
Gartengestaltung im Klimawandel
„Wir müssen Gärten völlig neu denken“
Lange Trockenperioden, extreme Hitze und plötzliche Starkregenereignisse – der Klimawandel ist längst auch in unseren Gärten angekommen. Wie sich private Gärten an diese neuen Bedingungen anpassen lassen und welche Fehler viele Gartenbesitzer und -besitzerinnen noch immer machen, darüber spricht Naturgärtner Hartmut Clemen in seinen Vorträgen „Gartengestaltung im Klimawandel“ in den Stadtteilfilialen der Sparkasse Bremen am 18. Juni 2026 in Findorff und am 25. Juni 2026 in Schwachhausen. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei, um vorherige Anmeldung wird gebeten. Im Interview erklärt der Bremer Gartenexperte, worauf es jetzt ankommt – und warum ein Umdenken dringend notwendig ist.
SPOT: Herr Clemen, woran erkennen Gartenbesitzer und -besitzerinnen überhaupt, dass sich das Klima bereits verändert hat?

Hartmut Clemen: Das merkt man inzwischen sehr deutlich – auch als Laie oder Laiin. Wir haben immer längere Trockenperioden, gleichzeitig aber auch extreme Starkwetterereignisse. Ein sehr anschauliches Beispiel ist der sogenannte Sonnenbrand bei Äpfeln. Im August hängen teilweise Früchte an den Bäumen, die aussehen wie Bratäpfel aus dem Ofen. Die intensive Sonneneinstrahlung überfordert die Pflanzen schlichtweg.
Ein weiteres Problem: Äste brechen plötzlich ab, weil die Bäume durch die lange Trockenheit enorm gestresst sind. Sie versuchen, sich selbst zu entlasten. Das erleben wir nicht nur in großen Parkanlagen, sondern auch in ganz normalen Hausgärten – gerade bei älteren Bäumen.
Das klingt nicht nur nach einem optischen Problem, sondern auch nach einem Sicherheitsrisiko.
Absolut. Gerade wenn Äste unkontrolliert abbrechen, ist das ein Thema der Verkehrssicherheit – besonders in öffentlichen Bereichen wie Parks oder bei Kindergärten. Aber auch im privaten Garten sollte man das ernst nehmen.
Was kann man konkret tun, um den eigenen Garten widerstandsfähiger zu machen?
Ein ganz wichtiger Punkt ist, Schottergärten zu vermeiden. Sie sind nicht nur ökologisch problematisch, sondern verschärfen auch die Hitzeentwicklung. Viel wichtiger ist es, auf Vielfalt zu setzen. Klassische Kirschlorbeerhecken zum Beispiel bieten außer Sichtschutz kaum einen ökologischen Nutzen. Eine Rosenhecke oder andere vielfältige Bepflanzung ist deutlich sinnvoller.
Gibt es Maßnahmen, die man kurzfristig – noch in diesem Jahr – umsetzen kann?
Ja, auf jeden Fall. Man kann jetzt noch Wildblumen aussäen. Gerade weil wir immer weniger Insekten haben, ist das enorm wichtig. Früher hatte man nach einer Autofahrt im Sommer eine komplett verschmutzte Windschutzscheibe – das ist heute kaum noch der Fall.
Außerdem sollte man überlegen, die Gartenbeleuchtung in den Sommermonaten zu reduzieren, weil sie Insekten irritiert. Und bei der Pflanzenwahl empfehle ich Stauden und einjährige Blumen mit offenen Blüten, damit Insekten überhaupt an die Pollen gelangen.
„Ich freue mich, mein Wissen weitergeben zu können.“

Sie sprechen in Ihrem Vortrag auch das Thema Materialien im Garten an. Warum ist das so wichtig?
Wir sollten unbedingt auf Plastik verzichten. Viele unterschätzen das Problem. Selbst einfache Kunststoff-Gießkannen werden durch UV-Strahlung spröde und zerfallen nach wenigen Jahren. Dadurch gelangt Mikroplastik in den Boden – ein riesiges Problem. Das betrifft auch Schutznetze im Obstbau. Sie helfen zwar gegen Sonnenbrand, bringen aber langfristig Mikroplastik in Böden und Gewässer. Deshalb sollten wir grundsätzlich überlegen, ob wir solche Materialien wirklich einsetzen wollen.
Bedeutet das auch ein Umdenken bei der Pflege von Pflanzen?
Ja, definitiv. Beim Obstbaumschnitt zum Beispiel könnte es sinnvoll sein, weniger stark zu schneiden, um mehr natürliche Beschattung für die Früchte zu erhalten. Das führt zwar zu etwas weniger Ertrag, aber dafür zu gesünderen Früchten.
Ihre Vorträge in den Stadtteilfilialen der Sparkasse Bremen leben auch vom Austausch mit dem Publikum. Was erwartet die Besuchenden vor Ort?
Der Vortrag dauert etwa eine Stunde, danach gibt es immer eine offene Diskussionsrunde. Und genau das macht es spannend: Die Leute bringen ganz konkrete Fragen mit – zum Beispiel zu Mährobotern, zur Versiegelung von Wegen oder zur Wassernutzung im Garten. Ich erreiche dort ein sehr gemischtes Publikum, von jungen Menschen bis hin zu älteren Gartenbesitzenden oder enthusiastischen Kleingärtnern und Kleingärtnerinnen. Gerade diese Vielfalt finde ich besonders bereichernd.
Was motiviert Sie persönlich, diese Vorträge zu halten?
Ich komme aus der Praxis und habe viele Jahre als Naturgärtner gearbeitet. Heute bin ich im Ruhestand und freue mich, mein Wissen weitergeben zu können. Wenn ich dazu beitragen kann, dass Menschen ihre Gärten nachhaltiger gestalten, dann ist das für mich eine sehr sinnvolle Aufgabe. Ich freue mich auf zahlreiche Besuchende bei den kostenlosen Vorträgen in den Sparkassen der Hansestadt.
Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Nachhaltigkeit“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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