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Menschen sitzen zusammen und tauschen sich aus
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Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft in Bremen

Zentrale Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die vor allem das Gehirn sowie das Rückenmark betrifft. In Deutschland sind schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Menschen betroffen. Laut der Paritätischen leben davon etwa 1400 in Bremen (Stand 2019). Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft e.V. (DMSG) ist eine Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige, die sich zum Ziel gesetzt hat, in allen Fragen zu beraten und zu unterstützen. SPOT Bremen hat mit Rosemarie Kovač, Vorstandsmitglied des Bremer Landesverbandes, gesprochen.


Können Sie uns einen Überblick über die Arbeit der DMSG Bremen geben? Welche Ziele verfolgen Sie?
Rosemarie Kovač:
Den Bremer Landesverband der DMSG gibt es seit 1989 und ist oftmals die erste Anlaufstelle, wenn jemand die Diagnose Multiple Sklerose (MS) erhält. Unsere Beratung erfolgt unter anderem durch Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen, die teilweise auch selbst betroffen sind. Unser oberstes Ziel ist es, sich den Betroffenen zu widmen, ihnen und ihren Angehörigen Hilfestellungen zu geben. Viele Betroffene fallen nach der MS-Diagnose in ein „tiefes Loch“ und wissen gar nicht genau, was das überhaupt bedeutet. Hier ist es wichtig, verständige und kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu haben.

Welche Programme und Dienstleistungen bietet die DMSG Bremen für Menschen mit Multipler Sklerose und deren Familien an?
Zu unseren Angeboten gehören:

  • Beratung von MS-Erkrankten sowie deren Angehörigen bei privaten, beruflichen, rechtlichen und pflegerischen Fragen und Problemen
  • Psychosoziale Beratung und Begleitung von Betroffenen und ihren Angehörigen
  • Unterstützung und Hilfestellung von MS-Erkrankten sowie deren Angehörigen bei der aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben (Inklusion)
  • Hilfe bei Antragstellungen für zum Beispiel Rehamaßnahmen, Schwerbehindertenausweisen und Hilfsmitteln sowie im Umgang mit Behörden und Versorgungsträgern
  • Begleitung und Unterstützung von derzeit zwölf Selbsthilfegruppen in Bremen, Bremen-Nord und Bremerhaven, zum Teil mit Treffen in der Beratungsstelle
  • Organisation und Begleitung von Kontaktgruppenleitersitzungen, Mitgliederversammlungen, Sitzungen des Medizinischen Beirates mit Protokollführung, Stiftungsanträge an Pharmaunternehmen sowie Kontaktpflege
  • Administrative Aufgaben des Landesverbandes sowie Zusammenarbeit mit Behörden, Institutionen, Kliniken, Ärzten, Wohn- und Pflegeheimen, dem DMSG-Bundesverband, anderen Landesverbänden der DMSG und Trägern von sozialen Einrichtungen sowie Vernetzung mit anderen Verbänden im Stadtteil, auch überregional und bundesweit
  • Planung, Organisation und Abwicklung von Projekten, zum Beispiel Durchführung des Projektes „Plan Baby“ bei MS-Erkrankung inklusive dazugehöriger Beratung für Familien mit Kinderwunsch
  • Unterstützung der Mitglieder und Angehörigen in Fragen des Sozialrechts durch ehrenamtlichen Volljuristen im Ruhestand bei persönlichen Rechtsfragen, zum Beispiel bei Widerspruchsverfahren.

„Es gibt zwölf Selbsthilfegruppen in Bremen und Bremerhaven.“


Menschen stehen im Kreis zusammen und schauen gemeinsam runter - Symbolbild für Zusammengehörigkeit
Die DMSG Bremen ist zentrale Anlaufstelle für Menschen mit MS und deren Angehörigen. Freepik.com

