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Podcast: „Wir sind die Uni“

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Universität Bremen: Bewegende Momente aus 50 Campus-Jahren

Podcasts schießen gerade wie Pilze aus dem Boden. Dabei ist es für Interessierte schwierig, angesichts der vielen Angebote den Überblick zu behalten. Ein Podcast, der auf jeden Fall hörenswert ist, nennt sich „Wir sind die Uni“ und wurde von vier Geschichtsstudierenden der Universität Bremen produziert.

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Mehr als 19.000 Studierende feilen an der Universität Bremen an ihrer beruflichen Laufbahn. Michael Ihle/Universität Bremen

2021 feiert die Universität Bremen ihren 50. Geburtstag. Auf ihre Anfänge blickt der Podcast zurück und widmet jedem Jahrzehnt eine eigene Folge. „Von, mit und für Studierende“ lautet die Prämisse. In der jeweiligen Ausgabe steht dann ein großes Thema im Fokus, das mit Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern beleuchtet wird. Zu allen Jahrzehnt kommen ehemalige Studierende zu Wort und blicken dabei auf teils bewegende Begegnungen, Momente und Erlebnisse zurück.

Teil 1: Die 1970er-Jahre

„Wir wollen den Fokus auf politische Bewegungen in den Siebzigern lenken“, heißt es dazu in der Auftaktfolge des Podcasts. „Die 70er-Jahre stehen für Aufbruch und Fortschritt, aber auch für Krisen – wie der Vietnamkrieg.“

Der damalige Student Peter Sauer erklärt den Zeitgeist des Jahrzehnts – mitten im Umbruch der Gesellschaft nach der 1968er-Studentenbewegung: „Es gab eine große Freiheit in den Anfangsjahren der Uni.“ Auch die Professoren seien immer sehr kooperativ gewesen. „Sie waren also keine Autoritätspersonen, wie das noch zehn Jahre vorher gewesen ist, und vor denen man zittern musste. Es war eine wunderbare Atmosphäre.“

Erstaunlich viele Forderungen von Studentenverbänden konnten in den Anfangsjahren durchgesetzt werden. Darunter war auch die sogenannte Drittelparität: Hochschullehrende, Studierende sowie Mitarbeitende im Akademischen Senat und allen anderen Gremien der Universität waren bis zum Jahr 1977 gleichberechtigt. Neben Peter Sauer wurde auch der frühere Bremer Student Axel Golz interviewt.

Teil 2: Die 1980er-Jahre

Rund um den Einzug der Frauen in die Wissenschaften dreht es sich unter anderem in Folge zwei: „Die Women-Studies wurden gegründet und zahlreiche Frauenzentren neu eröffnet.“ Maren Bock, Geschäftsführerin und Mitbegründerin von belladonna, und Gudrun Fischer geben spannende Einblicke in prägende feministische Themen. Maren Bock erzählt beispielsweise über den Aufbau des Bremer Frauenarchivs.

Wenn es darum ging, sich in der männerdominierten Politiklandschaft und auf anderen Gebieten durchzusetzen, waren die Feministinnen präsent und ergriffen mutig das Wort. „Das war nicht immer lustig“, sagt Maren Bock im Podcast. „Wir waren hart zueinander – einige haben sich daraufhin frustriert zurückgezogen. Wir hatten aber auch unglaublich viel Spaß, zum Beispiel auf Demos.“

Teil 3: Die 1990er-Jahre

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Der 146 Meter hohe Fallturm bietet Möglichkeiten für Experimente in Schwerelosigkeit und einen bis zu zehn Sekunden langen freien Fall. Michael Ihle/Universität Bremen

Die deutsche Wiedervereinigung prägte die Anfangsjahre des dritten Jahrzehnts. Der Technologiepark und der Fallturm entstanden und verliehen der Hochschule auch optisch neue Glanzpunkte. Doch es gab auch Negatives: So stand die Uni unter anderem aufgrund einiger Kampagnen des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), eine von Studentinnen und Studenten geführte Organisation, die die Interessen aller Studierenden vertritt, in der Kritik.

„Der AStA sorgte mit finanziellen Problemen für Schlagzeilen und wurde wegen politischer Aufrufe sogar verklagt“, ist in der dritten Podcast-Ausgabe zu hören. Als Experte steht der frühere AStA-Mitarbeiter Rainer Weisel zur Verfügung. Er kümmerte sich von 1994 bis 2004 in erster Linie um die Aufstellung von Haushaltsplanentwürfen sowie Personalangelegenheiten.

Teil 4: Die 2000er-Jahre

Eine neue Verwaltungsgebühr stieß bei den Studierenden an der Universität Bremen kurz nach der Jahrtausendwende nicht gerade auf Gegenliebe. Der damalige Bildungssenator Willi Lemke musste mit seinem Ansinnen im Januar 2004 gegen eine riesige Protestwelle ankämpfen. Ein Dorn im Auge waren ihm damals die Langzeitstudierenden, die mit hohen Studiengebühren rechnen mussten.

Jan Bönkost und Melike Lülle waren in den 1990er-Jahren an der Uni. Die beiden Gesprächspartner berichten etwa über einen Streik gegen die Erhöhung der Verwaltungsgebühr und den Wechsel in das Bachelor- und Mastersystem.

Teil 5: Die 2010er-Jahre

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Die Tradition der Universität Bremen – hier das Verwaltungsgebäude – begann im Gründungsjahr 1971. Matej Meza/Universität Bremen

„Keine Uni dem Rassismus! – Populismus und Rechtsextremismus in den 2010ern“ lautet das Thema der letzten Podcast-Folge. Die AStA-Referentin Irina Kyburz berichtet ausführlich über einen Rechtsstreit und Proteste gegen den umstrittenen Historiker Jörg Baberowski. Der Bremer AStA wurde von dem Berliner wegen angeblich beleidigender Äußerungen vor Gericht gezogen. In letzter Instanz bekam der AStA jedoch Recht: Die Studierenden durften weiter behaupten, Baberowski vertrete „rassistische“ und „gewaltverherrlichende Thesen“.

Mit diesen und weiteren Schwerpunkten befassen sich die jeweils eine knappe halbe Stunde langen Podcast-Folgen. Prädikat: sehr hörenswert!

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Autorenbild Guido Finke

Von Guido Finke

Meine Heimat ist das idyllische Hude – „zum Malen schön“ lautet hier das Motto. Ansonsten dreht sich bei mir als Fan der EWE Baskets Oldenburg und des SV Werder vieles um den Sport.

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