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Richtig oder falsch? Ortseingangsschild am Autobahnzubringer Horn-Lehe.
Michael Koppel

100 Jahre Bürgerverein Horn-Lehe: Ein Jahrhundert für den Stadtteil

Mit einer Sonderausstellung im Ortsamt blickt der Bürgerverein Horn-Lehe auf seine Geschichte zurück

Seit 100 Jahren setzt sich der Bürgerverein Horn-Lehe für das Leben im Stadtteil ein. Das Jubiläum ist nicht nur Anlass für einen Rückblick, sondern auch für die Frage, welche Rolle ein Bürgerverein heute übernehmen kann. Eine Sonderausstellung im Ortsamt Horn-Lehe zeigt wichtige Stationen aus der Geschichte des Stadtteils und macht sichtbar, wie sehr sich Horn-Lehe in einem Jahrhundert verändert hat.

Marc Liedtke Horn Lehe
Marc Liedtke ist der Vorsitzende des Bürgervereins Horn-Lehe. ML

Für den Vorsitzenden Marc Liedtke ist allein das lange Bestehen des Vereins bemerkenswert. Viele Bürgervereine in anderen Stadtteilen hätten ihre Arbeit bereits einstellen müssen, erklärt er. Schließlich beruhe das Engagement vollständig auf ehrenamtlicher Arbeit.

„Dass sich Menschen über 100 Jahre hinweg für ihren Stadtteil eingesetzt haben, ist eine starke Leistung“, sagt Liedtke. „Der Bürgerverein lebt davon, dass Verantwortung übernommen und Gemeinschaft aktiv gestaltet wird.“

Vom politischen Vermittler zum Ort der Begegnung

Als der Bürgerverein Horn-Lehe gegründet wurde, gab es die heutigen Beiräte noch nicht. Bürgervereine übernahmen damals häufig eine Vermittlerrolle zwischen der Bevölkerung und der Bremer Politik. Viele dieser Aufgaben liegen inzwischen bei den gewählten Stadtteilparlamenten.

„Unsere Aufgabe ist heute eine andere als vor einigen Jahrzehnten“, erklärt Liedtke. „Es geht stärker darum, Räume für Begegnungen zu schaffen, Menschen miteinander zu vernetzen und den Zusammenhalt im Stadtteil zu fördern.“

Auch gesellschaftliche Veränderungen spielen dabei eine Rolle. Eine älter werdende Bevölkerung, Einsamkeit und fehlende Treffpunkte beschäftigen den Verein ebenso wie die Frage, wie jüngere Menschen und Familien erreicht werden können.

Die Horner Mühle als wichtiges Stück Stadtteilgeschichte

Zu den Themen, die den Bürgerverein über viele Jahre begleitet haben, gehört die Horner Mühle. Ihr Erhalt ist sogar in der Satzung des Vereins verankert. Als die Flügel der Mühle erneuert werden mussten, beteiligte sich der Bürgerverein maßgeblich an der Sammlung von Spenden.

Die Mühle ist damit ein sichtbares Beispiel dafür, wie bürgerschaftliches Engagement zur Bewahrung lokaler Geschichte beitragen kann. Gleichzeitig ist dem Verein bewusst, dass Tradition allein nicht ausreicht, um auch künftig unterschiedliche Generationen anzusprechen.

Horn-Lehe hat sich stark gewandelt. Neue Wohngebiete, Schulen, Kindertagesstätten und Versorgungszentren sind entstanden. Gleichzeitig verschwanden klassische Treffpunkte wie kleine Geschäfte oder Eckkneipen. Der Stadtteil vereint heute sehr unterschiedliche Wohnlagen und Bevölkerungsgruppen – von Studierenden und jungen Familien bis zu älteren Menschen.

Aus einem Flohmarkt wird ein Stadtteilfest

Horn-lehe
Aus dem Flohmarkt Horn-Lehe bei Lestra wurde ein Kulturfest. Bürgerverein Horn-Lehe

Wie sich Tradition und neue Ideen verbinden lassen, zeigt das Kulturfest in Horn-Lehe. Ausgangspunkt war ein wiederbelebter Flohmarkt unter dem Parkdeck bei Lestra (heute Edeka Maaß). Nach und nach entwickelte sich daraus ein kleines Stadtteilfest, das inzwischen regelmäßig Ende August stattfindet.

Neben dem Kulturfest organisiert der Bürgerverein unter anderem ein Laternenfest, Ausflüge und Informationsveranstaltungen. Auch neue Formate werden ausprobiert. Ein Kneipenquiz in der Gaststätte „Panorama 1899“ bei Eiche Horn stieß beispielsweise auf große Resonanz.