Wie unterstützt die DMSG Bremen Menschen bei der Bewältigung der Herausforderungen?
Die erste Beratung erhalten die Menschen durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Geschäftsstelle in Horn-Lehe. Eine weitere Begleitung erfahren die Menschen in den zwölf Selbsthilfegruppen in Bremen und Bremerhaven. Zehn Gruppen sowie eine Angehörigengruppe findet man in verschiedenen Ortsteilen im Bremer Stadtgebiet, zwei in Bremen-Nord und zwei in Bremerhaven. Die Angehörigengruppe richtet sich – wie der Name schon sagt – an die Angehörigen. Es ist für die Angehörigen nicht immer einfach, mit der erkrankten Person umzugehen. In dieser Gruppe gibt es einen offenen Austausch, ohne dass die Erkrankten das Gefühl bekommen, sie seien möglicherweise eine Belastung. Angehörige bekommen darüber hinaus beispielsweise Tipps, wie man mit manchen krankheitsbedingten Erscheinungen umgehen kann. Viele stellen dann fest, dass es anderen genauso geht.


„Die DMSG arbeitet im Arbeitskreis Protest mit.“


Inwiefern arbeitet die DMSG Bremen mit anderen Organisationen oder Gesundheitseinrichtungen zusammen?
Die DMSG ist Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen Bremen e.V. (LAGS). Das ist ein Zusammenschluss von circa 35 Selbsthilfevereinigungen behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen aus Bremen und Bremerhaven. Die LAGS arbeitet für die Selbstbestimmung und -vertretung von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen. Einige der Selbsthilfevereine arbeiten im Arbeitskreis Bremer Protest mit. Dieser bereitet und führt den alljährlichen „Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ und das alljährliche Behindertenparlament. Ferner ist die DMSG Bremen stimmberechtigtes Mitglied im Landesteilhabebeirat, dessen Vorsitz der Landesbehindertenbeauftragte der Freien Hansestadt Bremen ist. Außerdem sind wir Mitglied im „Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband“, Landesverband Bremen e.V.


„MS wird auch die ,Krankheit der tausend Gesichter‘ genannt.“


Können Sie uns etwas über aktuelle Forschungsprojekte oder Fortschritte im Bereich der MS-Behandlung und -Versorgung berichten?
Seit Jahrzehnten wird im Bereich MS geforscht. Auch medikamentös ist das Angebot stark gewachsen, sodass die Neurologinnen und Neurologen immer im Einzelfall entscheiden können, welches Medikament für den Patienten oder die Patientin infrage kommt. Alle Betroffenen haben andere gesundheitliche Probleme mit der MS. Deshalb wird sie auch die „Krankheit der tausend Gesichter“ genannt. Die Möglichkeiten sind inzwischen sehr vielfältig.


„Zweimal im Jahr erscheint die Zeitschrift ,MS-Kontakt‘ für Mitglieder.“


Wie informiert die DMSG Bremen die Öffentlichkeit über Multiple Sklerose und welche Maßnahmen werden ergriffen, um das Bewusstsein für diese Krankheit zu erhöhen?
Die DMSG nimmt regelmäßig an Messen teil. Darunter sind beispielsweise die IRMA (die internationale Reha- und Mobilitätsmesse für Alle) und die InVita im Zuge der „HanseLife“. Zudem hat ein ehemaliges Vorstandsmitglied vor einigen Jahren die jährlich stattfindende NEURO-Messe ins Leben gerufen. Eine Tagung, die sich mit den Themen Parkinson, Multiple Sklerose und Demenz beschäftigt. Die DMSG Bremen organisiert darüber hinaus jedes Jahr verschiedene Veranstaltungen, die rechtzeitig auf der Website angekündigt werden und für jeden zugänglich sind. Zweimal im Jahr erscheint die Zeitschrift „MS-Kontakt“ für Mitglieder, die ausführlich über interessante Ereignisse, Berichte aus den Selbsthilfegruppen und geplanten Veranstaltungen berichtet. Auch hier werden die Selbsthilfegruppen erwähnt, die gern genutzt werden. In Zusammenarbeit mit Zeitungen werden auf Anfrage außerdem verschiedenste Artikel veröffentlicht.

Weitere Informationen gibt es auf der Website der DMSG Bremen.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Vereine in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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Von Sarah Meyer

Als waschechtes Küstenkind liebe ich alles, was der Norden zu bieten hat. Vor einigen Jahren zog es mich von der Wurster Nordseeküste in die Hansestadt – und jetzt schlägt mein Herz für die Weser.

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