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Arster Geschichte Titel
Montage: Tjark Worthmann

Bremen historisch: Arbeitskreis Arster Geschichten

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Geschichte aus der Hansestadt zum Anfassen

In unserer Serie „Bremen historisch“ forschen wir tief in den Geschichtsbüchern der Stadtteile Bremens. Engagierte Menschen in der ganzen Hansestadt sorgen an vielen Orten mit ihren Archiven und einer Menge ehrenamtlicher Arbeit dafür, dass wichtige lokale Geschehnisse für die Zukunft erhalten bleiben. In diesem Text sprechen wir mit Friedrich Greve vom Arbeitskreis Arster Geschichten und lernen die außergewöhnliche Verbindung von saftigen roten Erdbeeren und quaderförmigen grauen Granitsteinen im Ortsteil von Obervieland kennen.

Interessante Arbeit für die Arster Historie

Greve
Friedrich Greve vom Arbeitskreis Arster Geschichten. Frank Kölpin/Verlag Bast Medien

Die Gründung des Arbeitskreises liegt laut Greve schon viele Jahre zurück: „Seit September 1985 forschen wir bereits mit neuen und alten Arstern in der Geschichte des Stadtteils“, berichtet der pensionierte Lehrer. Den richtigen Startschuss für die Gründung des Arbeitskreises gab 1984 das 125-jährige Jubiläum der Schule in Arsten. „Dadurch kamen viele Dokumente und Bilder zusammen“, erinnert sich Greve. „Da haben wir uns mit einigen Leuten gedacht, dass muss doch ausgeweitet und richtig archiviert werden. Ja, so kam das eigentlich alles in Gang.“ Greve selbst ist kein gebürtiger Arster, sondern aus Weyhe zugezogen. „Ich habe damals meine Frau, die aus Arsten kommt, kennengelernt und bin dann zu ihr in den Stadtteil gezogen. Ich bin sozusagen ein Fremder gewesen“, grinst er.

Straßenbau in Bremen
Viele Steinsetzer arbeiteten bei Betrieben in Arsten. Arbeitskreis Arster Geschichten

Fast 40 Jahre später ist viel geschehen. Die Gruppe von sechs Mitgliederinnen und Mitgliedern sowie einigen Unterstützenden hat inzwischen viele Tausend Bilder digitalisiert, Daten und Dokumente gesammelt und Gesprächskreise durchgeführt. Ein großes Thema ist dabei immer wieder der Straßenbau in Arsten. Im Stadtteil war nämlich mit der Firma Brema einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region beheimatet. Im Lüttjen Museum in Arsten können sich Interessierte altes Handwerkszeug, historische Granitsteine und weitere Utensilien aus der damaligen Zeit ansehen. „Das Museum ist dem Arbeitskreis angeschlossen, aber leider derzeit aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen“, berichtet Greve über den aktuellen Status. „Wir schauen mal, wie es im Frühjahr weitergeht“, ergänzt er hoffnungsvoll.

Historische Führungen und umfangreiches Archiv

Museum Arsten
Die Ausstellung zum Thema Straßenbau im Lüütjen Museum in Arsten. Arbeitskreis Arster Geschichten

„Die Materialien für die Ausstellung kamen durch Kontakte zum Straßenbau und zur Brema zustande“, sagt Greve. „Ich habe aber auch im Bremer Staatsarchiv einiges gefunden, und der Arbeitskreis hat viele Gespräche mit alten Steinsetzern geführt“, sagt der ehemalige Lehrer.  Regelmäßig halten die Ehrenamtlichen der Kreises beispielsweise Vorträge zu unterschiedlichen Themen aus dem Ortsteil Obervielands, geben historische Führungen in Arsten und unterhalten ein Familienarchiv mit Zeitdokumenten, in der Interessierte ihre persönliche Geschichte recherchieren können.

Die bisherigen Ausstellungen im Museum widmen sich dabei immer wichtigen Bereichen aus der Arster Geschichte. „Wir arbeiten mit Vereinen und Institutionen im Ortsteil zusammen und beteiligen uns an gemeinsamen Aktivitäten“, berichtet Greve. „Zusammen mit anderen Bremer Archiven sind wir im Arbeitskreis Bremer Archive zusammengeschlossen und gestalten gemeinsame Ausstellungen. Und auch im Digitalen Heimatmuseum sind wir mit spannenden Beiträgen zu den Arster Straßenmachern präsent“, sagt er.

Erdbeeren sorgen für neue Häuser im Ortsteil

Heuernte
Bauern und Häuslinge bei der gemeinsamen Heuernte in Arsten. Arbeitskreis Arster Geschichten

Ein wichtiges Symbol der Arster Historie ist laut Greve neben den grauen Granitsteinen der Steinsetzer die „rote Erdbeere“. Diese wurden damals von den sogenannten Häuslingen angebaut. Die Hilfskräfte der Bauern nutzten die Beliebtheit der roten saftigen Frucht und verkauften sie auf dem Markt in der Bremer Innenstadt. „Viele Häuslinge haben damit den Bau ihrer Häuser finanziert und dadurch an der städtebaulichen Entwicklung von Arsten entscheidend mitgewirkt“, sagt Greve. Und auch heute übt die Erdbeere noch Einfluss auf den Straßenbau aus, wie sich mit der umgangssprachlich Erdbeerbrücke genannten Karl-Karstens-Brücke über die Weser in Habenhausen zeigt.

Ein Blick zurück und ein Blick nach vorn

„Wir versuchen, die Geschichte vor Ort lebendig zu halten“, begründet Greve die Initiative des Arbeitskreises. „Dabei können Interessierte gerne einsteigen und mitmachen“, hofft er. „Man muss die Vergangenheit kennen, um zu sehen, wo wir stehen und wie es in die Zukunft geht“, begründet er sein starkes Interesse am Thema Geschichte. „Das ist einfach mein Forschergeist, der antreibt und gern Wissen vermittelt.“

Kirche in Arsten
Ein altes Postkartenmotiv der Kirche in Arsten. Arbeitskreis Arster Geschichten

Seine persönlichen Lieblingsobjekte aus der Historie sind übrigens eine Original-Aufnahme einer Sendung von Radio Bremen aus dem Jahr 1953 und ein Filmdokument aus dem Jahr 1938 über den Wall in Bremen. Im Laufe der Zeit sind aus der Arbeit der Initiative mehrere Bücher im Selbstverlag erschienen. Und somit tragen die Mitgliederinnen und Mitglieder aktiv zukünftige historische Dokumente zur Geschichte des Ortsteils bei.

Der Arbeitskreis Arster Geschichten freut sich über jedes Zeitdokument. Interessierte können gern mit der Initiative Kontakt aufnehmen.

Fotos: Arbeitskreis Arster Geschichten

Dat lüttje Museum – 50er-Jahre-Zimmer
Stadtteilköpfe: Dat lüttje Museum

Es gibt besondere Menschen im Stadtteil. Sie fallen auf, weil sie besonders präsent sind, sich für etwas engagieren oder in der Nachbarschaft aktiv sind. Einer dieser „Stadtteilköpfe“ ist Annemarie Schnieder. Sie ist Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Arster Geschichte. Der Verein betreibt eine ganz besondere, historische Ausstellung.

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Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Ich fahre am liebsten mit der Vespa oder der Schwalbe durch unsere schöne Hansestadt und entdecke dabei immer wieder geheime Wege und versteckte Orte.

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