„Solche Angebote zeigen, dass ein Bürgerverein nicht nur Tradition verwaltet“, sagt Liedtke. „Er kann neue Formate schaffen, Menschen zusammenbringen und aufgreifen, was im Stadtteil gefragt ist.“

Entscheidend sei dabei die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, Initiativen und Gewerbetreibenden. Ehrenamtliche Kräfte seien begrenzt. Umso wichtiger sei es, Wissen, Kontakte und Ressourcen im Stadtteil zu bündeln.

Sonderausstellung zeigt bekannte und überraschende Seiten Horn-Lehes

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens ist im Ortsamt Horn-Lehe eine Sonderausstellung zur Geschichte des Stadtteils zu sehen. Auf Ausstellungstafeln werden besondere Orte, Denkmäler und Ereignisse aus den vergangenen 100 Jahren vorgestellt. Historische Fotografien und begleitende Texte zeigen, wie sich Straßen, Gebäude und Grünflächen verändert haben.

„Erarbeitet wurde die Ausstellung von Michael Koppel. Für das Jubiläum wurde eine bereits früher gezeigte, umfangreichere Ausstellung auf zentrale Themen konzentriert. Die Ausstellung ist wie eine Reise durch Horn-Lehe. Auch Menschen, die den Stadtteil gut kennen, können dort noch Neues entdecken“, beschreibt Liedtke.

Zu sehen sind unter anderem historische Aufnahmen von Gebäuden, Gärten und markanten Orten. Bei der Eröffnung habe sich schnell gezeigt, wie groß das Interesse an diesen Einblicken sei.

Ehrenamt zwischen Nachwuchssuche und neuen Ideen

Eine der größten Herausforderungen für den Bürgerverein ist die Gewinnung neuer aktiver Mitglieder. Zwar zählt der Verein noch mehrere Hundert Mitglieder, viele von ihnen sind jedoch bereits seit langer Zeit dabei. Für Veranstaltungen und neue Angebote werden Menschen gebraucht, die nicht nur Mitglied werden, sondern sich auch praktisch einbringen.

„Ohne Menschen, die mit anpacken, lassen sich selbst gute Ideen nicht umsetzen“, betont Liedtke. „Ein Stadtteilfest entsteht nicht allein durch Planung, sondern durch viele helfende Hände.“

Viel Grün, kurze Wege und ein starkes Miteinander

Luftaufnahme des Unisees in Bremen
Der Unisee liegt in Horn-Lehe und ist ein grünes Naherholungsgebiet. Adobe Stock/Andreas

Für Liedtke liegt die besondere Lebensqualität Horn-Lehes in der Mischung. Der Stadtteil ist grün, stadtnah und gut angebunden. Der Rhododendron-Park, die Nähe zum Bürgerpark, der Unisee und der Achterdieksee bieten vielfältige Möglichkeiten zur Erholung. Hinzu kommen Schulen, Kindertagesstätten, Sportangebote und eine gute Nahversorgung. Gleichzeitig bewahrt Horn-Lehe in vielen Bereichen einen fast vorstädtischen Charakter. Einrichtungen wie das Horner Bad und der Sportverein Eiche Horn seien wichtige Bestandteile des Stadtteillebens.

„Horn-Lehe ist nicht anonym“, sagt Liedtke. „Viele Menschen kennen sich, die Wege sind kurz und unterschiedliche Generationen leben nah beieinander.“

100 Jahre sind auch ein Auftrag für die Zukunft

Das Jubiläum macht deutlich, wie viel bürgerschaftliches Engagement in Horn-Lehe bewirkt hat. Gleichzeitig steht der Verein vor einer entscheidenden Phase. Neue Mitglieder, aktive Unterstützung und eine enge Vernetzung mit anderen Akteurinnen und Akteuren werden darüber entscheiden, wie sich die Arbeit weiterentwickelt.

„Wir möchten Bewährtes erhalten und gleichzeitig offen für Neues bleiben“, fasst Liedtke zusammen. „Damit der Bürgerverein auch in Zukunft eine verbindende Kraft in Horn-Lehe sein kann, braucht es Menschen, die diese Idee mittragen.“

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Von Sarah Meyer

Als waschechtes Küstenkind liebe ich alles, was der Norden zu bieten hat. Vor einigen Jahren zog es mich von der Wurster Nordseeküste in die Hansestadt – und jetzt schlägt mein Herz für die Weser.

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