
Nachtcafé: Anlaufstelle bei Krisen in der Nacht
Hilfe, Gespräche und Gemeinschaft in den Abendstunden
Wer kennt nicht das Gedankenkarussell, das sich so manchen Abend vor dem Einschlafen anfängt, zu drehen? Manche können es stoppen, andere leider nicht – zumindest nicht ohne Hilfe. Menschen mit einer psychischen Vorerkrankung kommen aus solch einer Situation oft schwer eigenständig wieder heraus. Im Bremer Nachtcafé finden sie zwischen 20 und 1 Uhr Ablenkung, Ansprache und Rat.
Akute Krise?
Wer sich nachts in einer akuten seelischen Krise befindet, kann sich an das Krisentelefon der Bremer Werkgemeinschaft wenden. Die nächtliche Telefonberatung ist täglich von 22 bis 6 Uhr unter 0421/957 00 310 erreichbar. Der Anruf ist kostenlos und kann anonym erfolgen. In akuten Krisen oder bei Suizidgedanken ist außerdem die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111 erreichbar.
Zur TelefonseelsorgeDie Botschaft lautet: Du bist nicht allein
Für Menschen mit einer psychischen Erkrankung ist das Nachtcafé in der Helgolander Straße 73 ein Anlaufpunkt am Abend und in der Nacht. „Krisen kommen meist zu späterer Stunde“, weiß Andreas Schäfer-Hockmann, Sozialpädagoge und Projektleiter des Nachtcafés. „15 bis 25 Betroffene kommen pro Abend zu uns.“ Sie finden hier einen geschützten Raum und Gesellschaft. Auf Wunsch stehen die Mitarbeitenden auch für individuelle Gespräche zur Verfügung.
Einladend, hell und freundlich
Das Nachtcafé ist ein heller und einladend wirkender Ort in der Dunkelheit. „Alle sind bei uns herzlich willkommen“, sagt der Projektleiter. Wenn die Mitarbeitenden merken, dass jemand unentschlossen ist oder tief in einer Krise steckt, gehen sie offen auf ihn zu. „Wir sprechen die Menschen an und holen sie ab“, erklärt Andreas Schäfer-Hockmann.
Krisen sind so individuell wie die Menschen
Ankommen, selbst entscheiden, was einem guttut – das können die Nutzerinnen und Nutzer des Nachtcafés. „Wer zunächst alleine an einem Tisch sitzen möchte, kann dies tun. Wer reden möchte, setzt sich dazu. Wir kommen ins Gespräch und bringen Menschen zusammen“, beschreibt der Sozialpädagoge die Arbeit. Für Andreas Schäfer-Hockmann ist dies mehr als ein Job, es ist ihm eine Herzensangelegenheit, Menschen zu helfen. Er wie auch sein Team begegnen allen auf Augenhöhe. Es gehe schließlich darum, herauszufinden, was der oder die Betroffene gerade braucht. So sollen Krisen und eine Aufnahme in der Nacht verhindert sowie Angebote für den nächsten Tag vermittelt werden.

Gemeinsam stark sein
Zusammen Gesellschaftsspiele zu spielen oder bei einem Kaffee mit anderen Menschen zu reden – das hilft vielen Betroffenen dabei, die heiklen Abendstunden zu überbrücken. Steckt jemand bereits tiefer in einer Krise, ist einer der Mitarbeitenden für individuelle Gespräche bereit. „Auf Wunsch ziehen wir uns in einen der hinteren Räume zurück. Dort kann man ganz in Ruhe und ohne Hemmungen sprechen“, so der Sozialpädagoge. Er leitet das Nachtcafé seit der ersten Stunde – inzwischen mit einem siebenköpfigen Projektteam der Bremer Werkgemeinschaft GmbH.
Empathie und Einfühlungsvermögen
Erlebt jemand eine Panikattacke, begleiten die Mitarbeitenden den oder die Betroffene einfühlsam durch diese Phase. „Angst und Herzrasen fühlen sich bedrohlich an. Dann lässt ein Spaziergang an der frischen Luft die Stresshormone sinken. Wir sprechen darüber, was im Körper bei solch einer Panikattacke passiert und dass keine körperliche Gefahr besteht. Reden und Bewegung helfen“, weiß Andreas Schäfer-Hockmann aus Erfahrung.
Selbstbestimmt leben
„Psychische Erkrankungen haben in den letzten Jahren durch steigenden Leistungsdruck und die Pandemie deutlich zugenommen“, so der Sozialpädagoge. Um so wichtiger sind die Angebote wie das Nachtcafé und das Krisentelefon, das in der zweiten Nachthälfte von der Bremer Werkgemeinschaft besetzt wird, für die betroffenen Menschen. Sie unterstützen dabei, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Andreas Schäfer-Hockmann ist glücklich, dass er in den vergangenen zehn Jahren viele Menschen auf dem Weg zurück in den Alltag begleiten durfte, und freut sich sehr über alle individuellen Erfolge.
Autorin: Daniela Conrady
Das Nachtcafé ist von Dienstag bis Sonntag (Montag geschlossen, außer an Feiertagen) in der Zeit von 20 bis 1 Uhr geöffnet. Snacks und Getränke sind zum Selbstkostenpreis erhältlich. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Nachtcafés.
Wer sich nachts in einer akuten seelischen Krise befindet, kann sich an das Krisentelefon der Bremer Werkgemeinschaft wenden. Die nächtliche Telefonberatung ist täglich von 22 bis 6 Uhr unter 0421/957 00 310 erreichbar. Der Anruf ist kostenlos und kann anonym erfolgen. In akuten Krisen oder bei Suizidgedanken ist außerdem die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111 erreichbar.

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