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Plattdeutsch lernen
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Fast die ganze Welt snackt Platt

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Kostenlose App zum Lernen von Plattdeutsch

Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Menschen in Deutschland trifft, der gar kein Wort Plattdeutsch spricht, ist sehr unwahrscheinlich. Schließlich haben viele bei einer Begrüßung bestimmt einmal das Wort „Moin“ auf den Lippen gehabt. Dieses Grußwort tauchte wohl erstmals 1924 in einem ostfriesischen Hauskalender auf und gilt heute als eine beliebte Abwandlung des etwas angestaubten „Hallo“. Doch die plattdeutsche Sprache hält noch mehr sprachliche Perlen versteckt – aber dazu später mehr.

Man mag es eigentlich kaum glauben, aber im über 9000 Kilometer entfernten Brasilien sprechen circa zwei Millionen Menschen Plattdeutsch. Genauer gesagt das Riograndenser Hunsrückisch mit einem Ursprung aus Pommern. Dies passiert meist in Orten, die vor vielen Jahrzehnten in Südamerika von deutschen Einwanderern und Einwanderinnen gegründet wurden. In einigen Bundesstaaten ist Plattdeutsch neben Portugiesisch sogar zweite offizielle Amtssprache und für Kinder Bestandteil des Stundenplans an Schulen.

Plattdeutsch wird Fremdsprache in Schulen

Tatsächlich steht Plattdeutsch auch hierzulande vor einer Einführung in den Unterricht. Die offizielle Bezeichnung „Niederdeutsch“ ist für das Schuljahr 2022/23 in Niedersachsen als zweite Fremdsprache geplant und an der Umsetzung wird seitens des Kultusministeriums derzeit intensiv gearbeitet. Mit „Snacken Proten Kören“ ist dabei vor Kurzem ein neues Lehrbuch für den Plattdeutsch-Unterricht erschienen. „Es ist ein Werk aus der Praxis für die Praxis“, sagt Co-Autorin und Lehrerin Heike Hiestermann aus Fischerhude, die das Werk mit ihrer Kollegin Katrin Konen-Witzel entwickelt hat.

Als Herausgeber des Buches tritt dabei das Länderzentrum für Niederdeutsch (LzN) auf. Es ist in der Hansestadt an der Contrescarpe beheimatet und wurde von den Bundesländern Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen mit dem Ziel gegründet, den historischen Dialekt zu unterstützen und zu pflegen. Das Zentrum bietet beispielsweise kostenfreie Web-Seminare, Workshops, Lesungen und zahlreiche Informationen rund ums Niederdeutsche an. Tiefgreifende Informationen zur plattdeutschen Grammatik finden Interessierte übrigens im Standardwerk zum Niederdeutschen von Sass, das seit Kurzem auch wieder in gedruckter Form erhältlich ist.

Kostenlose App zum Lernen von Plattdeutsch

Plattino
PlattinO ist eine kostenlose Sprachlern-App für Plattdeutsch. Ostfriesische Landschaft

Mit PlattinO exisitert seit Kurzem sogar eine kostenlose Lern-App für Plattdeutsch. Sie ermöglicht den Spracherwerb und begleitet in 40 Kapiteln die Familie Janssen aus Aurich bei alltäglichen Situationen wie Teetrinken, einem Krankenhausbesuch oder beim Besuchen von Freundinnen und Freunden. „In den Kapiteln gibt es mehr als 1300 Aufgaben“, erklärt Elke Brückmann vom Plattdüütskbüro der Ostfriesischen Landschaft. Gemeinsam mit Softwareentwickler Tim Sodtalbers hat sie die App (verfügbar für iOs und Android) maßgeblich entwickelt.

Ortsschild Plattdeutsch
Orte können beantragen, dass ihre plattdeutsche Bezeichnung auf dem Ortsschild erwähnt ist. Ad Nord

In Bremen vertritt mit dem Institut für niederdeutsche Sprache (INS) eine weitere Einrichtung die Förderung der Mundart. Das INS kooperiert mit Schulen, Kindergärten, Autorinnen und Autoren, Verbänden sowie Vereinen. Eine interessante Möglichkeit für Orte, ihre Verbundenheit zum Plattdeutschen deutlich zu machen, ist die Installation von zweisprachigen Ortstafeln auf Hoch- und Niederdeutsch.

ASTERIX Plattdeutsch
Ein Mundart-Sammelband lässt Asterix Platt snacken. Ehapa Verlag

„In Niedersachsen existieren inzwischen rund solche 400 Orte“, freut sich Reinhard Goltz, Vorstand des INS. Das Institut prüft die eingereichten Vorschläge zur Schreibung des plattdeutschen Namens, bevor die Straßenverkehrsbehörden dann darüber entscheiden. „Namen und Orte sind nicht an die Regeln der Rechtschreibung gebunden“, weiß Goltz. Er hat dank seiner Expertise in dem Dialekt auch dazu beigetragen, dass Werke wie Asterix und Harry Potter ins Plattdeutsche übersetzt wurden.

Plattdeutsch ist auch im TV präsent

dibaba
Der Moderator Yared Dibaba hat mehrere Bücher auf Plattdeutsch geschrieben. Yared.de

Ein sehr bekanntes Gesicht, das ebenfalls für die plattdeutsche Sprache steht, ist Fernsehmoderator Yared Dibaba. Er wurde 1969 in Äthiopien geboren und fand sich nach einer Flucht aus Afrika vier Jahre später mit seinen Eltern im norddeutschen Ganderkesee wieder. Er wuchs dort mit Plattdeutsch auf: „Ich finde es immer wichtig, zu wissen, wo man herkommt – und da ist Sprache ein wichtiges Kulturgut“, sagte Dibaba im vergangenen Jahr anlässlich der Heinrich-Schmidt-Barrien-Preisverleihung in Lilienthal bei Bremen.

Der Preis ehrt Menschen, die sich in besonderer Weise um die Förderung und Pflege der plattdeutschen Sprache verdient gemacht haben. „Sprache ist nicht nur ein Medium, über das wir uns ausdrücken, sie sagt auch viel über die Menschen und die Region aus und über die Art, wie wir im Norden ticken. Für mich ist Sprache auch Heimat“, sagt Dibaba über die Wichtigkeit der plattdeutschen Sprache. Er hat als Autor bereits einige Bücher auf Plattdeutsch veröffentlicht.

Diese plattdeutschen Redewendungen sollte man kennen:

Wat de Buer nich kennt, dat frät hei nich – Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht

Hummeln in’n Mors hebben – Hummeln im Hintern haben

Du kannst mi an’ne Büx rüken – Du kannst mir an der Hose riechen

Mi bäwern de Büxen – Ich habe Angst

Sik up’n Buk leggen – Faulenzen

Im plattdeutschen Wörterbuch des NDR gibt es übrigens zahlreiche weitere gute Sprüche für den alltäglichen Gebrauch der traditionellen Sprache Plattdeutsch.

Weitere Infos zur Plattdeutschen Sprache finden sich auch auf der Seite der Ostfriesischen Landschaft und bei Planet Wissen. Die niedersächsischen Sparkassen veranstalten jedes Jahr einen erfolgreichen plattdeutschen Lesewettbewerb.

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Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Ich fahre am liebsten mit der Vespa oder der Schwalbe durch unsere schöne Hansestadt und entdecke dabei immer wieder geheime Wege und versteckte Orte.

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