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Historisches Büro mit alter Schreibmaschine, Holzschreibtisch und Schubladenschrank im Dat lütje Museum Blumenthal.
Kristina Lohmeyer-Bumb

Dat lütje Museum in Blumenthal

Wo ein Stückchen der Bremer Woll-Kämmerei weiterlebt

Wer den ehemaligen Werkstattraum auf dem Gelände des Blumenthaler Heizkraftwerks betritt, reist zurück in der Zeit. Denn hier zeigt Dat lütje Museum, wie früher in der Bremer Woll-Kämmerei (BWK) tatsächlich gearbeitet, repariert und gelernt wurde.

Alte Werkzeuge, zahlreiche Erinnerungen und viele helfende Hände

Die rund 200 Quadratmeter große alte Werkstatt wirkt nicht wie ein klassisches Museum – und genau das ist gewollt. „Wir wollten den Charme der BWK erhalten“, sagt André Abrath, Geschäftsführer der Brewa wte GmbH. Das Unternehmen stellt das Betriebspersonal fürs Blumenthaler Heizkraftwerk und ist aus der Kämmerei entstanden. „Wir haben die Ausstellung daher bewusst in einer ehemaligen Werkstatt aufgebaut. Denn hier lebt die Geschichte.“

Ausstellungstisch im Dat lütje Museum Blumenthal mit historischen Fotos, Schildern, Mess- und Arbeitsgeräten sowie Dokumenten zur Bremer Woll-Kämmerei und zum Heizkraftwerk.
Fotos, Schilder und alte Arbeitsgeräte erzählen von der Industriegeschichte der Bremer Woll-Kämmerei. Kristina Lohmeyer-Bumb

Seit Jahren gab es in Blumenthal den Wunsch, die Historie der Bremer Woll-Kämmerei sichtbarer zu machen. Dass daraus nun Dat lütje Museum geworden ist, hat viel mit Zufall, Beharrlichkeit und einem gut gefüllten Fundus zu tun. „In unseren Schränken schlummerten zahlreiche historische Stücke aus der BWK-Zeit, und das fand ich zu schade“, erzählt Abrath. So fiel dann der Entschluss, diese Exponate für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Zusammengetragen wurden die Ausstellungsstücke von Kolleginnen und Kollegen der BREWA wte GmbH sowie von ehemaligen BWK-Beschäftigten. Auch bei der Einrichtung halfen viele mit – bis hin zu den eigenen Kindern von Abrath, Jannis und Tamara, und eines Kollegen, Luca und Maggi. Zu sehen sind nun unter anderem elektrische Messgeräte, Wollwaagen, Bohrer, Elektrokarren, Arbeitsplätze im Stil der 1990er-Jahre und eine Dampfturbine. Die Spuren der Nutzung sind dabei kein Makel, sondern Teil der Erzählung: Diese Dinge waren im Einsatz. Sie wurden gebraucht. Sie erzählen vom Arbeitsalltag auf dem Gelände.

Ein Ort der Technik

Bei der Eröffnung Ende Januar kamen viele Menschen zusammen, die auf unterschiedliche Weise mit der Bremer Woll-Kämmerei verbunden sind. Darunter ehemalige Beschäftigte, Menschen aus dem Stadtteil und Unterstützende, die sich seit Langem für die Erinnerung an die BWK einsetzen. Abrath beschrieb den neuen Ort bei der Eröffnung mit einem Satz, der gut zum Charakter der Ausstellung passt: „Dieses Museum ist ein Ort der Technik – aber auch der Erinnerung.“

Genau diese Mischung prägt Dat lütje Museum. Es geht um Maschinen, Geräte und Energieversorgung – aber auch um Arbeitsbiografien, um Fachwissen, um den Alltag in einem Unternehmen, das Blumenthal über Jahrzehnte geprägt hat. Denn die BWK war nicht nur ein Industriebetrieb. Sie war ein Stück Stadtteilgeschichte.

Geschichte zum Anfassen – mit Fokus auf Energie

Alter IBM-Computer mit Tastatur und Diskettenlaufwerken auf einem Tisch im Dat lütje Museum Blumenthal.
Auch frühe Computertechnik gehört zur Ausstellung und zeigt den Wandel der Arbeitswelt auf dem BWK-Gelände. Kristina Lohmeyer-Bumb

Abrath betont, dass Dat lütje Museum kein vollständiges BWK-Museum sein will. Dafür sei die Geschichte viel zu umfangreich. Der Schwerpunkt liegt auf der Energietechnik und damit auf einem Bereich, der eng mit dem heutigen Heizkraftwerk verbunden ist.

Diese Verbindung zwischen Woll-Kämmerei und Kraftwerk ist historisch gewachsen. Früher versorgte die Anlage vor allem die umliegenden Industriegebäude mit Wärme. Heute spielt das modernisierte Blumenthaler Heizkraftwerk eine Rolle in der Fernwärmeversorgung und soll künftig weitere Abnehmerinnen und Abnehmer im Bremer Norden erreichen.

