kunsthalle bremen museum wieder offen
Marcus Meyer/Kunsthalle Bremen

Bitte Platz nehmen: Kunst direkt im Museum erleben

Wieder geöffnet mit Abstand und Hygienemaßnahmen: Ein Überblick über aktuelle Ausstellungen in Bremen

Seit rund einem Monat dürfen sie bereits erneut Besucherinnen und Besucher empfangen – die Museen in Bremen. Rund um den Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie gab und gibt es weiterhin in einigen virtuelle Rundgänge. Doch nun kann sich jeder und jede wieder ganz unmittelbar von der Vielfalt der Kunst ein Bild machen. Einige Ausstellungshäuser sind dabei mit neuen Schauen gestartet. Wir geben im Folgenden einen Überblick über die aktuellen und abwechslungsreichen Ausstellungen in zehn Bremer Kunst-, Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen.

Was allen derzeit gemeinsam ist: Ohne Schutz- und Hygienemaßnahmen geht es nicht. Dazu gehören etwa Mund-Nase-Schutz und Abstandregeln. Teilweise gibt es Beschränkungen der Eintrittszahlen. Und nicht überall werden zurzeit Führungen angeboten. Alle Infos dazu finden Sie auf den Verlinkungen zu den einzelnen Museen.


  1. Kunsthalle Bremen

    Die Kunsthalle Bremen präsentiert ganz frisch seit dem 6. Juni die Ausstellung „Remix 2020. Die Sammlung neu sehen“. Hinter dem Titel verbirgt sich die umfassende Neukonzeption der bisherigen Dauerausstellung, also eine kreative Neumischung der vorhandenen Kunstwerke. Es ist die erste grundlegende Veränderung seit zehn Jahren. Dafür wurden die Wände mit auffallenden Farben gestrichen, es gibt aufwendige Installationen – und die zahlreichen Gemälde und Skulpturen können neu und überraschend arrangiert besichtigt werden.

    Inhaltlich erhalten nun zum Beispiel die Nachkriegskunst und zeitgenössische Arbeiten eine stärkere Gewichtung. In der Großen Galerie reisen Besucherinnen und Besucher durch mehr als 400 Jahre Kunstgeschichte – vermittelt durch umfangreiche Skulpturenbestände.

    Neben der neuen Dauerausstellung sind zwei Sonderschauen zu sehen: „Am Anfang war die Zeichnung – Formen und Funktionen seit der Renaissance“ (bis 6. September 2020) sowie „Norbert Schwontkowski – Some Of My Secrets“ (bis 2. August 2020).

    Ab Juli finden auch wieder Führungen statt – für maximal zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

    Weitere Informationen gibt es auf der Website der Kunsthalle Bremen.

  2. Übersee-Museum

    Bis zu 150 Besucherinnen und Besucher dürfen aktuell wieder ins Übersee-Museum. Das Haus bietet eine gute Gelegenheit, in Zeiten von Reisebeschränkungen eine Tour rund um die Welt quasi vor der eigenen Haustür zu unternehmen. Die Daueraustellungen führen nach „Amerika“, „Asien“, „Afrika“ und „Ozeanien“. Darüber hinaus kann das „Schaumagazin“ besichtigt werden. Hinzu kommen zwei weitere ständige Schauen: „Erleben, was die Welt bewegt“, die sich mit globalen Phänomenen beschäftigt, sowie „Spurensuche – Geschichte eines Museums“. In dieser Ausstellung setzt sich das Übersee-Museum mit seiner eigenen Geschichte und der Beschaffung der Objekte kritisch auseinander.

    Verlängert wurde im Zuge der Corona-Pandemie die Sonderschau „Aus den Augen? Postkoloniale Fragmente“. Bis 1. November geht es im Kabinett Übersee um einen Dialog zur kolonialen Vergangenheit.

    Ob es aktuell Führungen und Events im Übersee-Museum gibt, erfahren Interessierte im Veranstaltungskalender.

    Alle Infos zum Besuch im Übersee-Museum gibt es hier.

  3. Weserburg

    Seit der Wiedereröffnung der Weserburg – Museum für zeitgenössische Kunst sind dort vier Ausstellungen zu sehen. Neu ist die Schau „Birgit Jürgenssen. Ich bin.“.

    Kunstwerk Ausstellung jeder hat eine eigenen Ansicht
    Nach der Corona-bedingten Schließung gibt es eine neue Ausstellung in der Weserburg Bremen. Das Museum zeigt Werke von Birgit Jürgenssen. Birgit Jürgenssen/Weserburg

    Birgit Jürgenssen (1949 bis 2003) gehört zur künstlerischen Avantgarde der 1970er-Jahre in Österreich. Generationen nachfolgender Künstlerinnen und Künstler weltweit wurden von ihrem Schaffen nicht nur als Künstlerin, sondern auch Lehrende und Beobachterin kultureller und sozialer Konditionen beeinflusst. Sie orientierte sich an verschiedenen kunsthistorischen Traditionen – dazu gehören der Surrealismus und die Antike. Darauf aufbauend schuf sie Zeichnungen und Fotografien, Skulpturen, Objekte, Videos und kollaborative Projekte. Die Schau in der Weserburg zeigt ihr Schaffen in allen Facetten und ermöglicht so die Wiederentdeckung einer der spannendsten Künstlerinnen ihrer Generation.

