Meine Favoriten

Bürgerverein Borgfeld
Tjark Worthmann

Bremen historisch: Bürgerverein Borgfeld

Artikel merken

Geschichte aus Borgfeld persönlich erleben

Es ist eng geworden im Littweg in Bremen-Borgfeld. Eigentlich wäre schon etwas Platz im ehemaligen Spritzenhaus der Feuerwehr. Doch seitdem der 1958 gegründete Bürgerverein Borgfeld die Räumlichkeiten in Anspruch nimmt, wird Stauraum dort immer mehr zur Mangelware.

Wir sind in unserer Serie „Bremen historisch“ diesmal in Borgfeld im Bremer Osten. Gern auch mal als Dorf in der Stadt bezeichnet, leben dort inzwischen über 9000 Menschen. Urkundlich wurde der Stadtteil erstmalig im Jahr 1235 erwähnt. Da liegt es nicht fern, dass sich engagierte Bewohnerinnen und Bewohner von „Borchfelde“ um die Historie der ehemaligen Wümme-Siedlung aus dem Mittelalter kümmern.

Zahlreiche Zeitdokumente aus Borgfeld und umzu

Heiko Wagener Borgfeld
Heiko Wagener ist Archivar und Vorsitzender des Bürgervereins Borgfeld. Tjark Worthmann

„Ich wohne seit 1973 im Stadtteil und beteilige mich seit 2004 im Bürgerverein Borgfeld“, erzählt uns der Vorsitzende Heiko Wagener. „Erst sollte ich ein Archiv anlegen, weil ich was von Computern verstand, dann wurde ich Schriftführer und schließlich irgendwann Vorsitzender“, sagt er verschmitzt. Ende März wird die ehrenamtliche Arbeit für ihn jedoch erstmal weniger werden. Wagener gibt sein Amt ab und tritt etwas kürzer. „20 bis 30 Stunden kümmere ich mich derzeit  in der Woche um das Archiv“, ergänzt er.

324 Mitgliederinnen und Mitglieder zählt der Verein derzeit und im Sommer steht nach langer Pause im Veranstaltungskalender auch endlich wieder eine gemeinsame Aktivität: „Wir möchten gemeinsam mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils am 25. und 26. Juni ein Sommer-Weinfest feiern“, freut sich Wagener. Besonders, weil solche Veranstaltungen immer neue interessierte Menschen in Kontakt mit dem Verein bringen. „Alles potenzielle Mitglieder für uns in Borgfeld“, grinst er.

Bürgerverein Borgfeld
In den Räumlichkeiten am Littweg wird es langsam eng. Tjark Worthmann

Im derzeitigen Vereinsgebäude lagern neben randvollen Regalen mit historischen Zeitdokumenten auch zahlreiche Kartons. „Wir bekommen viel Material aus Nachlässen“, sagt Wagener dazu. Interessierte können alte Dokumente, Unterlagen und Bücher gern vorbeibringen und die Ehrenamtlichen sortieren dann, was archiviert wird und was nicht. „Klar ist es schwer, sich zu trennen“, gibt der Archivar zu. „Inzwischen ist es eine Kapazitätsfrage“, seufzt Wagener und blickt auf ein altes Adressbuch aus dem Jahr 1908. „Damals wurden erstmalig Straßennamen eingeführt, vorher erhielt jeder neue Hof in Borgfeld einfach eine fortlaufende Nummer.“ Der Archivar hat durch seine lange Erfahrung zu vielen Dokumenten eigentlich immer eine kleine Geschichte zu erzählen.

Unterschrift von Theodore Roosevelt im Borgfelder Archiv

Jeden Sonntag öffnet der Bürgerverein von 10 bis 12 Uhr seine Türen und Interessierte können die historischen Unterlagen durchforsten und sich über den eigenen Stadtteil informieren. Wagener ist studierter Elektrotechniker, interessiert sich jedoch schon sein gesamtes Leben für Geschichte. Besonders stolz ist er auf eine echte Unterschrift des amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt. Ein Sohn des bekannten Bremer Kauffmanns Adolf Lüderitz wurde in den USA zum Konsul der Stadt Baltimore ernannt. Die dazugehörige Urkunde und die passende Unterschrift des bekannten Staatsoberhauptes aus Übersee fand über viele verschlungene Kanäle den Weg in das Regal im Borgfelder Littweg.

Hoffnung auf Bau eines neues Bürgerhauses in Borgfeld

Archiv Borgfeld
Historische Zeitdokumente warten auf die Besucherinnen und Besucher im Littweg. Tjark Worthmann

„Wir nehmen gern alles alte Material bei uns an“, versichert uns Wagener noch einmal und hofft, dass die Pläne für ein eigenes Bürgerhaus und damit auch mehr Platz für das Archiv bald Realität werden. Zwischen der Schützengilde und dem Feuerwehrhaus ist nämlich noch eine unbebaute Festwiese frei. Diese wurde den Bürgerinnen und Bürgern von Borgfeld vor Ewigkeiten von der Jacobs-Familie geschenkt. Und nun wäre es laut Wagener doch schön, wenn ein kleiner Teil der grünen Fläche den Baugrund für eine neue Heimat des Bürgervereins Borgfeld bilden könnte: „Wer seine Geschichte nicht kennt, weiß nicht, was in der Gegenwart und in der Zukunft passiert“, sagt er über die Faszination an der Stadtteil-Historie. „Ich würde mir wirklich wünschen, wenn es einen neuen Ort der Begegnung geben könnte, der Platz für unsere Aktivitäten und vieles mehr bieten würde“, sagt Wagener über den erhofften Neubau eines Bürgerhauses in Bremen-Borgfeld.

In unserer Serie „Bremen historisch“ forschen wir tief in den Geschichtsbüchern der Stadtteile Bremens. Engagierte Menschen in der ganzen Hansestadt sorgen an vielen Orten mit ihren Archiven und intensiver ehrenamtlicher Arbeit dafür, dass wichtige lokale Geschehnisse für die Zukunft erhalten bleiben.

Bisher veröffentlichte Texte:

Arbeitskreis Arster Geschichten

Heimatverein Lesum

Fotos Slider: Bürgerverein Borgfeld, Tjark Worthmann

Bürgerverein Borgfeld
In den Räumlichkeiten am Littweg ist immer weniger Platz vorhanden.
Archiv Borgfeld
Historische Zeitdokumente warten auf die Besucherinnen und Besucher im Littweg.
Heiko Wagener Borgfeld
Heiko Wagener ist Archivar und Vorsitzender des Bürgervereins Borgfeld.
Bremen historisch: Heimatverein Lesum

Einen Blick in die Geschichte der eigenen Heimat zu werfen, ist gar nicht so kompliziert, wie manche vielleicht denken. In Lesum reicht beispielsweise ein kurzer Blick in den neu aufgelegten Bildband von Wilfried Hoins. Der Heimatverein Lesum legte vor Kurzem dieses historische Zeugnis mit vielen Fotodokumenten neu auf.

Artikel lesen

Das könnte Sie auch interessieren

Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Ich fahre am liebsten mit der Vespa oder der Schwalbe durch unsere schöne Hansestadt und entdecke dabei immer wieder geheime Wege und versteckte Orte.

Mehr Artikel von Tjark

Nutz doch die SPOT App!