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Die „Sozialen Manufakturen“ bieten Beschäftigung, Teilhabe – sowie kreative bremische Produkte

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Das Verkaufsteam ist auf den Wochenmärkten der Hansestadt sowie umzu unterwegs

Dieses Projekt ist in vielfacher Hinsicht ein besonderes. Es bietet zum Beispiel sozial benachteiligten Menschen sinnvolle Arbeit, gesellschaftliche Teilhabe sowie echte berufliche Perspektiven – und zugleich leckere wie handfeste Produkte „Made in Gröpelingen“. Die Rede ist von den „Sozialen Manufakturen“.

Welche Ziele verfolgen die „Sozialen Manufakturen“?

Nachhaltig, selbst gemacht und lokal: Hopfenessig, Chutneys, Tee, Kaffee, Stahlgrills, Hochbeete, Vogelhäuser und vieles mehr – all das geht auf Bremer Wochenmärkten und neuerdings via Onlineshop über den Tresen. Hergestellt und verkauft werden die Waren von Menschen mit Beeinträchtigungen sowie von Insassinnen und Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA). „Für sie bietet das Projekt der ,Sozialen Manufakturen‘ die Chance, Neues zu lernen, Selbstbewusstsein zu tanken und so auch das Selbstwertgefühl zu steigern“, berichtet Projektleiterin Svenja Weber. Und dies geschehe auf ganz ungezwungene Art und Weise.

Welche Qualifikationen werden vermittelt?

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Rahel Hennemann ist von Anfang an dabei – und ein wahres Verkaufstalent. Mit dem Team der „Sozialen Manufakturen“ ist sie unter anderem auf Wochenmärkten in Bremen unterwegs. Soziale Manufakturen

„Die Teilnehmenden sind teils in der Werkstatt beschäftigt. Hauptaufgabe ist es aber, die Produkte regelmäßig auf den Wochenmärkten zu verkaufen“, berichtet Svenja Weber. „Und genau dort geht unser Konzept von Teilhabe richtig auf“, ergänzt sie. Denn die Verkäuferinnen und Verkäufer werden zum einen an einem Ort sichtbar, an dem Menschen mit Behinderungen, psychischen Erkrankungen sowie Freigängerinnen und Freigänger aus dem Gefängnis sonst selten arbeiten. „Zum anderen werden sie von Anfang an ganz selbstverständlich wie alle anderen Marktleute behandelt“, so die Projektleiterin.

Und ein dritter Aspekt betrifft das Team selbst: „Die Konstellation aus Menschen mit Beeinträchtigungen unterschiedlicher Art und Gefängnisinsassen ist in dieser Form etwas Besonderes“, sagt Svenja Weber. So würden sie als Team etwas über soziale Kompetenz, Sprache und den Umgang miteinander lernen. Und das zeige Erfolg. „Einer der Teilnehmenden hat im offenen Vollzug eine ‚richtige‘, also sozialversicherungspflichtige Arbeit aufgrund seiner Erfahrungen bei uns gefunden.“

Regelmäßige Schulungen und neue Qualifizierungen

Um fit für die Arbeit zu werden, gibt es für alle im Team regelmäßige Verkaufsschulungen. Darüber hinaus erschließen die Projektverantwortlichen immer auch neue Arbeitsfelder – und vermitteln so weitere Kompetenzen. „Wir waren zum Beispiel rund sechs Wochen in der Markthalle Acht. Dort verkaufte das Team Gerichte auf Basis unserer Produkte und entwickelte auch neue.“ Zudem hätten die Teilnehmenden entdeckt, welche Stärken und Fähigkeiten noch so in ihnen stecken. Und auch hier entwickelte sich eine hohe Identifikation mit der Arbeit sowie den Kolleginnen und Kollegen der anderen Stände in der Markthalle Acht. Des Weiteren war das Team noch im Food-up-Container in Gröpelingen aktiv – und verkaufte zum Beispiel Waffeln mit selbst gemachten Dips und Soßen – etwa aus der Knastwerk-Produktion der JVA.

Sei es dort oder auf den Wochenmärkten: „Die Identifikation mit der Arbeit ist enorm. Alle möchten am liebsten noch viel öfter auf Märkte gehen“, berichtet die Projektleiterin.