Auch deshalb richtet sich die Ausstellung nicht nur an Menschen, die sich an frühere Zeiten erinnern. Sie soll ebenso erklären, wie Energie entsteht und wie sich Technik verändert hat. „Es gibt einen Bereich, der sich mit dem aktuellen Kraftwerk befasst“, sagt Abrath. „Hier geht es um Aufklärung.“ Ihm ist wichtig zu erklären, dass im Ersatzbrennstoffheizkraftwerk aufbereitete Abfälle verbrannt werden – aber keine Gelben Säcke. „Die Emissionen der Anlage werden streng überwacht“, so Abrath.

Historische analoge Messgeräte aus Holz und Metall auf einer Werkbank im Dat lütje Museum Blumenthal.
Alte Messgeräte zeigen, wie viel handwerkliches Wissen früher für technische Arbeiten auf dem BWK-Gelände nötig war. Kristina Lohmeyer-Bumb

Ein kleines Messgerät als Lieblingsstück

Unter den vielen Exponaten gibt es für Abrath ein besonderes Lieblingsstück: ein kleines Messgerät aus der Zeit um 1950. Damit konnten Spannungen, Stromstärke und Widerstände gemessen werden. Es ist mit Messing verkleidet und in einer Holzschatulle untergebracht.

„So etwas baut man heute nicht mehr“, sagt Abrath. Für ihn steht dieses Gerät beispielhaft für eine Zeit, in der technisches Wissen, Erfahrung und handwerkliches Können unmittelbar zusammengehörten. „Ingenieure und Techniker mussten damals wissen, was sie tun“, erklärt er. „Das Wissen, was heute ausgelagert in der Cloud ist und über KI oder was auch immer abgerufen werden kann, mussten die Leute damals in ihren Köpfen haben. Das fasziniert mich.“

Warum Schulklassen ausdrücklich willkommen sind

Dat lütje Museum richtet sich an Blumenthalerinnen und Blumenthaler, an ehemalige BWK-Beschäftigte, an Technikinteressierte – und ausdrücklich auch an Kinder und Jugendliche. Abrath möchte junge Menschen für Technik begeistern und ihnen zeigen, dass es spannende Berufe abseits digitaler Traumberufe gibt. Sein Appell an Schulen aus der Umgebung ist entsprechend direkt: „Kommt vorbei, wenn das Thema Müll auf dem Stundenplan steht. Kommt vorbei, wenn es um Energie geht.“

Schon früher kamen Schulgruppen ins Kraftwerk, wenn es im Unterricht um Energiegewinnung oder Abfallwirtschaft ging. Nun lässt sich ein Besuch mit einem Rundgang durch das Museum verbinden. So wird aus Industriegeschichte ein Lernort, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft.

Dat lütje Museum befindet sich am Zum Kammstuhl 13 in Bremen-Blumenthal. Besichtigungen sind montags bis freitags während der Bürozeiten von 8 bis 15 Uhr möglich. Der Eintritt ist kostenlos. Führungen finden nach Absprache auch am Wochenende statt. Ausstellungsstücke aus der Zeit der Bremer Woll-Kämmerei werden weiterhin entgegengenommen.

Das gründerzeitliche Lager- und Sortiergebäude der Bremer Wollkämmerei
Außergewöhnliche Sehenswürdigkeit: Bremer Wollkämmerei

Das Gelände der ehemaligen Bremer Wollkämmerei (kurz BWK) im Blumenthaler Zentrum lädt zum Spaziergang durch die Vergangenheit ein. Zeitweilig war auf dem Areal die größte industrielle Wollaufbereitung Deutschlands ansässig, die einen Ruf von Weltrang genoss. Zwar ist die BWK eines von Bremens großen untergegangenen Unternehmen, aber die prachtvolle Industriearchitektur ist eine echte bremische Sehenswürdigkeit.

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Luftaufnahme des Umbaus der Bremer Wollkämmerei zum Berufsschulcampus Bremen
Berufsschulcampus Blumenthal: Bildungszukunft auf historischem Boden

Im Bremer Norden wächst derzeit ein Projekt heran, das nicht nur bildungspolitisch, sondern auch stadtentwicklungstechnisch neue Maßstäbe setzt: Der Berufsschulcampus Blumenthal entsteht auf dem traditionsreichen Gelände der ehemaligen Bremer Wollkämmerei (BWK). Mitten im Kämmerei-Quartier formt sich ein Ort für zukunftsgerichtetes Lernen – und gleichzeitig ein Symbol für den strukturellen Wandel in einem Stadtteil mit Industriegeschichte.

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Autorenbild Katharina Resmer

Von Katharina Resmer

In bin in Niedersachsen geboren, in Bremen-Nord aufgewachsen, habe in Hamburg zu mir selbst gefunden – und bin nun endlich wieder in der kleineren Hansestadt angekommen, um zu bleiben. Wandern, Fahrradfahren und Tagträumen – all das klappt ganz wunderbar in der neu-alten Heimat.

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