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Zahlreiche Kinder sind unter einem riesigen Baum versammelt
KETAAKETI

Die Initiative KETAAKETI präsentiert ihre Arbeit in den Stadtteilfilialen Neustadt und Horn-Lehe

Fotoausstellung „Selbstbestimmte Wege aus der Armut – weltweit“

Ab dem 27. Mai 2024 gastiert die Fotoausstellung „Selbstbestimmte Wege aus der Armut – weltweit“ für vier Wochen in der Stadtteilfiliale Neustadt. Sie bietet Einblicke in die Arbeit der Bremer Initiative KETAAKETI, die mit ihrem Mikrofinanzierungsmodell nachhaltige Wege zur Armutsbekämpfung aufzeigt. Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Vortrag am Donnerstag, 6. Juni um 18.30 Uhr. Eine weitere Ausstellung ist im September in der Stadtteilfiliale Horn-Lehe geplant.

Die Arbeit von KETAAKETI

Eine Gruppe Frauen und Kinder mit Ziegen gehen über eine Bergstraße
Eine Mikrofinanzierung kann das Leben einer Familie nachhaltig verändern. KETAAKETI

Die gemeinnützige Organisation verfolgt einen innovativen Ansatz zur nachhaltigen Armutsbekämpfung in Ländern des globalen Südens. Der Name KETAAKETI, der in der nepalesischen Sprache „Kinder“ bedeutet, spiegelt das zentrale Anliegen der Organisation wider: jungen Menschen und ihren Familien durch Bildung und wirtschaftliche Stärkung eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Anneli-Sofia Räcker gründete die Organisation im Jahr 2007. Ihr Ziel war es, eine neue Form der Entwicklungszusammenarbeit zu schaffen, die nicht auf Almosen, sondern auf Partnerschaft und Selbstbestimmung basiert. Statt des traditionellen Geber-Nehmer-Denkens setzt KETAAKETI auf das Prinzip „Sharity“: die Selbstverständlichkeit des Teilens. Dies bedeutet, dass lokale Partnerorganisationen autonom und eigenverantwortlich arbeiten, unterstützt durch das zinsfreie Mikrofinanzierungsmodell der Initiative.

Mikrofinanzierung als Starthilfe für finanzielle Sicherheit und Bildung

Mädchen liest aus einem Buch, dahinter sitzen weitere Kinder
Die Bildung von Kindern ist eines der großen Ziele der Initiative. KETAAKETI

Die Mikrofinanzierung bietet ärmsten Familien einen Existenzanschub in Form von zinsfreien Kleinstkrediten von 100 Euro. Partnerorganisationen verwalten diese in Eigenregie. Nach Rückzahlung kommt die Summe dann der nächsten Familie zugute. Die Empfängerinnen und Empfänger nutzen das Geld, um kleine Unternehmen aufzubauen, von denen die gesamte Familie profitiert. Die Kinder können so beispielsweise regelmäßig die Schule besuchen.

Durch die enge Zusammenarbeit mit 15 landeseigenen Nichtregierungsorganisationen in 12 Ländern wie Nepal, Sierra Leone, Burundi und Madagaskar schafft KETAAKETI damit eine nachhaltige Entwicklung. Seit der Gründung der Initiative konnten mehr als 7.500 Familien durch zinsfreie Mikrofinanzierungen eine eigene Existenz gründen, während über 22.000 Kinder Zugang zu Bildung erhielten.


Termine: Ausstellungen und Vortrag

Eine Gurppe von Frauen und Kindern in traditioneller Kleidung lächelt in die Kamera
Die Ausstellung zeigt Fotografien der Arbeit der Organisation vor Ort. KETAAKETI

Vom 27. Mai bis 21. Juni 2024 zeigt die Stadtteilfiliale Neustadt die Fotoausstellung „Selbstbestimmte Wege aus der Armut – weltweit“. Die Schau präsentiert Fotografien, die das Engagement der Organisation in Ländern wie Nepal und Sierra Leone dokumentieren. Sie geben Einblicke in die vielfältige Arbeit der NGOs vor Ort und illustrieren, wie das Mikrofinanzierungsmodell von KETAAKETI Familien und Kindern neue Perspektiven eröffnet, indem es traditionelle Geber-Nehmer-Strukturen durch aktive Selbstbestimmung ersetzt.

Begleitet wird die Ausstellung durch den Vortrag „Wie ärmste Länder sich selbst entwickeln“ am Donnerstag, 6. Juni, um 18.30 Uhr. Anneli-Sofia Räcker, erste Vorsitzende und Gründerin der Organisation, erläutert dann in ihrem Vortrag, wie nachhaltige Entwicklung im globalen Süden auf Augenhöhe mit lokalen Partnerorganisationen gelingen kann. Vom 2. bis 27. September 2024 folgt eine weitere Ausstellung in der Stadtteilfiliale Horn-Lehe.


Interview mit Anneli-Sofia Räcker

Ohne großes Engagement wäre die Arbeit von KETAAKETI nicht möglich. Alle Mitarbeitenden der Initiative arbeiten beispielsweise ehrenamtlich, sodass jede Spende vollständig den Projekten zugutekommt. Diese Transparenz und Effizienz wurde 2008 mit dem Nachhaltigkeitspreis der UNESCO und zahlreichen weiteren Auszeichnungen gewürdigt. Gründerin Anneli-Sofia Räcker erhielt 2019 für ihre Verdienste das Bundesverdienstkreuz. Im Gespräch mit SPOT verrät sie, was sie bis heute motiviert.


