
Visionskultur: Hier werden aus Ideen Zukunft
Eine Schnittstelle für kreative Menschen aus Bremen
In der Pelzerstraße finden Gründende, Kreative und Menschen mit neuen Ideen aktuell einen besonderen Ort: Visionskultur verbindet Coworking, Coaching und Netzwerk – und zeigt damit gleichzeitig, wie eine Bremer Innenstadt im Wandel aussehen kann. Hinter den Türen des ehemaligen Bürgerservice-Centers findet kein klassischer Verwaltungsbetrieb mehr statt. Hier wird gedacht, gearbeitet, diskutiert, ausprobiert und gegründet. Im April hat Visionskultur an dem neuen Standort den Creative Hub Bremen eröffnet. Wo früher Bürgerinnen und Bürger ihre Pässe und Ausweise beantragten, treffen sich heute Gründende, Start-ups, Kreative, Vereine und Projektverantwortliche.

Der neue Standort ist dabei mehr als ein Coworking-Space: Visionskultur versteht sich als gemeinnützige Community und Anlaufstelle für Menschen, die eine Idee haben und daraus ein Projekt machen möchten. Angeboten werden unter anderem Coaching, Workshops, Coworking-Arbeitsplätze, Räume für Veranstaltungen, Technik und Equipment sowie Möglichkeiten zur Vernetzung. Nach eigenen Angaben gehören inzwischen mehr als 300 Projekte und rund 2000 Menschen zur Community. Mitmachen und vorbeikommen können übrigens alle, die Lust auf neue Themen haben oder einfach mal einen Platz zum Austausch benötigen.
Eine Idee, die vor rund zehn Jahren begann
Die Geschichte von Visionskultur beginnt nicht in der Pelzerstraße. Die Idee entstand bereits vor rund zehn Jahren. Marc Fucke ist heute Geschäftsführer von Visionskultur und hatte damals gemeinsam mit Hachem Gharbi den Eindruck, dass es in Bremen zwar zahlreiche Angebote für Gründende, aber keinen zentralen Ort für den nächsten Schritt gibt. Es fehlte an einem Treffpunkt für Menschen, die ihre Ideen ausprobieren, weiterentwickeln und mit anderen diskutieren möchten. 2019 gründeten die beiden zusammen dann Visionskultur.
Nach Stationen unter anderem im ehemaligen Bundeswehrhochhaus an der Falkenstraße und im früheren Kinderkrankenhaus ist die Initiative nun in der Bremer Innenstadt angekommen. Dabei steht nicht das Bereitstellen von Schreibtischen im Mittelpunkt. Entscheidend ist vielmehr, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Ideen tatsächlich umzusetzen. Workshops, Coachings, Veranstaltungen und der Austausch innerhalb der Community gehören deshalb zum Konzept. „Unser Ziel ist es, die Innovationsentwicklung voranzubringen sowie Bremen als Standort zu fördern und zu vernetzen. Gleichzeitig möchten wir Menschen und Organisationen mit Ideen dabei helfen, diese nachhaltig umzusetzen“, sagt der Geschäftsführer im Gespräch.
Von der ersten Idee zum eigenen Projekt

Wer Teil der Community werden möchte, braucht dafür laut Fucke nicht zwingend einen ausgefeilten Businessplan. Viel wichtiger sei die Frage, ob sich eine Idee weiterentwickeln lässt. Genau hier setzt das Konzept an: Ideen sollen ausprobiert, hinterfragt, verändert und gemeinsam weitergedacht werden – und das alles im ersten Schritt komplett kostenlos.
Das kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. In der Community finden sich laut Visionskultur Projekte aus den verschiedenen Bereichen – von Handwerk und Kultur bis hin zu technologischen Vorhaben. Einige Projekte haben sich aus konkreten Problemen oder Marktlücken entwickelt. Andere entstanden aus Begegnungen innerhalb des Netzwerks.
Das Prinzip dahinter ist einfach: Eine gute Idee muss nicht von Anfang an fertig sein. Sie braucht vor allem Raum, Menschen, die Fragen stellen, und die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren. „Visionskultur stellt dafür nicht nur Räume und Ausstattung zur Verfügung, sondern vor allem Kontakte und Wissen“, sagt Fucke.
Visionskultur: Gemeinsam statt gegeneinander

