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Blockland Gartelmann Interview
Tjark Worthmann

Interview mit Ortsamtsleiter Gerd Gartelmann aus dem Blockland

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„Ich bin ein Typ, den es wurmt, wenn es nicht vorangeht“

Gerd Gartelmann ist seit 2019 ehrenamtlicher Ortsamtsleiter im Blockland. Er empfängt uns zum Interview direkt auf seinem Hof mit Blick in die grünen Wiesen, den angrenzenden kleinen See und die großen landwirtschaftlichen Anlagen der Familie. Im Gespräch berichtet der engagierte Bürger von aktuellen Themen aus dem flächenmäßig größten Stadtteil Bremens.


Warum sind Sie eigentlich Ortsamtsleiter im Blockland geworden?

Gartelmann Blockland
Gerd Gartelmann ist seit 2019 ehrenamtlicher Ortsamtsleiter im Bremer Blockland. Tjark Worthmann

Gerd Gartelmann: Das war komplett freiwillig, und natürlich wollte ich es auch ein bisschen. Ich war schon einmal im Beirat und auch Beiratssprecher. Ich bin ein Typ, den es wurmt, wenn es nicht vorangeht. Bei der Wahl hatte ich eine breite Unterstützung im Beirat. Ich möchte dieses Amt in einem positiven Sinne weiterführen, wie es meine Vorgänger getan haben.

Die Aufgabe ist als Ehrenamt ausgelegt …

Gerd Gartelmann: Das ist richtig. Es ist eine ehrenamtliche Tätigkeit mit Vergütung von der Senatskanzlei. Neben Borgfeld, Seehausen und Strom ist das Blockland der vierte Stadtteil mit ehrenamtlichem Ortsamt. Meinen Arbeitsaufwand würde ich pro Woche auf bis zu acht Stunden schätzen. Wegen des Geldes sollte man die Aufgabe aber nicht angehen, das lohnt sich nicht.

Für wie viele Menschen sind Sie Ansprechpartner?

Gerd Gartelmann: Im Blockland wohnen ungefähr 400 Menschen, und wir sind flächenmäßig mit 3000 Hektar der größte Stadtteil Bremens. Eigentlich sind wir aber ein 15 Kilometer langes Dorf am Wümmedeich. Bis auf ein paar Zugezogene kenne ich hier fast jeden. Meine bevorzugte Kontaktaufnahme ist per Handy. Die Jüngeren schreiben mir auch gern einfach eine WhatsApp-Nachricht. Unser Ortsamt hat keine direkten Öffnungszeiten, da ich viel vor Ort unterwegs und auch im Deichverband und der Feuerwehr engagiert bin. Ich bin also im Dorf sehr gut vernetzt.

Aber regelmäßige Sitzungen finden statt?

Blockland Straße
Das Blockland ist einer der grünsten Stadteile der Hansestadt Bremen. Tjark Worthmann

Gerd Gartelmann: Nicht unbedingt. Je nach Bedarf setzen wir uns zusammen, und wenn etwas keinen Aufschub duldet, kann das auch sehr schnell gehen. Leider fehlt es uns noch an einer eigenen Website. Aber da bin ich gerade dran, das zu ändern.

Welche aktuellen Themen beschäftigen die Menschen im Blockland?

Gerd Gartelmann: Da ist zum einen der Ausbau der Breitbandverbindungen. Inzwischen sind im gesamten Blockland Glasfaserkästen installiert, und Leitungen aus Kupferkabel bringen das bis zu 50 Megabit schnelle Internet direkt in die Haushalte. Leider ist der Prozess noch nicht ganz abgeschlossen – die Kabel liegen zwar alle, aber es fehlt noch an den Zuleitungen. Mir wurde von den Verantwortlichen der Telekom versprochen, dass bis Weihnachten alles abgeschlossen ist.


„Den persönlichen Austausch halte ich für sehr wichtig.“


Wie steht es um das Deichschein-Thema für die Befahrung der Straße im Blockland?

Gerd Gartelmann: Für eine Befahrung der Deichstraße muss jeder Besucher beziehungsweise Besucherin bislang immer einen Deichschein beantragen, der dann für drei Jahre gilt. Das Verfahren ist aber relativ kompliziert und mit viel Bürokratie verbunden. Wir wollen, dass auf der Straße durch das Blockland zukünftig gilt: Anlieger frei. Das hat aber die Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Bündnis 90/Die Grünen) kassiert. Wir möchten gern eine pragmatische Lösung. Im September gibt es dazu weitere Gespräche mit dem Amt für Straßen und Verkehr. Wir glauben, dass es durch die Öffnung für Anliegerinnen und Anlieger nicht zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen kommt. Es ist nämlich wahrlich kein Geschenk, am Samstag oder Sonntag hier mit dem Auto unterwegs zu sein. Es ist sogar eine heillose Katastrophe. Bei fast jedem Unfall auf dem Deich sind laut meinen Recherchen übrigens Rennradfahrende beteiligt.

Die rasanten Freizeitsportlerinnen und -sportler sind für die Anwohnenden schon länger ein Problem?

Blockland Schleuse
Die Schleuse Kuhsiel im Blockland dürfte vielen Menschen von Fahrradtouren durchs Grüne bekannt vorkommen. Tjark Worthmann

Gerd Gartelmann: Ja. Es gibt leider ein paar, die benehmen sich echt daneben. Die beschimpfen und bespucken hier wohnende Leute und halten dazu noch in keiner Gastronomie an. Wir appellieren da seit Jahren auf Rücksichtnahme. Mehr bleibt uns derzeit leider nicht übrig. Es wurden auch schon gesetzliche Möglichkeiten geprüft, die sich aber als schwierig gestalten.

Wie ist eigentlich das Leben mit der Wümme?

Gerd Gartelmann: Der große Tidenhub, der mutmaßlich durch die Weservertiefung verursacht wird, macht uns zu schaffen. Das Sperrwerk an der Lesum in Vegesack sollte zukünftig technische Möglichkeiten bieten, die Wassermassen besser zu steuern. Viele Uferbereiche aus meiner Jugend sind hier bereits weggespült. Außerdem verursacht das Niedrigwasser eine Grundwasserabsenkung. Dadurch sacken viele Häuser ab, wodurch Fliesen reißen oder der Putz bröckelt. Da brauchen wir gute und durchdachte Lösungsansätze.

Was macht Ihnen an Ihrer Aufgabe am meisten Spaß?

Gerd Gartelmann: Ich freue mich immer sehr über das große ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger im Heimatverein, bei der Feuerwehr und bei Festen wie der Oldtimerpartie, die 2022 am 11. September stattfindet. Außerdem sind die Gespräche auf Geburtstagen und bei Jubiläen für mich immer sehr schöne Erlebnisse. Ich möchte auch zukünftig dafür sorgen, dass unser Dorf so lebendig wie bisher bleibt – dafür müssen wir etwa die Bausubstanz in den alten Gebäuden erhalten. Ich sehe da auch die Stadtverwaltung in der Pflicht, sich um Fördermittel zu bemühen.

Weitere Infos über das Ortsamt Blockland und die Arbeit erfahren Interessierte auf der Seite des Ortsamtes. Mehr über das Blockland gibt es auf dieser Seite.

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Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Ich fahre am liebsten mit der Vespa oder der Schwalbe durch unsere schöne Hansestadt und entdecke dabei immer wieder geheime Wege und versteckte Orte.

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