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Erfolgsprojekt: Kinder- und Jugendfarm Habenhausen

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Eine kleine Oase in der Stadt

Die Kinder- und Jugendfarm ist aus dem Stadtteil Obervieland nicht mehr wegzudenken. Bereits seit fast 25 Jahren existiert dieses Erfolgsprojekt in der Ohserstraße. Am 16. Juni feiert die Einrichtung ein großes Sommerfest. Wir haben uns vorab schon einmal umgesehen und die mehr als hunderttausend Tiere besucht.

Foto: Tjark Worthmann

Die Hühner picken leise im Sand nach den restlichen Körnern vom Mittagessen, durch die offenstehende Tür der Werkstatt hört man rhythmische Hammerschläge auf Metall. Nach dem Betreten der Kinder- und Jugendfarm Habenhausen vergessen Besucher innerhalb weniger Sekunden die Stadt, Straße und Lärm.

Susanne Molis und Markus Oldenburg sind um ihren Arbeitsplatz wirklich zu beneiden: Zusammen mit knapp 20 weiteren Menschen sorgen die Leiterin der Einrichtung und der Pädagogische Leiter dafür, dass Kinder und Jugendliche aus Bremen und umzu hier einen spannenden Erlebnisraum vorfinden und Tiere, Pflanzen sowie Umwelt hautnah erleben können.

Auf dem Weg zum Schweinestall laufen uns plötzlich Judith und Jonas über den Weg. Die beiden dicken braun-grauen Enten sind mit ihren knapp 30 Jahren bereits steinalt, fast blind – und von der Farm nicht mehr wegzudenken. „Die Kinder lernen bei uns, dass ein Tier weich ist und dass ein Ei von einem Huhn warm herauskommt“, erzählt die Leiterin. „Ebenso erleben sie Krankheit und Tod bei den Tieren und machen damit wichtige Erfahrungen“, so Molis.

 

Knapp 3000 Kinder aus Schulen und Kindergärten besuchen jährlich das 30.000 Quadratmeter große Gelände, auf dem neben einer Werkstatt auch eine Reithalle, mehrere Ställe, ein großer Bürotrakt und weitere kleine Häuser stehen. „Außerdem kommen viele Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit mit ihren Eltern in die Ohserstraße“, sagt Markus Oldenburg. „Es dürfen ausdrücklich auch die Eltern mitkommen“, unterstreicht Molis. „Sie können bei uns ebenfalls Kontakte knüpfen und Erfahrungen mit der Natur und den Tieren machen – das ist uns ganz wichtig.“ Oldenburg fügt noch hinzu, dass die Kindergeburtstage sehr beliebt seien. Für eine Ausrichtung der Feierlichkeiten auf der Farm ist im Vorfeld aber eine Anmeldung nötig.

Auf dem Hof sitzen und reiten einige Kinder gerade auf Ponys vorbei. „Das ist unser Spielkreis“, erklärt Molis. „Dieser ist dreimal pro Woche vor Ort, und die teilnehmenden Kinder sind zu 99 Prozent an der frischen Luft“. Viele von ihnen bilden auch den Nachwuchs für den hauseigenen Farm-Kindergarten mit derzeit 27 Kindern.

Mehr als 400 Mitglieder und die Jugendförderung der Stadt Bremen sorgen für die finanzielle Absicherung der Farm am jetzigen Standort. „Wir freuen uns natürlich über Spenden in jeglicher Form“, erklärt Molis, als wir vom Kindergarten kommend durch eine Obstbaumallee laufen. Derzeit sei eine Schmiedewerkstatt in Planung, und „wir brauchen noch einen Amboss und eine Schmiedeesse“, berichtet Oldenburg.

 

„Wir ernten und verarbeiten 15 verschiedene Sorten Äpfel, Birnen und Kirschen“, greift die Leiterin dann das Umfeld auf, in dem wir gerade spazieren gehen. Besonders stolz sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf eine Apfelsorte aus dem 17. Jahrhundert. „Die Kinder können bei uns in Eigenverantwortung helfen und sich somit mit dem Landleben vertraut machen“, sagt Molis, die selbst bereits 1984 das erste Mal auf dem Gelände in Habenhausen war. Damals noch als Mutter zweier Kinder engagierte sie sich fortan als Ehrenamtliche auf der im selben Jahr gegründeten Farm, die durch eine Initiative der Hochschule für Sozialwesen ins Leben gerufen wurde.

„Wir möchten eine kleine Oase in der Stadt sein“, berichtet Molis über die Philosophie hinter der Farm. „Wir wollen, dass sich die Kinder bei uns bewegen, Dinge entdecken und Tiere kennenlernen.“ Knapp 100 von ihnen bietet die Farm derzeit ein Zuhause. Und seit einiger Zeit ist auf dem Gelände auch ein eigener Bienenstock beheimatet. „Dort wohnen nochmal 100.000 Lebewesen, um die sich unsere Imkerin kümmert“, erzählt Molis verschmitzt und erklärt, dass der zu erwerbende Honig sehr lecker schmeckt. „Der Kran zum Heben der Bienenstöcke wurde übrigens von der Sparkasse Bremen gesponsert“, merkt sie an.

Die Leiterin würde sich freuen, wenn zukünftig die Zusammenarbeit mit den Ganztagsschulen noch besser funktionieren würde. „Kinder lernen durch das Spielen, und deshalb hat unsere Einrichtung viel mit Bildung zu tun“, begründet sie. Markus Oldenburg möchte zudem „auch die Erwachsenen für die Natur und die Tiere auf der Farm begeistern“.

Am Sonntag, 16. Juni, findet von 11 bis 17 Uhr das 9. Sommerfest auf der Kinder- und Jugendfarm in der Ohserstraße statt. Unterstützt wird das bunte Programm des Familienfestes von der Aktion Hilfe für Kinder und der Sparkasse Bremen. Mit dem Eintritt von 3 Euro pro Person oder 10 Euro für Familien sind alle Aktionen abgedeckt. Neben Kinderschminken, Riesendart, Großbaustelle, Hula-Hoop und Bogenschießen stehen weitere Attraktionen wie Bungeetrampolin, Treckerfahren, eine Gartenführung und vieles mehr auf dem Programm. Auf der Bühne gibt es Mitmachmusik von Florian Müller. Gegen 16 Uhr bildet Magie von Zauberer Friedrich den stimmungsvollen Abschluss des Tages. Der Gesamterlös der Veranstaltung wird in den Erhalt der Kinder- und Jugendfarm und die dortigen pädagogischen Angebote investiert.

Weitere Infos zur Kinder- und Jugendfarm finden sich hier.

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Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Ich fahre am liebsten mit der Vespa oder der Schwalbe durch unsere schöne Hansestadt und entdecke dabei immer wieder geheime Wege und versteckte Orte.

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