    Weitere aktuelle Ausstellungen in der Weserburg:

    • „So wie wir sind 2.0“ mit mehr als 180 Werken von über 100 Künstlern und Künstlerinnen aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten
    • „Künstlerbücher: Vielfältig Mehrseitig“ – eine Kabinettausstellung für Künstlerpublikationen
    • „Die gefaltete Stadt“ – Werke des Kinderkulturprojekts des Vereins Quartier

     

    Veranstaltungen wie Eröffnungen, Vorträge, Künstlergespräche, Konzerte und Ähnliches sind bis zum Ende der Bremer Sommerferien abgesagt. Es können aber die digitalen Angebote unter www.weserburg.de sowie auf Facebook und Instagram genutzt werden.

  4. Focke-Museum

    Das Focke-Museum gibt nach der Corona-bedingten Schließung nun wieder Einblicke in die Bremer Kunst- und Kulturgeschichte. Es sind aber noch nicht alle Bereiche zugänglich. Besichtigt werden können die Sonderausstellungen „Schlüsselmomente. Bremen im Pressefoto (1945-2020)“ und „Mein Name ist Hase. Redewendungen auf der Spur“. Ebenfalls geöffnet sind die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte im Haupthaus, das Schaumagazin und dieTarmstedter Scheune.

    Geschlossen bleiben vorläufig das Haus Riensberg, die Wissenswerkstatt Archäologie im Eichenhof sowie das Haus Mittelsbüren.

    Infos zu möglichen Führungen finden sich im Veranstaltungskalender.

  5. Universum

    Einblicke in die Welt der Wissenschaft vermittelt das Universum Bremen. Der Besuch ist bis auf Weiteres mit sogenannten Termintickets möglich. Diese werden vorab im Online-Shop erworben. Danach steht der Entdeckung  von naturwissenschaftlichen Phänomenen an mehr als 300 Exponaten fast nichts mehr im Weg. Allerdings sind zum Schutz der Gesundheit der Besucherinnen und Besucher einige Objekte aktuell nicht zugänglich.

    Insgesamt können drei Themenbereiche erkundet werden: Technik, Mensch und Natur. Die beliebten Science-Shows wird es aber vorerst nicht geben, ebenso wie das „Dinner im Dunkeln“.  Und es werden Stationen, die mit den Augen, der Nase oder dem Mund erforscht werden, zur Sicherheit gesperrt. Der Außenbereich ist zwar für alle Gäste aktuell kostenlos zugänglich. Der Turm der Lüfte und einige weitere Exponate bleiben aber geschlossen. Vor diesem Hintergrund ist der Eintrittspreis um zehn Prozent gesenkt worden.

    Weitere Informationen, auch zur geplanten Wiederaufnahme der Veranstaltungen, können über die Homepage des Universums gefunden werden.

  6. Museen Böttcherstraße

    Die Museen Böttcherstraße haben das Paula-Modersohn-Becker-Museum und das Ludwig-Roselius-Museum wieder geöffnet. Es sind derzeit zeitgleich 25 Personen in den Museen erlaubt.

    Die aktuelle Ausstellung „Körper.Gefühl – Maria Lassnig aus der Sammlung Klewan“ wurde bis 2. August 2020 verlängert. Lassnig (1919 bis 2014) prägte die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in Österreich maßgeblich. Ihr Erfolg stellte sich allerdings spät ein. Ihre Werke erscheinen auf den ersten Blick schwer zugänglich.  Sie stellte massive Körper, riesige Körperöffnungen oder einzelne Körperteile dar. 70 dieser Kunstwerke werden nun in der ersten monografischen Ausstellung zu Maria Lassnig in Bremen ausgestellt.

    Vom 19. September bis zum 24. Januar 2021 ist die Schau „Berührend – Annäherung an ein wesentliches Bedürfnis“ zu sehen – und thematisiert ein ganz aktuelles Thema: Welche psychischen Auswirkungen der Verzicht an sozialen Kontakten mit sich bringt, erfahren alle gerade während der Corona-Pandemie. In der Kunst spiegeln sich viele Facetten der Berührung wider: von der Begrüßung über Liebe bis bis zum bewussten Kontaktentzug. Zu sehen sind unter anderem Werke von Paula Modersohn-Becker, Tilman Riemenschneider, Bernhard Hoetger oder Lucas Cranach d. Ä.

    Weitere Informationen: Museen Böttcherstraße

  7. Wilhelm-Wagenfeld-Haus

    Noch bis zum 27. September zeigt das Wilhelm-Wagenfeld-Haus die Ausstellung „100 Beste Plakate 18. Deutschland Österreich Schweiz“.

