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Bremer Bücher: „Ganz normale Tage – Geschichten von Träumen und Traumata“ – Schizophrenie
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Bremer Bücher: „Ganz normale Tage – Geschichten von Träumen und Traumata“

Das Erstlingswerk der Bremerin Anna Irmgard Jäger ist „für alle inneren Kinder“

In klarer wie poetischer, emotionaler wie analytischer Sprache erzählt Anna Irmgard Jäger in ihrem Buch „Ganz normale Tage – Geschichten von Träumen und Traumata“ über eine Kindheit und ein Erwachsenwerden. Hauptperson Erika wächst als Kind einer schizophrenen und bipolaren Mama und einem Alkoholiker als Papa auf und wird selbst verrückt. Groß wird sie zwischen Griechenland und Deutschland im Zigarettenrauch der Eltern. Sie arbeitet als Deutschlehrerin sowie Tabledancerin und entwickelt eine Tablettensucht. Für Erika waren es ganz normale Tage, für andere eine besorgniserregende Kindheit … Anna Irmgard Jäger zeigt, dass es einen Weg heraus aus dem Dunkel gibt, und dass das Leben lebenswert sein kann. Wir haben sie zu ihrem Erstlingswerk befragt.


Wann und wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben?

Anna Irmgard Jäger: Ich habe schon immer geschrieben, um Erlebnisse zu be- und verarbeiten. In der Coronazeit hatte ich auf einmal viel Zeit. Ich wollte meine Vergangenheit und meine Familie verstehen, um damit abzuschließen und wieder in der Gegenwart leben zu können. So entstand die Idee zu dem Buch. Das biografische Schreiben hat sich so ergeben. Es war eine harte Zeit, weil ich mich viel erinnern musste. Dabei hat es mir sehr geholfen, in eine fiktive Figur zu schlüpfen und etwas Abstand zu erhalten.

„Ganz normale Tage“ ist ein biografischer Roman. Wem empfehlen Sie Ihr Buch?

Anna Irmgard Jäger: Mein Buch ist für alle Menschen ab 18 Jahren – und für unsere inneren Kinder, die Achtsamkeit und Trost brauchen und eine Daseinsberechtigung haben. Alle, die das Buch lesen, sollen wissen, dass eine traumatische Kindheit auch zu einem gesunden Erwachsenen führen kann.


„Es hilft, über die Dinge zu reden.“


Autorin Anna Irmgard Jäger
Die gebürtige Bremerin Anna Irmgard Jäger ist in Athen aufgewachsen und mit 21 Jahren wieder nach Bremen gezogen. Sie hat Tanz- und Theaterpädagogik studiert und bietet Kreativworkhops für Kinder und Jugendliche an. Ela Goebel

Worum geht es in „Ganz normale Tage“?

Anna Irmgard Jäger: Um Tabuthemen wie Panikattacken, Angststörungen, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen. Jeder trägt Koffer mit Themen mit sich herum. Es hilft, über die Dinge zu reden. Das Leben ist nicht so perfekt, wie es in den sozialen Medien gezeigt wird. Auch die Sonne hat einen Schatten. Nur wer seine Dämonen einlädt und sie akzeptiert, kann Frieden mit ihnen schließen. Und Heilung bedeutet nicht, dass dann alles perfekt ist, sondern dass man mit viel Arbeit und Achtsamkeit ein lebenswertes Leben leben kann.

War es schwer, einen Verlag zu finden?

Anna Irmgard Jäger: Ja, absolut. Es gab viele Absagen mit konstruktiver und nicht konstruktiver Kritik. Das hat viel Zeit und Kraft gekostet. Aber schließlich habe ich den Marta-Press-Verlag gefunden, einen kleinen Hamburger Verlag. Positiv ist, dass ich in dieser Zeit viele Menschen kennengelernt habe, mit denen ein Austausch möglich war. Besonders genieße ich jetzt die Lesungen. Das ist der schönste Part als Autorin.


„Bremen ist wunderbar klein und übersichtlich.“


Bremer Bücher: „Ganz normale Tage – Geschichten von Träumen und Traumata“
Anna Irmgard Jäger hat schon immer gerne geschrieben. In der Coronazeit entstand ihr erstes Buch, ein biografischer Roman: „Ganz normale Tage“. Im Herbst wird ihr zweites Werk, das sich mit dem Thema Autismus auseinandersetzt, erscheinen. Marta-Press-Verlag

Erzählen Sie uns etwas von sich?

Anna Irmgard Jäger: Ich bin in Bremen geboren, aber bereits als Baby mit meiner Mutter nach Griechenland gezogen. In Athen habe ich eine turbulente Kindheit und Jugend verbracht. Mit 21 Jahren bin ich wieder zurück nach Deutschland, nach Bremen gekommen. Hier hatte ich noch Familie. Ich habe Tanz- und Theaterpädagogik in Ottersberg studiert und gebe inzwischen Kreativworkshops für Kinder und Jugendliche.

Was verbindet Sie beziehungsweise was verbinden Sie mit Bremen?

Anna Irmgard Jäger: Bremen ist im Gegensatz zur Drei-Millionen-Stadt Athen wunderbar klein und übersichtlich. Alles ist nah dran, man kennt sich. Gleich um die Ecke gibt es nette Cafés, wo man einfach mal eben „Moin“ sagen kann. Dazu hat Bremen ein großartiges kulturelles Angebot. Bremen ist meine Wahlheimat.

Planen Sie bereits ein weiteres Buch?

Anna Irmgard Jäger: Tatsächlich erscheint voraussichtlich im Herbst bereits mein zweites Buch. Es beschäftigt sich mit dem Thema Autismus. Ich widme es meinem Sohn. Mein Lebenspartner Florian Bosum, besser bekannt als Soulsänger Flo Mega, ist als Illustrator daran beteiligt.


„Ganz normale Tage – Geschichten von Träumen und Traumata“ von Anna Irmgard Jäger hat 240 Seiten, ist im Marta-Press-Verlag erschienen und kostet 18 Euro.

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Von Daniela Conrady

Ich arbeite seit über 20 Jahren als freie Journalistin und liebe es, Menschen kennenzulernen und ihre Geschichten zu erzählen. Ich bin Mutter von vier Kindern und in meiner Freizeit am liebsten mit der Familie an der Nordsee unterwegs. Außerdem koche ich leidenschaftlich gerne.

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