Der Community-Gedanke ist dabei ein zentraler Bestandteil von Visionskultur. Wer von den Angeboten profitiert, soll gleichzeitig etwas in die Gemeinschaft zurückgeben. Wissen, Kontakte und Erfahrungen werden geteilt – aus einzelnen Projekten kann so ein Netzwerk entstehen. Inzwischen reicht dieses Netzwerk weit über Bremen hinaus. Menschen aus Berlin, den Niederlanden und der Schweiz gehören zur Community.
Gleichzeitig arbeitet Visionskultur mit Hochschulen, Unternehmen, Institutionen und Vereinen zusammen und stellt sicher, dass die Wege untereinander und zu verantwortlichen Stellen kurz bleiben. Auch unterschiedliche kulturelle Hintergründe spielen eine wichtige Rolle. Damit versteht sich Visionskultur nicht als Konkurrenz zu anderen Bremer Gründungsangeboten. Vielmehr soll das Angebot dort ansetzen, wo Menschen Unterstützung, Kontakte oder einen Ort zum Ausprobieren benötigen.
Ein neuer Ort für die Bremer Innenstadt

Dass der Creative Hub ausgerechnet in der Pelzerstraße liegt, ist dabei kein Zufall. Die zentrale Lage bringt Gründende, Unternehmen, Verwaltung, Wissenschaft, Studierende und Gäste näher zusammen. Damit passt Visionskultur zu einer Entwicklung, die derzeit viele Innenstädte beschäftigt: Was passiert mit Gebäuden und Flächen, wenn ihre ursprüngliche Nutzung endet?
Das ehemalige Bürgerservice-Center zeigt eine mögliche Antwort. Durch die Zwischennutzung wird aus einem leer stehenden Verwaltungsgebäude ein Ort für Begegnung, Arbeit, Kultur und neue Geschäftsideen. Bis Ende des Jahres ist Visionskultur noch am Standort in der Pelzerstraße, danach geht es angesichts des großen Abrisses des Galeria-Kaufhof-Gebäudes in der Bremer Innenstadt an einen neuen Ort. „Die Gespräche laufen, und es sieht sehr gut aus“, deutet Fucke im Gespräch eine Einigung auf den nächsten spannenden Standort für das Creative Lab an.
Gerade darin liegt eine interessante Parallele zur Entwicklung der Innenstadt. Zwischennutzungen können zeigen, was an einem Ort möglich ist, bevor langfristige Entscheidungen getroffen werden. Ein leer stehendes Gebäude wird nicht einfach zum ungenutzten Raum, sondern kann zum Experimentierfeld werden. Für Visionskultur ist die Zwischennutzung deshalb laut Fucke eher Mittel zum Zweck: „Langfristig wünschen wir uns natürlich einen zentralen Ort, an dem die Community dauerhaft Projekte entwickeln und Menschen zusammenbringen kann.“
Ein „dritter Ort“ für Ideen und Konzepte

Visionskultur beschreibt den Bedarf an solchen Räumen als den Wunsch nach einem „dritten Ort“: einem Platz zwischen Zuhause und Arbeitsplatz, an dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen und neue Kontakte knüpfen können. Der Creative Hub erfüllt genau diese Funktion. Dazu gehören auch spannende Veranstaltungen vor Ort. Von Open Stages über Workshops bis zu größeren Community-Events reicht das abwechslungsreiche Programm. Auch Formate rund um künstliche Intelligenz und kreative Projekte gehören dazu.
„Mit dem Creative Hub haben wir einen Ort geschaffen, an dem die Menschen einfach zusammenkommen können“, sagt Aline Joost, die bei Visionskultur den Eventbereich verantwortet. „Hier werden Ideen vorgestellt, Kontakte geknüpft, Diskussionen geführt und neue Kooperationen angestoßen“, so Joost. Das regelmäßig stattfindende „Founders Studio“, der „AfterWork-Treff“, Workshops, Coachings und regelmäßige Infoveranstaltungen stehen im abwechslungsreichen Terminkalender in der Pelzerstraße.
Bremen als Stadt für neue Ideen
Was dort in der Zwischennutzung in der Innenstadt passiert, ist damit auch ein Beispiel für die Frage, wie sich Bremen als Gründungs- und Kreativstandort weiterentwickeln kann. Die Stadt bringt kurze Wege zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Kultur mit. Visionskultur versucht, diese Nähe praktisch nutzbar zu machen. „Dabei geht es nicht allein darum, möglichst viele Start-ups hervorzubringen. Es geht um eine Kultur, in der Menschen in Bremen ihre Ideen ausprobieren können – unabhängig davon, ob daraus ein Unternehmen, ein Kulturprojekt, eine Initiative oder etwas ganz anderes entsteht“, sagt Joost.
Die offenen Coworking-Flächen, das „Hub Studio“ für Podcasts, das „CoLab-Café“ und der „Meeting Point“ bieten vielfältige Möglichkeiten und schaffen Raum für Begegnungen. Denn manchmal beginnt eine neue Idee genau dort: bei einem Gespräch, einem zufälligen Kontakt oder der Frage, ob aus einem kleinen Gedanken vielleicht doch ein konkretes Projekt werden könnte.
Mehr Informationen zu Angeboten, Veranstaltungen und der Community gibt es auf der Website von Visionskultur.

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