
Große BSAG-Fahrzeugparade zum runden Jubiläum
Historische Fahrzeugschau in der Obernstraße
Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) steuert auf den Höhepunkt ihres Jubiläumsjahres zu: Am Samstag, 6. Juni, wird die Obernstraße zur lebendigen Bühne der Verkehrsgeschichte. Zwischen 16 und 18 Uhr zieht ein eindrucksvoller Korso mit mehr als 60 historischen und modernen Fahrzeugen durch die Innenstadt – ein bewegtes Stück Bremen von 1876 bis heute.
Straßenbahnen, Busse und liebevoll restaurierte Oldtimer machen die Entwicklung der Mobilität sichtbar. Vom Pferdebahnwagen aus dem 19. Jahrhundert bis zum modernen „Nordlicht“ spannt sich der Bogen über eineinhalb Jahrhunderte. Wir sprachen mit einem der Organisatoren vom Verein Freunde der Straßenbahn Bremen über das anstehende Ereignis.
Sämtliche Generationen auf einen Blick in der Innenstadt

Die Idee hinter dem Korso ist ebenso einfach wie eindrucksvoll: Mobilitätsgeschichte soll erlebbar werden. „Sämtliche Generationen Straßenbahnfahrzeuge mal durch die Obernstraße fahren zu lassen – das haben wir vor 25 Jahren auch schon mal gemacht“, erinnert sich Gerd Borcherding vom Verein Freunde der Bremer Straßenbahn. „In diesem Fall ist geplant, zu den jeweiligen Straßenbahn-Epochen auch passende Straßenfahrzeuge mit einzubringen – möglichst solche, die auch in Bremen gebaut wurden.“ Mit den Fahrzeugen von Borgward &Co. entsteht so am 6. Juni von 16 bis 18 Uhr ein lebendiges Gesamtbild, das zeigt, wie sich Technik, Komfort und Design im Laufe der Jahrzehnte verändert haben.
Pferdebahn, „Molly“ und echte Klassiker sind dabei
Ein besonderes Highlight ist die Pferdebahn von 1888 – ein echtes Stück Bremer Stadtgeschichte. Gebaut in Walle, bot sie einst Platz für 16 Fahrgäste auf einfachen Lattensitzen. Für den Jubiläumskorso wird sie erstmals seit fast 130 Jahren wieder von einem Pferd durch die Innenstadt gezogen. Ebenfalls dabei: der Triebwagen 49, liebevoll „Molly“ genannt. Als einer der ersten elektrisch betriebenen Straßenbahnwagen in Bremen steht er für den Beginn einer neuen Ära. Ursprünglich noch ohne Wetterschutz für das Fahrpersonal unterwegs, zeigt „Molly“, wie sehr sich Arbeitsbedingungen und Technik beim Thema Öffentlicher Personennahverkehr verändert haben.
Auch historische Busse – etwa ein Borgward-Modell aus den 1950er-Jahren oder ein früher barrierefreier Neoplan-Bus aus den 1980ern – sowie zahlreiche Oldtimer ergänzen den Korso. Darunter sind Fahrzeuge von Borgward, Goliath, Heinkel und Volkswagen sowie seltene Modelle wie ein Ford A von 1927 oder ein Adler Trumpf von 1939. Sogar historische Fahrräder mit Karbidlampen rollen mit durch die Straßen.
Ehrenamt macht Geschichte sichtbar

Dass so viele historische Fahrzeuge überhaupt erhalten sind, ist vor allem dem Engagement des Vereins Freunde der Bremer Straßenbahn (FdBS) zu verdanken. Mehr als 25 Aktive sind für den großen Auftritt im Einsatz. „Aufgeregt sind wir nicht – wir wissen, was zu tun ist“, beruhigt Borcherding, der mit seinen Vereinskameradinnen und -kameraden übrigens jeden zweiten Sonntag im Monat das sehr empfehlenswerte Straßbahnmuseum im Depot der Schloßparkstraße in Sebaldsbrück öffnet. „Es ist einfach schön, dass das mal gezeigt wird. Die Instandhaltung der historischen Wagen passiert ja größtenteils ehrenamtlich.“ Viele der Fahrzeuge wurden in den vergangenen Monaten aufwendig vorbereitet, geprüft und restauriert, um nun Teil dieses besonderen Tages zu sein.
Die Logistik hinter den Kulissen
Die Organisation eines solchen Korsos ist komplex. Bereits Stunden vor Beginn werden zentrale Straßen für die Aufstellung genutzt. „Die Hutfilterstraße und die Faulenstraße sind komplett Aufstellfläche“, erklärt Borcherding. „Dann gibt es ab der Faulenstraße einen Aufzug – das heißt, jeweils ein Wagen wird durchgelassen, oft mit passendem Anhang.“ Insgesamt umfasst der Korso eine beeindruckende Vielfalt: mehrere Straßenbahnen, Busse und zahlreiche zusätzliche Fahrzeuge unterschiedlichster Art.
Einmaliger Blick auf besondere Fahrzeuge

Neben den bekannten Klassikern sorgt eventuell auch ein eher ungewöhnliches Exponat für Aufmerksamkeit: die sogenannte „rollende Sparkasse“. Dabei handelt es sich um ein Fahrzeug, das früher als mobile Filiale in neu erschlossenen Stadtteilen im Einsatz war. „Das war eine große Einheit, in die man hinten einsteigen konnte“, wird erläutert. „Sie wurde gebaut, weil es in neuen Wohngebieten noch keine feste Filiale gab.“ Ob dieses besondere Fahrzeug tatsächlich Teil des Korsos sein wird, ist noch nicht endgültig bestätigt – die Geschichte dahinter zeigt jedoch, wie eng Mobilität und Daseinsvorsorge in Bremen schon lange miteinander verbunden sind.
Einschränkungen im Innenstadtverkehr
Für die Veranstaltung kommt es am Samstag zu temporären Straßensperrungen in der Innenstadt. Zwischen etwa 13.30 und 18 Uhr sind unter anderem die Faulenstraße und der Bereich Am Brill betroffen. Zufahrten werden gesperrt, Umleitungen sind ausgeschildert. Auch im öffentlichen Nahverkehr gibt es Anpassungen: Die Straßenbahnlinien 2 und 3 sowie die Buslinie 25 werden zeitweise umgeleitet, einige Haltestellen entfallen. Für den Fuß- und Radverkehr bestehen keine Einschränkungen.
Alle Fotos auf dieser Seite: Freunde der Bremer Straßenbahn e.V./BSAG

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