
Lebensmittel spenden statt wegwerfen
Großmarkt und Bremer Tafel eröffnen Abgabestation mit Kühlraum in der Erzeugerhalle
Eine Kiste Paprika hat kleine Schönheitsfehler, einige Salate haben keinen Käufer beziehungsweise keine Käuferin gefunden – und auch die überreifen Mangos können am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden. Waren, die für den Handel nicht mehr verkäuflich, aber zu gut für die Tonne sind, können vielen Bremerinnen und Bremern mit knappem Budget eine wertvolle Hilfe sein. Genau hier setzt die neue Kooperation zwischen der Bremer Tafel und dem Großmarkt Bremen an.
Seit dem 1. September 2026 steht der Tafel nun in der Erzeugerhalle des Großmarktes ein eigener Bereich zur Verfügung. Montags bis samstags können Händler und Händlerinnen wie Kundinnen und Kunden dort genießbare Überschüsse als Spenden ablegen. Kühlpflichtige Produkte bleiben im angeschlossenen geräumigen Kühlraum gut gelagert, bis sie weitertransportiert werden.
Von der Markthalle zur Abgabestation

Bei frischen Produkten kommt es auf kurze Wege an. Was am Abend oder frühen Morgen in der Abgabestation bereitgestellt wird, wird jeden Vormittag direkt an die Tafeln ausgeliefert. Dort sortieren und prüfen die ehrenamtlichen Mitarbeitenden die Lebensmittel auf ihren verzehrfähigen Zustand und bereiten sie für die unmittelbare Ausgabe vor. So lässt sich mit dem Rest eines Handelstages die eine oder andere Einkaufstasche füllen – und so das Leben bedürftiger Menschen ein Stückchen leichter machen.
Uwe Schneider, Vorsitzender der Bremer Tafel, sagt: „Wir hoffen, dass viele Unternehmen auf dem Großmarkt und deren Kundinnen und Kunden diese Möglichkeit nutzen und die neue Station schnell zu einem festen Bestandteil der täglichen Abläufe wird.“
Jedes Kilo wird sichtbar

Besonders Obst und Gemüse verlieren rasch an Qualität. Je früher die Tafel die vom Handel aussortierten Produkte erhält, desto größer ist die Chance, sie vollständig verteilen zu können. Für Lars Jansen, Bereichsleiter des Großmarktes Bremen, liegt der Vorteil vor allem in der zentralen Lösung. Einfach und unkompliziert können Lebensmittel in der festen Anlaufstelle abgegeben werden. Nur das Ausfüllen eines kurzen Formulars ist vor Ort notwendig. Denn schließlich möchten die Initiatoren wissen, woher die Lebensmittel stammen und am Ende des Jahres eine mögliche Spendenquittung ausstellen können.
Die Verteilung organisiert die Bremer Tafel. Das Abholfahrzeug passiert zweimal täglich die Waage im Bereich des Großmarktes – zunächst leer, danach gefüllt mit den übernommenen Lebensmitteln. Der Gewichtsunterschied zeigt, welchen Umfang die Spenden erreichen. Auf diese Weise erhalten die Projektpartner einen Überblick über die Menge der Spenden und können nach einigen Monaten beurteilen, wie gut ihr Angebot angenommen wird.
Ein Gewinn für alle
Die Kooperation von Tafel und Großmarkt verbindet Lebensmittelrettung mit sozialer Unterstützung. Händlern wird die Abgabe noch guter, aber unverkäuflicher Waren sinnvoll ermöglicht. Die Tafel kann ihr Angebot um frische Produkte ergänzen. Und Menschen am Rande des Existenzminimums bekommen gesunde Lebensmittel, die sie sich sonst vielleicht nicht leisten könnten.
Seit dem 1. September 2026 läuft das Projekt probeweise. Bis zum Ende des kommenden Februars stellt der Großmarkt die benötigten Flächen kostenlos bereit. Ob die Abgabestation danach dauerhaft in den Betrieb gehen kann, entscheiden die Kooperationspartner 2027 auf Grundlage der bis dato gemachten Erfahrungen und gesammelten Daten.
Nehmen Händlerinnen, Händler und Kundschaft diese neue Möglichkeit in ihren Alltag auf, kann die Abgabestation zu weniger Verschwendung und mehr Entlastung bedürftiger Menschen beitragen.
Autorin: Daniela Conrady
Weitere Informationen über die Sammelstelle gibt es auf der Seite des Großmarkts.
Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Nachhaltigkeit“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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