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Stadtteil-Kümmerer in der Werkstatt
Kristina Bumb

Stadtteil-Kümmerer im Bürgerhaus Obervieland

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Die Freiwilligen pflegen öffentliche Sitzbänke, Spielplätze und mehr

Es herrscht gute Laune in der offenen Werkstatt des Bürgerhauses Obervieland. Die Stadtteil-Kümmerer sind dort im Einsatz, schmirgeln voller Elan Holzbretter ab, arbeiten mit Pinsel und Lasur, sägen Metallstäbe zu und geben den einen oder anderen Scherz zum Besten. Die Werkstatt ist voll ausgestattet, Werkzeuge aller Art hängen sauber aufgereiht an den Wänden. Die Regale und Schränke sind mit Material von Farbeimer bis Schweißgerät gefüllt. Aus einem Spind holt Gruppenleiter Torsten Marold rote Daunenwesten. Der Name der Gruppe „Stadtteil-Kümmerer“ ist dort genauso eingestickt wie das Logo des Bürgerhauses.

„Wir sind eine Gruppe Freiwilliger aus dem Stadtteil, die sich vor allem um die Instandhaltung von öffentlichen Sitzbänken und Geräten auf Spielplätzen kümmert. Außerdem sind wir für die Durchführung der halbjährlichen ‚SperrGut-Tage‘ zuständig“, sagt Torsten Marold, der auch für die Haustechnik im Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland – kurz BGO – zuständig ist.

In der Freizeit für einen guten Zweck engagieren

Werkstatt der Stadtteil-Kümmerer
Der Anleiter der Gruppe, Thorsten Marold, und Stadtteil-Kümmerer Richard besprechen sich in der offenen Werkstatt des BGO. Kristina Bumb

Die Gruppe besteht aus sechs Freiwilligen, Männern und Frauen gleichermaßen. Viele sind im Rentenalter, einige auch jünger. Alle stammen aus Obervieland und hatten den Wunsch, sich für das eigene Umfeld zu engagieren und sich in der Freizeit für einen guten Zweck einzusetzen.

Ausgestattet mit den roten Daunenwesten ziehen die Stadtteil-Kümmerer los, begutachten Parkbänke sowie andere öffentliche Sitzgelegenheiten und nehmen sie mit, wenn eine Instandsetzung vonnöten ist. „Die roten Westen tragen wir, damit sich niemand wundert, wenn wir eine Bank abmontieren und abtransportieren“, sagt Torsten Marold lachend. Auch Geräte auf Spielplätzen werden bei Bedarf aufgearbeitet, gelegentlich ein Zaun repariert, zugewucherte Wanderwege gesäubert und anderes mehr.

Während der „SperrGut-Tage“, die in den Monaten April bis September im BGO ausgerichtet werden, sind die Gruppenteilnehmenden für die Sortierung der noch tauglichen Möbel und Co zuständig, die dann von Interessierten mit nach Hause genommen werden können. „Wir organisieren den Möbeltausch und reparieren auch Stücke, bei denen es sich lohnt. Was nicht mitgenommen wird, geben wir an Sozialkaufhäuser oder wird fachgerecht über die Gröpelinger Recyclinginitiative entsorgt“, schildert Torsten Marold.

Idee für Stadtteil-Kümmerer entstand aus einem glücklichen Zufall

Die Initialzündung für die Stadtteil-Kümmerer entstand aus einem glücklichen Zufall.  „Es gab damals viele Projekte für Frauen, aber keine für Männer. Wir haben dann überlegt, was wir anbieten können“, sagt Stefan Markus, Leiter und Geschäftsführer des BGO. Zur selben Zeit kam der Handwerker Torsten Marold auf ihn zu und suchte nach einer Möglichkeit, sich für seinen Stadtteil zu engagieren. Die Idee zu der Handwerkstruppe, die ein Auge auf Parkbänke und Co hat, war geboren. Über das Programm „WiN – Wohnen in Nachbarschaften“ beantragte Stefan Markus 2020 die ersten Fördermittel. „Trotz der Pandemie gelang uns ein toller Start, und es waren schnell Freiwillige gefunden“, blickt er zurück. Auch der Beirat Obervieland unterstützt das Projekt mittlerweile. Später kamen zu der Männerrunde auch Frauen hinzu, die herzlich aufgenommen wurden. „Wichtig ist uns dabei auch die gute Kooperation mit dem Umweltbetrieb Bremen, dem wir natürlich nicht die Arbeit wegnehmen wollen“,  so der Leiter des BGO.

Neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind den Stadtteil-Kümmerern stets willkommen. Sie können sich direkt im BGO melden. „Besondere handwerkliche Kenntnisse braucht man nicht, sondern einfach Spaß an der Sache und die Lust, etwas Neues zu lernen“, sagt Stefan Markus. Wer eine defekte Parkbank oder Klettergeräte auf einem Spielplatz melden möchte, kann sich ebenfalls ans BGO wenden. „Einen Anspruch auf Erledigung gibt es natürlich nicht“, lacht Stefan Markus.

Das BGO ist ein quirliger Treffpunkt für alle Altersgruppen

Bürgerhaus Obervieland
Offen und einladend zeigt sich das Bürgerhaus an der Alfred-Faust-Straße in Obervieland. Kristina Bumb

Von Montag bis Freitag ab 8 Uhr morgens stehen die Türen des BGO offen, und es herrscht geschäftiger Trubel. Das Bürgerhaus an der Alfred-Faust-Straße 4 ist ein lebendiger Treffpunkt für alle Menschen aus dem Stadtteil und alle Altersgruppen, ein beliebtes Veranstaltungszentrum und eine sozialpädagogisch betreute Anlaufstelle. Besucherinnen sowie Besucher kommen und gehen, Kursteilnehmende geben sich die Klinke in die Hand, man trinkt Kaffee, schnackt miteinander, besucht Konzerte, Theateraufführungen, Infoveranstaltungen oder nimmt eines der Gruppenangebote wahr.

Seit 1977 hat sich das BGO zu einem festen Bestandteil des sozialen und kulturellen Lebens im Stadtteil entwickelt. Ein gemeinnütziger Verein mit rund 100 Mitgliedern ist der Träger des BGO.

Weitere Informationen über das Bürgerhaus Obervieland mit seinen Projekten, Gruppen und Veranstaltungen sowie Kontaktdaten gibt es unter www.bgo-bremen.de.

Stadtteil-Kümmerer sägt Metall
Metallarbeiten sind gefragt, wenn die Freiwilligen zum Beispiel Turngeräte auf Spielplätzen instandsetzen.
Stadtteil-Kümmerer streicht Zaun
Die Gruppe der Stadteil-Kümmerer besteht aus Frauen und Männern.
Stadtteil-Kümmerer bei der Holzverarbeitung
Jeder der Stadtteil-Kümmerer hat anderes Knowhow und Geschick. Manche tischlern, andere streichen und lackieren, wieder andere schweißen Metall.
Stadtteil-Kümmerer schleifen Holz
Vor allem öffentliche Sitzbänke arbeiten die Stadtteil-Kümmerer auf. Viel Holzbearbeitung gehört zu den Aufgaben.

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Autorenbild Kristina Bumb

Von Kristina Bumb

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