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Panorama Ellener Hof
Rainer Geue

Das Stadtleben Ellener Hof ist ein Leuchtturmprojekt

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Gemeinsam wohnen und wachsen

Im Bremer Osten entsteht seit einiger Zeit ein beispielhaftes Projekt für Stadtteilentwicklung. Unter der Schirmherrschaft der Bremer Heimstiftung finden schon heute viele Menschen in dem sozial-ökologischen Stiftungsdorf Stadtleben Ellener Hof ein neues Zuhause. Doch das Projekt ist noch nicht abgeschlossen – im Gegenteil.

Sabine Schöbel
Sabine Schöbel von der Bremer Heimstiftung ist Projektleiterin des Stadtlebens Ellener Hof in Osterholz. Bremer Heimstiftung/Martin Rospek

Der Ort an der Ludwig-Roselius-Allee hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Der Ellener Hof wurde vor über 140 Jahren als Verein gegründet, um junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu fördern. Seit 2015 ist die Bremer Heimstiftung für das knapp zehn Hektar große Areal verantwortlich. „Der Verein hat der Heimstiftung damals das Gelände geschenkt – das war unser Glück“, sagt Sabine Schöbel. Sie ist Leiterin des Stiftungsdorfes und des Projektes Stadtleben Ellener Hof.

Schnell entstand bei den Verantwortlichen die Idee, aus dem Quartier mit dem Stiftungsdorf für Seniorinnen und Senioren auch einen Treffpunkt für Alt und Jung sowie Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zu machen. Gemeinsam sollen hier Nachbarschaft gelebt und bürgerschaftliches Engagement gefördert werden. Alle neuen Gebäude im Quartier entstehen dabei in Holz-Hybrid- sowie Holzrahmen-Bauweise und mit Gestaltungsvorgaben.

Zahlreiche unterschiedliche Einrichtungen und Institutionen beleben das Gelände

Werkstatt Fahrrad
Fahrrad kaputt? Kein Problem: Die Werkzeuge in der Werkstatt helfen allen weiter. Bremer Heimstiftung/Martin Rospek

Nach dem Umbau von bestehenden Gebäuden in den vergangenen Jahren eröffneten im Haupthaus Praxen für Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie. Die modernisierte Kultur-Aula bietet Vereinen und Initiativen sowie allen Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten für Aktivitäten. Neben einem Kindergarten ist inzwischen auch eine Schule für Pflegeberufe eingezogen. Das Studierendenwohnheim HolzBUDE und das Gästehaus der Stiftung Maribondo da Floresta beleben das Quartier zusätzlich. In einem Neubau sollen zudem Tagespflege, eine Pflege-Wohngemeinschaft sowie acht Einheiten für Wohnen mit Service zukünftig ein neues Zuhause finden.

Stadtleben Ellener Hof ist Klimaquartier und Fahrradquartier

Werkstatt Ellener Hof
Für alle frei zugänglich ist im Stadtleben Ellener Hof auch eine Elektrowerkstatt. Bremer Heimstiftung/Martin Rospek

Bäume und Grünflächen unterstützen den dörflichen Charakter des Stadtlebens Ellener Hof in Osterholz. Trotz direkter Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und das Einkaufszentrum Blockdiek bewahrt sich das Projekt damit seinen naturnahen Charme. „Klimaquartier Ellener Hof“ heißt das Modellvorhaben, das die Bremer Heimstiftung und der Bund für Umwelt Naturschutz Deutschland (BUND) in Bremen dabei verfolgen und als Partner tragen. Das Ziel ist ein verringerter Ausstoß von Treibhausgasen durch klimafreundliches Handeln im Alltag. In diesem Zuge beinhaltet das Projekt auch zehn Maßnahmen zur Stärkung des Rad- und Fußverkehrs. Diese zeichnen das Stadtleben Ellener Hof als offizielles Fahrradquartier aus.

„Ab Januar und im April gehen wieder einige Wohnungen in die Vermietung“, kündigt Schöbel die Möglichkeiten für Interessierte an. „Es ist eine bunte Mischung, die hier vor Ort entsteht. Und es ist für uns alle wirklich eine einmalige Chance, so ein Projekt zu entwickeln. Das macht einfach großen Spaß“, so die Organisatorin über das Stadtleben Ellener Hof.

Martinsclub eröffnet innovatives Wohnprojekt

Eingebettet in das Quartier ist ebenfalls ein innovatives Wohnprojekt vom Martinsclub Bremen e. V.. Im Oktober zogen sechs junge Erwachsene mit einer geistigen Beeinträchtigung ein, die unter anderem Verhaltensweisen des fetalen Alkoholsyndroms (FAS) zeigen. Dies kann auftreten, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol zu sich nimmt. Zu den möglichen Folgen zählen neben körperlichen Schäden oftmals ein auffälliges Sozialverhalten, Lernstörungen oder psychische Probleme.

„Es war eine Mammutaufgabe, dieses Projekt über lange Zeit voranzutreiben und umzusetzen. Nun sind wir sehr froh, dass wir diese neuartige Wohnform endlich fertigstellen konnten“, erklärt Martinsclub-Vorstand Thomas Bretschneider. Diese Wohnform mit ihrer speziellen Ausrichtung auf die Zielgruppe fetales Alkoholsyndrom gebe es nur ganze fünf Mal in Deutschland, in Bremen ist sie die erste ihrer Art. „Dieser fortschrittliche Ansatz und das innovative Vorgehen ist für die Zielgruppe, aber auch für ganz Bremen ein großer Gewinn“, freute sich Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport, bei der Eröffnung.

Weitere Informationen über das Stadtleben Ellener Hof finden sich auf dieser Seite.

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Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Ich fahre am liebsten mit der Vespa oder der Schwalbe durch unsere schöne Hansestadt und entdecke dabei immer wieder geheime Wege und versteckte Orte.

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