Was war Ihre Motivation für die Gründung von KETAAKETI – und warum engagieren Sie sich bis heute so leidenschaftlich für die Organisation?

Anneli Sofie Räcker, Gründerin von KETAAKETI
Anneli-Sofia Räcker ist die Initiatorin und erste Vorsitzende von KETAAKETI. KETAAKETI

Anneli-Sofia Räcker: Es gibt eigentlich zwei Motivationen. Die erste kommt aus meiner Biografie: Mein Vater ist in einem Indio-Dorf in Kolumbien aufgewachsen. Dadurch erfuhr ich ganz früh sehr hohen Respekt und Wertschätzung auch für wirtschaftlich ärmste Menschen, ihre Kultur und ihr traditionelles Wissen. Die zweite Motivation, die den Ausschlag für die Gründung von KETAAKETI gab, war meine Begegnung in 2006 mit unserem NGO-Leiter Rajesh Regmi. Durch ihn wurde mir die Bedeutung der Eigeninitiative für Unterprivilegierte im eigenen Land, also in diesem Fall Nepal, noch deutlicher. Er setzt sich dort für die Bildung von Slumkindern und das Heranwachsen kultureller Identität dieser Kinder ein. Dies ist sehr wichtig für die Zukunft vor allem der Mädchen im Slum.

Ich setze mich bis heute voller Leidenschaft für KETAAKETI ein, weil nur ein generelles Umdenken weg vom Geber-Nehmer-Denken in Richtung globaler Gesamtverantwortung für wirklich alle etwas verändern kann. Diese Haltung ist meines Erachtens für das Überleben aller Menschen und für ein friedvolles und respektvolles Miteinander in der Welt unbedingt nötig.


„Ich treffe Frauen, die zunächst einfach nur um Geld bitten – dann aber lernen, dass ihr eigenes Engagement gefragt ist.“


Welche Erfahrungen und Erinnerungen, die Sie bei Ihrer Arbeit vor Ort gesammelt haben, sind Ihnen besonders nachhaltig im Gedächtnis geblieben?

Ein junger Mann und eine junge Frau sitzen an einer Nähmaschine
Viele Menschen bauen sich auf Grundlage eigener Ideen und der Unterstützung durch KETAAKETI eine lebenswerte Zukunft auf. KETAAKETI

Das war zum einen die Begegnung mit der kleinen Shermila in Nepal, die bettelte, um sich ein Wörterbuch kaufen zu können. Natürlich ging ich mit ihr dieses Wörterbuch kaufen und erfuhr dabei, wie wenig in Nepal Bildung kostet – nach westlichen Maßstäben.

Eine weitere einschneidende Erfahrung ist für mich das Erdbeben in Nepal. Dort fiel auf, dass auch viele große Organisationen an ihre Grenzen kamen, weil beispielsweise die Hilfe für Verschüttete in sehr abgelegenen Dörfern dann doch in den Händen der Menschen vor Ort liegen musste.

Weiterhin sind dies die wiederkehrenden Diskussionen mit wirtschaftlich ärmsten Frauen, die zunächst einfach nur um Geld bitten – dann aber lernen, dass ihr eigenes Engagement gefragt ist. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie diese Frauen plötzlich aufspringen und erkennen, dass sie auf Grundlage eigener Initiative und Ideen wertvolle Unterstützung durch KETAAKETI zum Aufbau einer lebenswerten Zukunft erhalten, die nachhaltig wirkt.


„Wir sind ja Gewinner!“


Was war für Sie persönlich das schönste Erfolgserlebnis, das Sie im Rahmen Ihrer Arbeit bei KETAAKETI erlebt haben?

Wir waren erst kürzlich in Guinea und trafen dort auf junge Männer, die ihre Flucht nach Europa nicht geschafft hatten und sich selbst frustriert als Verlierer bezeichneten. Nach einiger Zeit der Diskussion mit uns merkten sie, welche wichtigen Kompetenzen sie die Flucht überleben ließen – und wie wichtig diese Kompetenzen für Jungunternehmer sind. Sie schrien freudig auf: „Wir sind ja Gewinner!“ Sie erkannten für sich, dass sie gar nicht diesen Weg nach Europa machen müssen, sondern sich nun vielmehr in Guinea eine lebenswerte Heimat aufbauen wollen. Und dazu bietet das Mikrofinanzierungsmodell von KETAAKETI eine sehr gute Chance.

Ein weiterer schöner Erfolg ist ein Gespräch mit Yembeh, dem Leiter unserer Partner-NGO in Sierra Leone. Der sagte einmal zu mir: „Anneli, du gibst mir die Kraft für all diese harte Arbeit in Sierra Leone!“

Mehr Infos über die Arbeit der Initiative und die Ausstellung gibt es unter www.ketaaketi.de.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Vereine in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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Autorenbild Alena Mumme

Von Alena Mumme

Ich bin Tagenbaren – meine Eltern und Großeltern sind also wie ich in Bremen geboren und aufgewachsen. Nur spannende Reisen locken mich aus meiner gemütlichen Heimatstadt.

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