiger und stärker vom Grün geprägt. Die Nähe zur Weser und zum Weseruferpark mit Deich, Spazierwegen und Strandflächen macht den Ortsteil besonders attraktiv für Erholung im Alltag. Wohngebiete, Kleingärten und weite Freiflächen sorgen für eine offene, fast ländliche Atmosphäre. Gleichzeitig bleibt Rablinghausen eng an die Strukturen des Gesamtstadtteils angebunden.
Geschichte: Vom Marschland zum Hafenstadtteil
Die Ursprünge Woltmershausens liegen in der Marschlandschaft an der Weser, die durch Deichbau und Entwässerung erst besiedelbar wurde. Bis heute prägen Deiche und weite Flächen das Bild des Stadtteils. Mit der Industrialisierung und dem Ausbau der Bremer Häfen wandelte sich Woltmershausen grundlegend. Die Nähe zu den Neustädter Häfen machte den Stadtteil zu einem wichtigen Standort für Gewerbe und Industrie. Besonders prägend war die Tabakindustrie: Die Martin Brinkmann AG beschäftigte hier zeitweise mehrere Tausend Arbeiterinnen und Arbeiter, bevor das Unternehmen in den 1980er-Jahren den Standort aufgab. Heute steht der Stadtteil erneut für Wandel. Auf dem ehemaligen Brinkmann-Gelände entsteht mit dem Tabakquartier ein neues Quartier mit Wohnungen, Arbeitsplätzen sowie kulturellen und gastronomischen Angeboten.
Natur und Freiräume: Weser, Weite und viel Grün

