
Großes Jubiläum: Paula Modersohn-Becker
Eine außergewöhnliche Künstlerin
Paula Modersohn-Becker zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der Klassischen Moderne. Anlässlich ihres 150. Geburtstags rücken Bremen und Worpswede ihr Leben, ihr Werk und ihre außergewöhnliche Rolle in der Kunstgeschichte in den Mittelpunkt. Unter dem Jubiläumsmotto „Paula Modersohn-Becker 150“ wird das Jahr 2026 mit Ausstellungen, Workshops und vielen weiteren kulturellen Aktionen an eine Malerin erinnern, die ihrer Zeit weit voraus war und deren künstlerische Wurzeln eng mit der Region rund um die Hansestadt verbunden sind.

Geboren 1876 in Dresden und früh nach Bremen gezogen, fand Paula Modersohn-Becker im nahegelegenen Worpswede nicht nur künstlerische Inspiration, sondern auch einen prägenden Lebensmittelpunkt. Gleichzeitig zog es sie immer wieder nach Paris, wo sie neue Strömungen aufnahm und ihren unverwechselbaren Stil entwickelte. Auch in Bremen spielt Paula Modersohn-Becker bis heute eine zentrale Rolle im kulturellen Selbstverständnis der Stadt. Anlässlich des Jubiläums widmen sich hier mehrere Institutionen ihrem Werk und ihrer Biografie. Geplant sind Ausstellungen, die Paula Modersohn-Becker in einen internationalen Kontext stellen und ihre Bedeutung für die Moderne neu beleuchten.
Neben der Präsentation bekannter Gemälde und Zeichnungen stehen an vielen Orten in und um die Hansestadt auch bisher weniger beachtete Aspekte ihres Schaffens im Fokus – etwa ihr Umgang mit Selbstbildnissen, ihre intensive Auseinandersetzung mit Mutterschaft und Kindheit sowie ihr mutiger Bruch mit traditionellen Bildkonventionen. Ergänzt werden die Ausstellungen durch Vorträge, Gespräche und Bildungsangebote, die Kunstgeschichte lebendig und zugänglich machen.
Bremen: Große Kunstschau zu Ehren der Künstlerin

Am 8. Februar startet im Paula-Modersohn-Becker-Museum in Bremen die Ausstellung „Becoming Paula“. In der großen Schau wird beleuchtet, wie aus Paula Hermina Becker die Künstlerin Paula Modersohn-Becker – und schließlich die Kunstfigur Paula wurde. Rund 70 Gemälde und Papierarbeiten, darunter viele selten zu sehende Leihgaben, bilden die vielzähligen Facetten einer außergewöhnlichen Künstlerinnenbiografie ab. Die Ausstellung in der Böttcherstraße folgt der Malerin entlang ihrer wichtigsten Lebensstationen und zeigt bis Mitte September, wie sie schon in ihrer Ausbildung ihren eigenen, freien und selbstständigen künstlerischen Weg ging.
Anlässlich des Jubiläums ist der Künstlerin auch in der Bremer Kunsthalle ein großer Raum gewidmet. Zu sehen sind insgesamt 19 Werke. Darunter viele vertraute Bilder, die längst fester Bestandteil der Sammlungspräsentation sind, aber auch selten gezeigte, die lange Zeit im Depot waren. Mit Kunstwerken aus allen Schaffensphasen der Künstlerin wird das kurze, aber intensives Leben von Paula Modersohn-Becker (1876–1907) greifbar.
Das Bremer Figurentheater „Mensch, Puppe!“ begibt sich ab September durch den Regisseur und Autor Philip Stemann ebenfalls auf Spurensuche im Leben von Paula Modersohn-Becker. In der Kunsthalle Bremen zeigen er und die Puppenspielerin Jeannette Luft eine theatralische Annäherung an die Künstlerin. Die Premiere ist für den 12. September angesetzt.
Worpswede: Der Ort, an dem Kunst und Leben verschmolzen

Worpswede ist natürlich untrennbar mit dem Namen Paula Modersohn-Becker verbunden. In der Künstlerkolonie entwickelte sie ihren Stil, der sich deutlich von den zeitgenössischen Landschaftsbildern abhob. Zum 150. Geburtstag wird der Ort im Teufelsmoor damit auch zu einem zentralen Schauplatz des Jubiläumsjahres. Einige Museen und Gedenkorte vor Ort greifen das Leben der bekannten Künstlerin in vielen Ausstellungen und Veranstaltungen auf. Unter dem Titel „Impuls Paula“ begeben sich die vier Worpsweder Museen (Barkenhoff, Große Kunstschau, Haus im Schluh, Worpsweder Kunsthalle) auf Entdeckungsreisen: Welche Künstler und Künstlerinnen haben sich von ihr in welcher Weise inspirieren lassen? Jedes Haus folgt dabei einer anderen Spur und wirft den Blick auf unterschiedliche Schwerpunkte im Leben von Paula Modersohn-Becker. Dabei geht es nicht nur um Paula als Einzelperson, sondern auch um ihr Umfeld, ihre künstlerischen Netzwerke und ihre Rolle innerhalb der Worpsweder Künstlergemeinschaft. Spaziergänge, Workshops und thematische Führungen verbinden Kunst, Landschaft und Geschichte auf besondere Weise.
Fischerhude: Ausstellung für Paula auch im Künstlerdorf an der Wümme
Anlässlich des Geburtstages von Paula Modersohn-Becker zeigt auch das Museum, dass ursprünglich ihrem Mann gewidmet ist eine große Sonderausstellung. Das Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude präsentiert 32 bislang selten gezeigte Landschaftsstudien der Künstlerin und rückt damit die eigenständige Bildsprache und die künstlerische Selbstbehauptung einer der wichtigsten Wegbereiterinnen der Moderne in den Fokus.
Ein Jubiläum, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet
Das Jubiläumsjahr für Paula Modersohn-Becker versteht sich nicht als reiner Rückblick, sondern als Einladung, die beeindruckende Künstlerin neu zu entdecken. Ihre Bilder wirken bis heute modern, ihre Themen zeitlos. Die Veranstaltungen in Bremen, Worpswede und Fischerhude zeigen, wie aktuell Fragen nach Selbstbestimmung, künstlerischer Freiheit und gesellschaftlichen Rollenbildern geblieben sind. Mit dem Jubiläum wird zugleich die kulturelle Vielfalt der Region sichtbar. Kunstorte, Bildungseinrichtungen und Initiativen arbeiten zusammen, um das Erbe einer Künstlerin zu würdigen, die weit über Norddeutschland hinaus gewirkt hat – und deren Spuren zwischen Bremen, Worpswede, Fischerhude und Paris bis heute lebendig und sichtbar sind. Auf der eigens eingerichteten Internetseite Paula150 finden sich zahlreiche Veranstaltungen aus Bremen und Worpswede in einer Übersicht.
Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Kunst in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

und auf "Zum Homebildschirm hinzufügen" klicken.