Wie ist das Projekt entstanden?

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Der Hopfenessig ist ein besonderes Produkt der „Sozialen Manufakturen“. Hier kooperiert die Gemüsewerft, die den Hopfen anbaut, mit der Werkstatt Bremen. Soziale Manufakturen

Hinter dem Erfolgsprojekt stecken drei Träger unter Federführung des Vereins Gröpelingen Marketing: die Werkstatt Bremen, die Gemüsewerft der Gesellschaft für integrative Beschäftigung (GiB) sowie die Justizvollzugsanstalt Bremen. Los ging es bereits 2017 mit einem Vorläuferprojekt.

„Im Stadtteilmarketing kam damals die Frage auf: Was wird hier eigentlich lokal produziert? Was ist ,Made in Gröpelingen‘?“, erinnert sich Svenja Weber. Dabei sei man dann darauf gestoßen, dass es insbesondere soziale Einrichtungen und Träger sind, die viele tolle Sachen herstellen. Und dazu zählen eben diese drei genannten Institutionen. „Daraus entstand der Gedanke, die Produkte prominenter aufzuziehen“, so Svenja Weber. Zum anderen sollte damit eben auch Beschäftigung geschaffen werden. Seit 2019 gibt es dieses Projekt nun auch „in groß“, gefördert vom Europäischen Sozialfond sowie der Stadt Bremen.

Auf welchen Märkten sind die „Sozialen Manufakturen“ vertreten?

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Mit Spaß bei der Arbeit: Das Verkaufsteam der „Sozialen Manufakturen“ identifiziert sich stark mit dem Projekt und den Einsätzen auf den Wochenmärkten. So sind die meisten schon lange dabei. Soziale Manufakturen

Das Verkaufsteam umfasst aktuell sechs Teilnehmende sowie einen Werkstudenten. Die waren dann zum Beispiel auf den Wochenmärkten in Findorff, in der Neustadt und im Viertel. „Eigentlich sind alle Stadtteile dabei“, so Svenja Weber. Neuerdings gehe es sogar nach Delmenhorst. „Das funktioniert auch sehr gut dort. Da haben wir schon Fans gewonnen“, freut sich das Team. Die genauen Markttermine stehen auf der Website des Projekts „Soziale Manufakturen“.

Hinzu kommen jetzt auch wieder nach der Corona-bedingten Pause Spezialmärkte – sowie natürlich die Weihnachtsmärkte.

In der Pandemiezeit ist zudem ein Onlineshop entstanden. Auch über diesen „Baustein“ hat das Team neue Qualifikationen erworben – von der Vermarktung über die kreative Kundschaftspflege bis zum Versand. „Und wir haben natürlich für die Manufakturen so einen weiteren Vertriebsweg erschlossen“, betont die Projektleiterin.

Wie geht es mit dem Projekt weiter?

„Aktuell warten wir auf die Verlängerung, denn die Förderung läuft nur bis März. Wir hoffen, dass es weitergeht, denn wir haben bereits weitere Pläne“, berichtet Svenja Weber. Die Idee gibt es schon länger, doch dann sei Corona dazwischengekommen: und zwar als „Soziale Manufaktur“ ein neues, ganz eigenes Produkt zu entwickeln. Das wäre für das Team noch einmal ein weiterer Qualifizierungsbaustein mit zusätzlichen Fähigkeiten, die dabei vermittelt werden könnten.

Derzeit habe man aber erst einmal ein neues Produkt im Verkauf, das nichts direkt mit Bremen zu tun hat. Es ist Müsli aus einer sozialen Rösterei aus Lüneburg, bei der die Menschen mit Beeinträchtigung tatsächlich auch sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Und das Müsli erfüllt die Ansprüche der „Sozialen Manufakturen“ in Bremen, denn die Ware sollte biologisch und nachhaltig sein.

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Autorenbild Steffi Urban

Von Steffi Urban

Vom Harz in die Hansestadt: Inzwischen lebe ich seit mehr als zehn Jahren in Bremen und entdecke mit Kamera und Klapprad immer noch tolle neue Ecken.

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