Woltmershausen profitiert von seiner unmittelbaren Lage an der Weser und bietet überraschend viel Raum für Erholung im Grünen. Im Mittelpunkt steht der Weseruferpark Rablinghausen, der sich kilometerweit entlang des Deichs erstreckt und mit weiten Wiesen, Spazierwegen und Blick auf den Fluss zu den prägendsten Freiräumen des Stadtteils zählt. Besonders im Sommer zeigt sich hier die besondere Qualität des Quartiers: Ein Sandstrand an der Weser sowie ein Spiel- und Wassergarten machen den Bereich zu einem beliebten Ziel für Familien und Erholungssuchende. Der Park verbindet Naturerlebnis und Freizeitangebote auf engem Raum und schafft einen direkten Zugang zum Wasser.
Ergänzt wird dieses Angebot durch zahlreiche Kleingartengebiete, die sich durch den Stadtteil ziehen und das Bild mit prägen. Sie bieten Rückzugsorte, Begegnungsmöglichkeiten und tragen zur grünen Durchlässigkeit des Quartiers bei. Auch die Deichlandschaft selbst ist Teil des Alltags: Sie dient nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern ist zugleich ein wichtiger Aufenthaltsort für Spaziergänge und Radtouren – mit weitem Blick über die Weser und das Umland.
Bildung, Betreuung und Versorgung
Woltmershausen bietet eine solide Bildungs- und Betreuungsstruktur, die den Stadtteil insbesondere für Familien attraktiv macht. Mit der Grundschule Rablinghausen und der Grundschule an der Rechtenflether Straße stehen wohnortnahe Bildungsangebote für die jüngeren Jahrgänge zur Verfügung. Ergänzt wird dies durch die Oberschule Roter Sand, die als Ganztagsschule den Sekundarbereich abdeckt. Die frühkindliche Betreuung ist durch mehrere Kindertagesstätten im Stadtteil gesichert, darunter Einrichtungen in Trägerschaft von Kirche und Stadt. Auch Angebote für Kinder und Jugendliche, wie das Jugendzentrum Roter Sand oder das Kinder- und Jugendhaus am Warturmer Platz, sind fest im Quartier verankert.
Darüber hinaus verfügt Woltmershausen über eine vielfältige soziale Infrastruktur. Einrichtungen wie das Stiftungsdorf Rablinghausen, Angebote der Seniorenpflege sowie verschiedene Beratungs- und Unterstützungsstellen prägen das soziale Netz im Stadtteil. Sie tragen dazu bei, dass unterschiedliche Lebensphasen und Bedürfnisse im Alltag vor Ort abgedeckt werden können.
Einkaufen in Woltmershausen
Einkaufen in Woltmershausen ist eher kleinteilig und nachbarschaftlich geprägt. Statt großer Einkaufszentren bestimmen Supermärkte, Bäckereien und kleinere Geschäfte das Bild, die sich über den Stadtteil verteilen und die Nahversorgung sichern. Ein fester Bestandteil ist der Wochenmarkt an der Dötlinger Straße, auf dem frische Lebensmittel und regionale Produkte angeboten werden. Er dient nicht nur dem Einkauf, sondern auch als Treffpunkt im Alltag.
Engagement und Gemeinschaft
Woltmershausen ist ein Stadtteil mit ausgeprägtem Gemeinschaftsgefühl – nicht zuletzt geprägt durch die starke Identifikation vieler Bewohnerinnen und Bewohner mit „Pusdorf“. Der traditionsreiche Name ist bis heute fester Bestandteil des Alltags und steht für ein enges nachbarschaftliches Miteinander.
Ein zentraler Ort für dieses Miteinander ist das Kulturhaus Pusdorf. Seit den 1980er-Jahren bietet es Raum für Kultur, Begegnung und Austausch und richtet sich bewusst an alle Generationen. Mit Veranstaltungen, Kursen und Projekten trägt es dazu bei, das soziale und kulturelle Leben im Stadtteil aktiv mitzugestalten. Auch darüber hinaus zeigt sich das Engagement im Stadtteil in vielen Facetten – von lokalen Initiativen bis hin zu kulturellen Projekten, die immer wieder neue Impulse setzen.
Ein verbindendes Element ist zudem die Weserfähre „Pusdorp“, die in den Sommermonaten das linke mit dem rechten Weserufer verbindet. Sie bringt Fahrgäste vom Lankenauer Höft unter anderem zum Pier 2, zum Molenturm und in die Überseestadt – und schafft damit eine direkte Verbindung zu Freizeit-, Kultur- und Veranstaltungsorten auf der gegenüberliegenden Weserseite.
Stadtteil im Wandel: Tabakquartier und neue Perspektiven
Woltmershausen befindet sich sichtbar im Strukturwandel – besonders deutlich wird das im Bereich des ehemaligen Brinkmann-Geländes. Mit dem Tabakquartier entsteht hier eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Bremens, das dem Stadtteil neue Impulse gibt. Auf dem weitläufigen Areal werden Wohnraum, Arbeitsplätze, Kulturangebote sowie Gastronomie und Einzelhandel miteinander kombiniert. Historische Industriegebäude bleiben dabei teilweise erhalten und werden neu genutzt, während gleichzeitig moderne Neubauten das Quartier ergänzen. So entsteht eine Mischung, die an die industrielle Vergangenheit erinnert und gleichzeitig den Blick nach vorn richtet.
Das Tabakquartier zieht zunehmend Kreative, Unternehmen und neue Bewohnerinnen und Bewohner an und erweitert das Angebot im Stadtteil deutlich. Orte für Kunst und Kultur, etwa das Zentrum für Kunst im Tabakquartier, sind Teil dieser Entwicklung. Damit verändert sich nicht nur ein einzelnes Areal, sondern auch die Wahrnehmung des gesamten Stadtteils – hin zu einem Quartier, das Tradition und neue Nutzungskonzepte miteinander verbindet.

Woltmershausen und die Sparkasse Bremen
Auch in Woltmershausen ist die Sparkasse Bremen vor Ort vertreten. Die Filiale in der Hermann-Ritter-Straße 108 ergänzt die Nahversorgung im Stadtteil und ist eine Anlaufstelle für finanzielle Fragen im Alltag. Neben klassischen Bankdienstleistungen wie Beratung, Kontoführung und Serviceangeboten trägt sie dazu bei, dass wichtige Wege direkt im Stadtteil erledigt werden können. Damit fügt sich die Filiale in die insgesamt eher kleinteilige Versorgungsstruktur Woltmershausens ein – nah an den Menschen und eingebettet in das lokale Umfeld.

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