
Bremen pflastert ab
Ein Wettbewerb für mehr Nachhaltigkeit in der Stadt
Versiegelte Flächen speichern Wärme und verhindern das Versickern von Regenwasser. Außerdem bieten sie Pflanzen nur sehr wenig bis gar keinen Lebensraum. Die Folgen zeigen sich beispielsweise bei Starkregen in Bremen: Dann gerät die Kanalisation schnell an ihre Grenzen. Werden Pflastersteine entfernt und Flächen entsiegelt, kann der Boden wieder Wasser aufnehmen. Pflanzen haben Platz zum Wachsen, Insekten neue Lebensräume – und das direkte Umfeld profitiert von spürbar niedrigeren Temperaturen. Studien zeigen auch, dass ein grünes Wohnumfeld das Wohlbefinden der Menschen steigert und sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirkt. Im März startete daher mit „Bremen pflastert ab!“ ein Wettbewerb der besonders nachhaltigen Art, an dem sich jeder Mensch beteiligen kann.
Bremen pflastert ab: Wie Entsiegeln das Klima schützt

Was ursprünglich in den Niederlanden als spielerisches Stadtduell begann, entwickelt sich nun auch in Bremen zu einer Bewegung mit Wirkung: Unter dem Motto „Bremen pflastert ab!“ sind Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie Vereine eingeladen, versiegelte Flächen aufzubrechen und durch Grün zu ersetzen. Der Wettbewerb verbindet Klimaschutz, Stadtgestaltung und Gemeinschaftssinn – und setzt dabei auf einen einfachen, aber wirkungsvollen Ansatz.
Vom Pflasterstein zur Blühfläche: Eine Idee aus den Niederlanden
„Tegelwippen“, also das sprichwörtliche „Kippen von Pflastersteinen“, hat in den Niederlanden seit 2020 für Aufsehen gesorgt. Mehr als 14 Millionen Steine wurden dort bereits entfernt und durch Pflanzen ersetzt. Städte wie Amsterdam und Rotterdam machten daraus einen Wettbewerb – mit sichtbaren Erfolgen für Klima und Lebensqualität.
In Deutschland griff die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung Koblenz die Idee auf und startete den Wettbewerb „Abpflastern“. Bereits im ersten Jahr beteiligten sich zahlreiche Städte. In der Kategorie Großstadt zeigte sich in Frankfurt der größte Erfolg, gefolgt von Darmstadt und Hamburg. Nun tritt auch Bremen erstmals an, um in diesem Jahr zu zeigen, wie viel Potenzial in der Hansestadt steckt.
Warum Entsiegelung für Bremen so wichtig ist

Schottergärten, versiegelte Flächen wie Beton oder Asphalt heizen sich im Sommer stark auf und verhindern, dass Regenwasser versickern kann. Die Folgen sind steigende Temperaturen, überlastete Kanalisationen sowie weniger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Mehr Grünflächen wirken dem entgegen: Sie kühlen die Umgebung, speichern Wasser und verbessern dabei die Luftqualität. Gleichzeitig entstehen Orte, die das Stadtbild aufwerten und die Aufenthaltsqualität in den Quartieren erhöhen – ein Gewinn für alle Stadtteile Bremens. Laut einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft aus dem Jahr 2023 gelten in Bremen 50,4 Prozent der Flächen als versiegelt. Mit der Aktion „Bremen pflastert ab!“ soll dieser Wert verringert werden und es zeigt sich, wie aus vielen kleinen Maßnahmen etwas Großes entstehen kann. „Jeder entsiegelte Quadratmeter zählt. Wo heute noch Stein liegt, kann morgen Grün wachsen. Ich lade alle Bremerinnen und Bremer ein, mitzumachen – für eine kühlere, artenreichere und lebenswertere Stadt“, animiert Henrike Müller, die zuständige Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft zu einer Teilnahme am Wettbewerb, der noch bis zum 31. Oktober 2026 läuft.
So funktioniert „Bremen pflastert ab!“

Das Mitmachen ist unkompliziert und offen für alle: Privatpersonen, Unternehmen, Initiativen und Vereine können mitmachen. Voraussetzung ist lediglich, dass die Fläche im eigenen Besitz ist oder eine Zustimmung der Eigentümerin oder des Eigentümers vorliegt.
Der Ablauf ist einfach:
- Entsiegelte Fläche ausmessen
- Online-Formular auf www.bremen-pflastert-ab.de ausfüllen
- Vorher- und Nachher-Fotos hochladen
So wird jede Umgestaltung sichtbar und Teil einer größeren Bewegung für mehr Grün in Bremen. Der Wettbewerb setzt übrigens nicht nur auf Klimaschutz, sondern auch auf Anerkennung. Mehrere Auszeichnungen motivieren dabei zur Teilnahme:
- Goldene Spitzhacke und 600 Euro Preisgeld für die größte entsiegelte Fläche
- Goldene Gießkanne und 400 Euro Preisgeld für ein besondere Gestaltung
- Grüner Roland als Wanderpokal für den engagiertesten Stadtteil Bremens
Gemeinschaft stärken, Zukunft gestalten
Jede entsiegelte Fläche trägt dazu bei, die Stadt lebenswerter zu machen – und stärkt gleichzeitig das Miteinander in den Quartieren. Gerade in einer Stadt wie Bremen, in der Nachbarschaft und Engagement eine wichtige Rolle spielen, bietet der Wettbewerb die Chance, gemeinsam etwas zu bewegen. So entsteht Schritt für Schritt mehr Raum für Natur, Begegnung und eine nachhaltige Zukunft.
Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Nachhaltigkeit“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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