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Bremer Radmusikanten

Bremer Radmusikanten: Ein Fahrrad für jedes Kind

Alte Räder bekommen ein zweites Leben

Ein Fahrrad bedeutet Freiheit. Es bringt Kinder zur Schule, zum Sport, zu Freundinnen und Freunden – und manchmal auch einfach ein Stück weiter in die Selbstständigkeit. Doch nicht jedes Kind in Bremen hat ein eigenes Rad. Genau hier setzen die Bremer Radmusikanten an. Der Verein sammelt gespendete Kinderfahrräder, macht sie verkehrssicher und gibt sie kostenlos an Kitas und Grundschulen weiter. Dort können Kinder die Räder nutzen – unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern.

Gegründet wurde der Verein im Jahr 2025 von Thomas Orth. Aus einer Idee ist inzwischen ein wachsendes Netzwerk geworden. Neben dem Quartierszentrum Huckelriede nehmen mittlerweile sechs weitere Sammelstellen in Bremen Fahrradspenden bis 26 Zoll an: in Walle, im Viertel, in Kattenturm, in der Östlichen Vorstadt, in Schwachhausen und im Blockland.

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Ehrenamtliche machen aus gespendeten Rädern sichere Begleiter für Bremer Kinder. Bremer Radmusikanten

Im SPOT-Interview erzählt Thomas Orth, wie alles angefangen hat, welche Fahrräder besonders gebraucht werden – und warum für ihn hinter jedem reparierten Rad auch eine größere gesellschaftliche Frage steckt.


 

Herr Orth, wie ist die Idee zu den Bremer Radmusikanten entstanden?

Thomas Orth: Es war eher ein Mosaik aus verschiedenen Gedanken. Die soziale Ungleichheit in diesem Land – und natürlich auch global – empfinde ich schon seit Langem als unerträglich. Ich verstehe nicht, warum individuell und politisch nicht viel stärker dagegen vorgegangen wird. Gleichzeitig hatte ich den Wunsch, mit Menschen gemeinsam etwas zu machen, statt einfach nur zusammenzusitzen. Mir ging es auch darum, Brücken zwischen Menschen zu bauen, die sich sonst vielleicht nicht begegnen würden, die aber ein gemeinsamer Wunsch verbindet.

Warum sind es ausgerechnet Fahrräder geworden?

Dass daraus schließlich ein Fahrradverein entstanden ist, liegt daran, dass ich die Gründer von „JeKiFa“ (Jedem Kind ein Fahrrad) aus Bonn kennengelernt habe. Diese Begegnung hat den Anstoß gegeben.

Welche Fahrräder und Ersatzteile werden besonders gebraucht?

Besonders gefragt sind Laufräder und Fahrräder mit einer Größe von maximal 26 Zoll. Außerdem benötigen wir Helme.


„Wir verlängern die Lebensdauer von Fahrrädern, die sonst vielleicht auf dem Müll gelandet wären.“


Bremer Radmusikanten Fahrräder
Fahrräder bis 26 Zoll können an mehreren Sammelstellen in Bremen gespendet werden. Bremer Radmusikanten

Was sollten Bremerinnen und Bremer beachten, bevor sie ein Kinderfahrrad spenden?

Am besten schauen sie vorher auf unsere Website. Dort finden sie alle wichtigen Informationen. Bisher mussten wir höchstens ein Prozent der gespendeten Räder ausschlachten, da sie in so schlechtem Zustand waren. Alle anderen Räder und Teile konnten wir verwerten. Das ist  gut. Wir verlängern die Lebensdauer von Fahrrädern, die sonst vielleicht auf dem Müll gelandet wären. Wir haben sogar schon einige Räder vom Sperrmüll geholt.

Wie können Bremerinnen und Bremer die Radmusikanten über Fahrradspenden hinaus unterstützen?

Mit Geld und/oder Zeit. Ehrenamtliche können ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Am meisten hilft jedoch tatsächlich das Reparieren von Fahrrädern – auch, wenn man es noch nicht kann.

Ehrenamtliche müssen also noch keine Fahrradprofis sein?

Nein, das ist keine Voraussetzung. Viel wichtiger ist die Bereitschaft, mitzumachen und dazuzulernen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Kitas und Grundschulen ab, wenn Sie Fahrräder an Kinder vermitteln?

Wir schenken den Institutionen die Räder und bitten sie, diese den Kindern als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. Wenn ein Kind die Einrichtung verlässt oder aus dem Fahrrad herausgewachsen ist,  wird es zurück- und idealerweise gleich an das nächste Kind weitergegeben. Im zweiten Fall erhält es dann ein neues, passendes Rad. Schulen, Kitas und andere Einrichtungen können uns einfach kontaktieren. Auf unserer Website gibt es außerdem ein Infoblatt zum Download. Teilweise haben wir auch schon Räder übergeben, die dauerhaft an Schulen bleiben, beispielsweise für Arbeitsgemeinschaften.

