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Geschichtenhaus Vegesack

Ein lebendiges Museum im Bremer Norden

Das Vegesacker Geschichtenhaus

Das Geschichtenhaus Vegesack ist mehr als ein gewöhnliches Museum. Es ist ein lebendiges Erzähltheater, in dem historische Figuren in authentischen Kostümen die Besuchenden durch verschiedene Epochen aus dem Bremer Norden führen. Wir sprachen mit dem neuen Betriebsleiter Andreas Plundrich über die aktuellen Inhalte und neue Ideen für die Zukunft des Hauses am Hafen.

Die Stadtgeschichte in kleinen Theaterszenen in historischem Umfeld erleben und das Vegesack des 19. Jahrhundert kennenlernen: Ein Besuch im Geschichtenhaus hält spannende Erlebnisse für Groß und Klein parat. Ein Rundgang über die legendäre Lange-Werft, die als Vorläufer der Bremer Vulkan Großwerft gilt. Oder ein kurzer Plausch mit den Handwerkenden und ein Getränk in der benachbarten Hafenschänke. Doch Vorsicht vor dem Hafenmeister, der schaut, ob die Nachtruhe auch eingehalten wird – alles eingerahmt mit originalen Möbeln und Utensilien aus der damaligen Zeit.

Wiedereingliederung ins Berufsleben steht im Fokus des Beschäftigungsträgers

Vegesacker Geschichtenhaus
Die Besuchenden im Geschichtenhaus erleben historische Szenerien. Matthias Sabelhaus

„Wir haben immer von Mittwoch bis Samstag zwischen 11 und 16 Uhr geöffnet“, berichtet Andreas Plundrich, der seit einigen Monaten als Betriebsleiter die Geschicke des Hauses in Bremen-Nord lenkt. „Für Schulklassen öffnen wir auf Anfrage auch gern früher, leider dürften wir aber aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen nicht am Sonntag öffnen“, berichtet er. Hintergrund ist, dass zumeist Langzeitarbeitslose in die Rollen der Menschen aus dem Hafen schlüpfen. „Dies ist eine Maßnahme des Jobcenters und des Europäischen Sozialfonds und die gestattet uns keine Sonntagsarbeit“, sagt der Betriebsleiter.

Als gemeinnütziger Beschäftigungsträger des Ortes tritt der bras e.V. auf, der seit über 30 Jahren arbeitsuchenden Menschen sowie Langzeitarbeitslosen Beschäftigungsmöglichkeiten bietet und auch ein Geschichtenhaus im Bremer Schnoor betreibt. Ziel ist dabei die Wiedereingliederung ins Berufsleben. Derzeit sind im Vegesacker Geschichtenhaus knapp 20 Menschen in geförderten Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Die Tätigkeitsbereiche umfassen dabei den Einlass, die Buchungsabwicklung, die Teilnahme an Spielführungen sowie Aufgaben im Veranstaltungsservice und der Gastronomie. Darüber hinaus wurde eine Kreativwerkstatt eingerichtet, in der Kostüme und Accessoires geschneidert werden. Verstärkt wird das Team von zahlreichen Ehrenamtlichen.

Historisches Ambiente eines Hafens im Geschichtenhaus erleben

Vegesacker Geschichtenhaus
Die Geschichte des Walfangs wird in der Ausstellung erzählt. Matthias Sabelhaus

Die Schauspielenden in den historisch eingerichteten Ausstellungsräumen erzählen spannende und bewegende Geschichten aus der Vergangenheit Vegesacks. Sie schlüpfen dabei in die Rollen von Fischern, Kaufleuten, Hausfrauen und anderen historischen Persönlichkeiten, die das Leben im Bremer Hafenort prägten. Die Arbeit im Geschichtenhaus gibt diesen Menschen sehr viel zurück, wie Plundrich aus dem Alltag berichtet. „Das Selbstvertrauen und die Kommunikationsfähigkeit werden durch die Theatervorführungen enorm gestärkt. Das regelmäßige Spiel macht ihnen Mut und gibt ihnen neben der täglichen Struktur auch eine berufliche Chance“, erzählt der Betriebsleiter.

Eine Spielführung im Geschichtenhaus dauert circa 30 bis 45 Minuten und im Anschluss haben die Gäste die Möglichkeit, im Galerie-Café oder auf der Dachterrasse das Erlebte bei einem Snack oder Getränk gemeinsam zu besprechen. Das Konzept des Geschichtenhauses verbindet Bildung und Unterhaltung auf einzigartige Weise. Es bietet nicht nur spannende Geschichten, sondern auch fundiertes historisches Wissen. Für Schulklassen und Kindergruppen gibt es spezielle Führungen, die altersgerecht gestaltet sind und spielerisch Wissen vermitteln. Auch für Erwachsene ist der Besuch ein lehrreiches Erlebnis, das die Geschichte Vegesacks und Bremens aus neuen Perspektiven beleuchtet.

Geschichtenhaus Vegesack möchte Ort des Austausches sein

Neben den Führungen bietet das Geschichtenhaus auch Raum für weitere kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Workshops. Und auch für private Feiern stehen Räume zur Vermietung in Vegesack parat. Für Plundrich soll sich alles noch weiter in die Richtung eines Ortes zum Austausch entwickeln. „Bei uns sollen sich die Menschen begegnen und gemeinsam in die Geschichte eintauchen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Schulen, Vereinen und Kunstschaffenden fördert das kulturelle Leben im Stadtteil und stärkt das Gemeinschaftsgefühl“, berichtet Plundrich. Dabei sucht der Betriebsleiter auch den Kontakt mit anderen Institutionen im Bremer Norden. „Kooperationen mit dem Overbeck Museum sind in Planung und perspektivisch auch Aktionen mit dem Schöneberger Schloss.

 

Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des Vegesacker Geschichtenhauses.

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Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Ich fahre am liebsten mit der Vespa oder der Schwalbe durch unsere schöne Hansestadt und entdecke dabei immer wieder geheime Wege und versteckte Orte.

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