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Gemüsewerft
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Gemüsewerft: Ein Showroom für Lebensmittel

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Mehr Nachhaltigkeit dank urbaner Landwirtschaft

„Die Nachfrage ist exorbitant. Ich weiß nicht, wo das noch enden soll“, sagt Michael Scheer und lacht. Insgesamt 4500 Jungpflanzen haben der Betreiber der Gemüsewerft und sein Team im Frühjahr verkauft – so viele wie nie zuvor. Der urbane Landwirtschaftsbetrieb hat sich in den vergangenen fünf Jahren einen Namen in Bremen gemacht. Mittlerweile beackert er drei feste Standorte im Westen der Stadt. Zusätzlich gibt es kleinere, mobile Nutzgärten, zum Beispiel auf dem Hanseatenhof und auf dem Domshof.

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Als dritten Standort gibt es nun auch die Gemüsewerft am Europahafen auf dem alten Kellogg’s-Gelände. Gemüsewerft

In Gröpelingen fing 2014 alles an, 2016 folgte ein Gelände an der Stephanikirchweide. Erst in diesem Jahr kam das Areal Auf der Muggenburg beim alten Kellogg’s-Gelände hinzu. „Eine Perle“, findet Michael Scheer. Dort, direkt an der Weser, können Besucherinnen und Besucher nun zwar keine Pflanzen mehr kaufen, dafür aber frisch geerntetes Gemüse, Kräuter, Honig sowie Apfelsaft.

Urban hergestellte Lebensmittel zum Zweck der Selbstversorgung und der Teilabdeckung des städtischen Nahrungsbedarfs: Das ist das selbst ernannte Ziel der Gemüsewerft. Die Liste der Produkte ist lang. Insgesamt 65 Sorten wurden dieses Jahr in Gewächshäusern vorgezogen, darunter Kartoffeln, Kohlrabi, Auberginen und Zucchini, grüner Hokkaido-, Butternut- und Muskatkürbis, Paprika, Chilis in allen Schärfegraden sowie 13 verschiedene Tomatensorten – alles in Bioqualität und aus regionaler Herkunft. Auch die biologische Artenvielfalt kommt dank neun eigener Bienenvölker nicht zu kurz. „130 Kilo Honig konnten wir in diesem Jahr ernten“, berichtet Scheer.

Hopfen für die Bremer Braumanufaktur

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Hopfen, so weit das Auge reicht: Für die Bremer Braumanufaktur baut die Gemüsewerft Hopfen nach ökologischer Landwirtschaft an. Gemüsewerft

Hauptabnehmer der Gemüsewerft sind das Restaurant Canova an der Kunsthalle und das Café Brand in Gröpelingen. Darüber hinaus gehört auch die Bremer Braumanufaktur zu den engen Geschäftspartnern. Seit 2014 baut die Stadtgärtnerei für den Craftbierhersteller nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus Hopfen in Hochbeeten an. Die erste eigene Kreation „Ale No. 2“ ist eine Erfolgsgeschichte. Mittlerweile gibt es zudem ein „Schwarzbier“ und ein „Helles“ mit dem Gemüsewerft-Hopfen. Und die Bremer Braumanufaktur ist derweil sogar direkter Nachbar: Nur 100 Meter von der Überseeinsel entfernt hat sie ihre neue Brauerei eingerichtet.

Dass alles schön wächst und gedeiht, ist einem Gärtner, einer Stadtwirtin sowie zwölf Beschäftigten zu verdanken. Betrieben wird das Projekt Gemüsewerft von der Gesellschaft für integrative Beschäftigung (G.i.B.), deren Geschäftsführer Michael Scheer ist. Dabei geht es vor allem um Sozialisation und Teilhabe, denn dort arbeiten Menschen mit psychischen, seelischen oder geistigen Behinderungen.

Biergarten mit Blick auf die Weser

Zukünftig könnten es noch mehr werden, denn es gibt bereits weitere Pläne. Eigentlich hätte bereits im Mai das gastronomische Angebot erweitert werden sollen, doch dann kam Corona. „Wir stellen uns regionale Gastronomie vor, frisch geerntet, ohne Tiefkühlware. Das kommt dann halt nächstes Jahr“, erzählt Scheer. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es bereits: Der Biergarten mit Platz für bis zu 150 Besucherinnen und Besucher ist fertig. Dort können sie einen Kaffee der Bremer Rösterei Cross Coffee oder natürlich ein Craftbier genießen.

Von Christina Ivanda

Aufgewachsen auf dem platten Land, nun im Viertel zu Hause – die Vorzüge der belebten Östlichen Vorstadt möchte ich nicht mehr missen, schätze aber auch die ruhigen und beschaulichen Orte der Hansestadt. Das ist das Schöne an Bremen: Hier gibt es alles, was man braucht.

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