    Die 100 Plakate wurden von einer Jury aus mehr als 2300 Bewerbungen ausgesucht. Die Präsentation folgt dabei einem besonderen Muster: Sie sind nach Themen gegliedert – zum Beispiel in das „Das politische Plakat“ und „Schrift als Bildmedium“.

    Weitere Informationen zum Besuch des Wilhelm-Wagenfeld-Hauses gibt es hier.

  8. Gerhard-Marcks-Haus

    Im Gerhard-Marcks-Haus sind bis 11. Oktober 2020 drei Ausstellungen zu sehen: Unter dem Titel „Bremen Vierkant“ werden Werke von Robert Schad präsentiert. Er gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Stahlbildhauer. Er kreiert aus massivem Vierkantstahl „Zeichnungen im Raum“.

    Der Bildhauer Jussuf Abbo (um 1890 bis 1953) ist ein arabischer, in Safed geborener Jude. Er begeisterte insbesondere das Berlin der „Goldenen Zwanziger Jahre“ des vergangenen Jahrhunderts mit seinen sensibel modellierten Köpfen und Papierarbeiten. Parallel werden Akt- und Gewandfiguren von Gerhard Marcks aus den Jahren 1931 bis 1945 präsentiert. Das Motto der Schau: „Auf Augenhöhe“.

    Unter dem Titel „Stream“ wird der Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses zu einem Ort der Entschleunigung. Im Zentrum steht der 2018 entstandene gleichnamige Film von Martin Koroscha, der einen Dialog zwischen gefilmter bewegter Wasseroberfläche und der Musik der Cellistin Lynda Anne Cortis zeigt. Das Arbeiten mit Fotografie und Film ist für Martin Koroscha eine Erweiterung seiner malerischen Tätigkeit. Einige Fotografien sind auch ausgestellt.

    Weitere Infos auf der Website vom Gerhard-Marcks-Haus.

  9. Hafenmuseum Speicher XI

    Seehause Ausstellung hafenmuseum Bremen
    „Raum für Vermutungen“ heißt die neue Ausstellung im Hafenmuseum Speicher XI. Um gefundene Objekte wie diesen Seehasen werden Geschichten gerankt. Hafenmuseum Speicher XI

    Rund einen Monat nach der Wiedereröffnung des Hafenmuseums Speicher XI startet am 14. Juni die Sonderausstellung „Raum für Vermutungen“. Die Schau  präsentiert elf Fundstücke aus der Weserregion, die eine regionalgeschichtliche Bedeutung oder eine Nähe zur Schifffahrt aufweisen. Zu jedem Ausstellungsstück haben zeitgenössische Autorinnen und Autoren literarische Texte verfasst, die in Wechselwirkung mit dem Objekt treten.

    Wo kommt das Objekt her? Unter welchen Umständen gelangte es an diesen Ort? Wie entstand es? Wer hat es benutzt? Diese und weitere Fragen wurden von ihnen interpretiert. In Abgrenzung zu üblichen Objektbeschreibungen in Museen, die sich an Objektivität und Wissenschaftlichkeit orientieren, sind die Ausstellungstexte hier subjektiv und fiktiv.

    In der Dauerausstellung gibt es darüber hinaus „Hafengeschichte zum Anfassen“. Besucherinnen und Besucher tauchen ab in 120 Jahre bremische Hafengeschichte.

    Führungen werden übrigens wieder angeboten – zum Beispiel für Familien: „Fiete Hansen löscht ein Schiff!“

    Termine und Infos: Hafenmuseum Speicher XI.

  10. Krankenhaus-Museum/Galerie im Park

    Zur KulturAmbulanz gehören das Haus im Park, die Galerie im Park und das Krankenhaus-Museum. Dort finden regelmäßig Ausstellungen, Führungen, aber auch Events statt.

    Noch bis 5. Juli 2020 ist die Schau „Gesichter und Geschichten – Fotoporträts, Filme, Bilder und Texte aus 30 Jahren Psychiatriereform“ in der Galerie im Park zu sehen.

    Das Krankenhausmuseum ist ein medizinhistorisches Spezialausstellungshaus und im vergangenen Jahr 30 Jahre alt geworden. Unter dem Titel „Vom Narrenkäfig zur Nervenklinik – Wer ist hier ver-rückt?“ dokumentiert es mit Hörstationen, interaktiven Medien und einem Film die Kulturgeschichte der Psychiatrie.

    Nach der Corona-Pause haben nicht nur die Ausstellungen wieder geöffnet, es werden auch Führungen in kleinen Gruppen und nach Voranmeldung veranstaltet.

Eine Übersicht über alle Museen in Bremen gibt es hier.

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Autorenbild Steffi Urban

Von Steffi Urban

Vom Harz in die Hansestadt: Inzwischen lebe ich seit mehr als zehn Jahren in Bremen und entdecke mit Kamera und Klapprad immer noch tolle neue Ecken.

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