Meine Favoriten

feuerspuren zuhörer
Jan Meier

„Feuerspuren“ – Geschichten und klingende Porträts

Artikel merken

Das internationale Erzählfestival hat in Gröpelingen Tradition – das Motto in diesem Jahr lautet „Geschenkt!“

Rund 35.000 Einwohner, circa 120 Nationalitäten und über 70 Sprachen: In Gröpelingen kommen Menschen und Kulturen quasi aus aller Welt zusammen. Dem wird seit 14 Jahren mit einer besonderen Tradition gehuldigt, den „Feuerspuren“.  Das internationale Erzählfestival lebt dabei wie der Stadtteil von Geschichtenerzählenden, Begegnungen, Austausch, Gesprächen, Freundschaften und gemeinsamen Erlebnissen. Das alles ist vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie bei der 14. Ausgabe am Sonntag, 8. November, nicht wie gewohnt möglich.

„Es stand aber nie zur Debatte, dass das Festival in diesem Jahr ausfällt“, betont Andrea Munjic vom Verein Kultur vor Ort in Gröpelingen. „Wir wollen trotz Corona ein positives Erlebnis im Stadtteil schaffen, etwas Strahlendes“, so Munjic. Das Motto lautet dazu: „Geschenkt!“. Die Geschichten handeln von geschenkten Augenblicken, verschenkten Chancen und von Heldinnen und Helden. Es sind solche, denen nichts geschenkt wurde, die daraus aber das Beste machen.

Um dies dem Publikum nahezubringen, sind in diesem Jahr besondere Kreativität, Spontaneität und Flexibilität gefordert – quasi bis auf den letzten Drücker. Denn mit dem Teil-Lockdown entfallen kurzfristig alle Angebote direkt vor Ort und werden ins Digitale verlegt.

Ein Hörbuch als Alternative

feuerspuren hörbuch
Ein Hörbuch unter dem Titel „Quarantäne“ bringt Geschichten aus Gröpelingen nach Hause. Kultur vor Ort

Bereits länger stand fest, dass die traditionelle „Lange Nacht des Erzählens“ am Vorabend der „Feuerspuren“ ausfällt. Dafür gibt es seit dem 30. Oktober ein Hörbuch. „Quarantäne – eine Geschichte voller Geschichten“ lautet der Titel.  Den Rahmen dafür bilden fünf Erzählerinnen und Erzähler im internationalen Gröpelingen, die ganz überraschend zu einer unfreiwilligen Wohngemeinschaft werden. Untermalt wird dies vom Klang des Stadtteils, von Musik und Stimmen.

Geschichten erzählen an verschiedenen Orten

Am Festivaltag am 8. November – so der Plan – sollten diverse Einrichtungen unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorgaben von 14 bis 19 Uhr ihre Türen für die Erzählerinnen und Erzähler sowie das Publikum öffnen. Nun gibt es hingegen diverse Streaming-Angebote – etwa aus dem Torhaus Nord von 15 bis 18 Uhr. Im Livestream präsentieren Martin Ellrodt, Luise Gündel, Jose Paniagua, Marcella Guarnizo, Stefanie Becker, Mirjam Dirks, Boyko Borisov, Darius und Julia Klein sowie Marco Holmer frei erzählte Geschichten und Filme  auf Deutsch, Spanisch und  Niederländisch.

Ein weiterer Programmpunkt sind Geschichten aus der Aufsuchenden Bildungsberatung. Zu erleben gibt es dabei sieben klingende Porträts von Menschen, die in Bremen angekommen sind, die deutsche Sprache gelernt und ihren beruflichen Weg gefunden haben.

Das komplette aktuelle Programm sowie mögliche kurzfristige Änderungen gibt es hier.

Alles ist erleuchtet

lichtinstallationen feuerspuren
Die „Feuerspuren“ bringen neben Geschichten auch Licht in den Stadtteil. So gestalteten zahlreiche Kinder vorab Lichtobjekte. Claudia Hoppens

„Selbst, wenn es einen Shutdown gibt, und die einzelnen Veranstaltungen nicht wie geplant stattfinden können, wird jeder Erzähler und jede Erzählerin mindestens einer anderen Person seine Geschichte präsentieren – und sei es per Stream“, betonte Munjic bereits, als der Teil-Lockdown noch nicht in Sicht war. „Die Feuerspuren sind zudem im wahrsten Sinne des Wortes im Stadtteil sichtbar“, berichtet die Mitorganisatorin. Auch wenn es in diesem Jahr keine Feuershow und kein Höhenfeuerwerk gibt, leuchtet Gröpelingen. Denn bereits in den Herbstferien bastelten laut Munjic Mädchen und Jungen Lichtinstallationen, die nun in Fenstern und an den Straßen erstrahlen. „Mehr Licht“ heißt es so nun auch kurzfristig.

So werden beispielweise auf dem Liegnitzplatz der neu gestaltete Container auf dem Spielplatz und die Lichtobjekte vom Mobilen Atelier in der Dunkelheit leuchten. Über die Fensterfront des Mosaik flimmern Filme aus der Videowerkstatt Europa Zentral.

„Damit wollen wir ein positives Signal im Stadtteil aussenden“, betont Munjic, „und zeigen, dass nichts vergebens ist, trotz dieses ‚Geschenks‘ Corona.“

Die engagierten und emsigen Köpfe hinter dem Festival

Das internationale Erzählfestival „Feuerspuren“ ist eine Veranstaltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kultur vor Ort e.V. und vom Bürgerhaus Oslebshausen. Kooperationspartner sind die Stadtbibliothek West, die Bremer Volkshochschule West sowie das Gröpelingen-Marketing.

Das könnte Sie auch interessieren

Autorenbild Steffi Urban

Von Steffi Urban

Vom Harz in die Hansestadt: Inzwischen lebe ich seit mehr als zehn Jahren in Bremen und entdecke mit Kamera und Klapprad immer noch tolle neue Ecken.

Mehr Artikel von Steffi