Wie viele verkehrssichere Fahrräder konnten Sie bisher insgesamt an Schulen und Kitas übergeben?

Bislang waren es etwas mehr als 270.


„Ich möchte ein bisschen Fahrrad fahren. Mit meinem Papa.“


Gibt es einen besonderen Moment bei einer Fahrradübergabe, der Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Da gab es einige. Sehr süß war ein Mädchen, das sich bei der Übergabe seines Fahrrads freute und sagte: „Ich möchte ein bisschen Fahrrad fahren. Mit meinem Papa.“

Was wünschen sich die Bremer Radmusikanten für die nächsten Jahre? Mehr Sammelstellen, mehr Ehrenamtliche, mehr Werkstattkapazität – oder etwas ganz anderes?

Mehr Ehrenamtliche wären großartig. Im Moment warten Schulen teilweise recht lange, weil zum Beispiel 32 Räder nun mal eine Weile dauern. Geld ist natürlich auch immer hilfreich.

Steckt hinter dem Projekt also auch ein größerer gesellschaftlicher Gedanke?

Meiner Meinung nach füllen wir eine Lücke, die durch politische Versäumnisse erst entsteht. Das, was unsere Ehrenamtlichen unentgeltlich erledigen, gehört eigentlich zu den grundlegenden Aufgaben eines Sozialstaats. Fast alle Kinder wollen Fahrrad fahren. Aber nur manche werden in eine Situation hineingeboren, in der das ermöglicht werden kann – andere aber nicht. Und das sind in Bremen nicht wenige. Die Kinder können aber nichts dafür. Und sie können es vor allem nicht ändern. Und ist es nicht die Aufgabe von Menschen – eben weil sie mit dieser Kapazität nun einmal ausgestattet sind – denen zu helfen, die auf Hilfe angewiesen sind, auch wenn man sie nicht kennt? Für mich ist es genau das, was Menschlichkeit meint.

Bremer Radmusikanten Kinder
Mehr als 270 Fahrräder haben die Bremer Radmusikanten bereits an Kitas und Schulen übergeben. Bremer Radmusikanten

„Mit dem Fahrrad wäre man oft schneller, gesünder, schöner und besser für die Umwelt unterwegs.“


Welche weiteren Ideen würden Sie umsetzen, wenn Fahrräder mehr Raum bekämen?

Meine persönliche Vision: Wie würden unsere Städte aussehen, wenn es gelänge, die Anzahl der Autos deutlich zu reduzieren? Die Straße vor dem Fenster meiner alten Wohnung, die wohl als „kleine Seitenstraße” gelten dürfte, ist elf Meter breit. Auf beiden Seiten parken Autos. Dazwischen können Autos aneinander vorbeifahren. Es bleiben zwei schmale Streifen für Fußgänger, aber kein Fahrradweg. Wenn wir zunächst auch nur einzelne solcher Straßen schließen könnten, was könnte da alles möglich sein? Ein Wald zum Beispiel. Spielplätze. Fitnessgeräte, Hochbeete, Plätze, die leise sind und an denen man sich begegnen kann. Viele Menschen sind einsam.

Stattdessen ist diese Straße durch die Autos für Fahrradfahrer so gefährlich, dass es mich wundern würde, wenn Eltern ihre jüngeren Kinder dort fahren lassen würden. Sie ist vom Bürgersteig aus kaum einsehbar, weil die Autos so riesig sind, dass man damit Hirsche transportieren könnte, obwohl tatsächlich meist nur eine Person am Steuer sitzt. Mit dem Fahrrad wäre man oft schneller, gesünder, schöner und natürlich besser für die Umwelt unterwegs. Kennen Sie diese Straße? Schauen Sie aus dem Fenster: Da ist sie. Stellen Sie sich dort einen Wald mit Vögeln vor. Dieser Wald würde allen nützen. Stattdessen sind dort Autos, die nur dem Einzelnen nützen, der Gemeinschaft jedoch auf vielfältige Weise schaden.

Die absurd niedrig gesteckten Klimaziele der Regierung erreichen wir vor allem im Verkehrssektor nicht. Noch nie gab es so viele zugelassene Autos in Deutschland wie heute. Die gesamte deutsche Bevölkerung könnte auf den Vordersitzen ihrer Autos unterkommen, und es wären immer noch sieben Millionen Beifahrersitze frei! Jedes Jahr gelangt global mehr CO₂ in die Atmosphäre als im Vorjahr. Gleichzeitig gab es noch nie so gute Fahrräder und E-Bikes wie heute. Ein Kind, das souverän Fahrrad fährt, gibt mir die Hoffnung, dass daraus ein fahrradfahrender Erwachsener werden kann.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Bremer Radmusikanten.

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Von Guido Finke

Meine Heimat ist das idyllische Hude – „zum Malen schön“ lautet hier das Motto. Ansonsten dreht sich bei mir als Fan der EWE Baskets Oldenburg und des SV Werder vieles um den Sport.

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