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Alpenverein Bremen Kletterzentrum Bremen
Tjark Worthmann

Alpenverein Bremen betreibt Erfolgsprojekt Kletterzentrum

Sektion Bremen ist Anlaufstelle rund um das Thema Bergsport und Klettern

Wo heute mehr als 200 Routen in die Höhe führen, war vor gut zehn Jahren noch eine blanke Wiese. Das Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Bremen, ist längst zu einer festen Größe in der Stadt geworden. Mit inzwischen rund 6.000 Mitgliedern zählt die Sektion zu den größten Sportvereinen Bremens.

Gegründet wurde die Bremer Sektion im Jahr 1886. 2026 feiert sie also ihr 140-jähriges Bestehen. Der Deutsche Alpenverein selbst entstand vor rund 155 Jahren als deutsch-österreichischer Zusammenschluss und ist heute mit 1,6 Millionen Mitgliedern einer der größten Sport- und Naturschutzverbände Europas. Unter seinem Dach arbeiten rund 350 eigenständige Sektionen – eine davon in Bremen.

Ursprünglich lag der Schwerpunkt des Alpenvereins auf der Pflege und dem Betrieb von Berghütten. Die Bremer Sektion betreibt bis heute eine eigene Bremer Hütte in den Alpen im Gschnitztal. Seit den 1990er-Jahren begannen viele Sektionen zusätzlich mit dem Bau von Kletterhallen – so auch in Bremen. Sieben Jahre dauerte die Planung, bis das Kletterzentrum im Dezember 2015 eröffnet werden konnte. Im Gespräch berichten Dieter Mörk als erster Vorsitzender der Alpenverein Sektion Bremen und Betriebsleiter Jonas Loss über Tradition, Ehrenamt, Sicherheit – und darüber, warum Klettern weit mehr ist als reiner Kraftsport.

Seit wann genau es die Sektion Bremen des Deutschen Alpenvereins?

Deutscher Alpenverein Kletterzentrum
Dieter Mörk (links) und Jonas Loss im Interview über den Deutschen Alpenverein Sektion Bremen und das Kletterzentrum an der Universität Bremen. Tjark Worthmann

Dieter Mörk: Die Bremer Sektion wurde 1886 gegründet und feiert in diesem Jahr ihr 140-jähriges Bestehen. Damit gehört sie zu den ältesten Sportvereinen der Stadt. Der Deutsche Alpenverein selbst entstand vor rund 155 Jahren als deutsch-österreichischer Zusammenschluss und ist heute mit 1,6 Millionen Mitgliedern einer der größten Sport- und Naturschutzverbände Europas. Bundesweit gibt es rund 350 eigenständige Sektionen – Bremen ist eine davon.

Was war ursprünglich die Aufgabe des Alpenvereins?

Dieter Mörk: Zu Beginn stand vor allem die Erschließung und Unterhaltung von Berghütten im Mittelpunkt. Auch die Bremer Sektion betreibt bis heute eine eigene Hütte in den Stubaier Alpen. Erst seit den 1990er-Jahren begannen viele Sektionen, zusätzlich Kletterhallen zu bauen – sofern genügend Ehrenamtliche und finanzielle Mittel vorhanden waren.

Was befand sich hier, bevor das Kletterzentrum in der Nähe der Universität Bremen gebaut wurde?

Dieter Mörk: Auf dem Grundstück war zuvor eine leere Wiese. Die Fläche wurde von der Wirtschaftsförderung zur Verfügung gestellt. Vor der Halleneröffnung betreute die Sektion eine kleinere Kletterwand in Kooperation mit einem Bremer Sportverein – die allerdings nicht mehr dem heutigen Standard entsprach.

Wie aufwendig war der Bau?

Jonas Loss: Sieben Jahre dauerte die Planungsphase. Für einen Verein ist ein solches Projekt eine enorme finanzielle und organisatorische Herausforderung. Der ehrenamtliche Vorstand trägt letztlich die Verantwortung – auch für Investitionen in Millionenhöhe. Gerade in Krisenzeiten wie während der Corona-Pandemie wurde deutlich, wie groß das Risiko sein kann.

Dieter Mörk: Das Kletterzentrum ist ein sogenannter Zweckbetrieb. Es dient den Vereinsmitgliedern, steht aber auch allen Nichtmitgliedern offen. Mitglieder profitieren von günstigeren Konditionen. Grundsätzlich finanziert sich die Halle selbst über Eintritte, Kurse und Abonnements.


„Ohne Ehrenamt würde der Verein nicht funktionieren.“


Wie viele Menschen nutzen die Halle?

Deutscher Alpenverein
Das Kletterzentrum ist Haupttreffpunkt für alle Menschen rund um die Sektion Bremen des Deutschen Alpenvereins. Tjark Worthmann

Jonas Loss: An einem durchschnittlichen Tag kommen deutlich über 100 Kletternde – von Schulklassen am Vormittag über Jugendgruppen am Nachmittag bis zum Feierabendpublikum am Abend. Insgesamt gibt es über 200 Routen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Es ist für alle etwas dabei. Neben rund sieben bis acht festangestellten Mitarbeitenden unterstützen zahlreiche Minijobberinnen und Minijobber im Theken- und Kursbereich. Hinzu kommen etwa 160 Ehrenamtliche, die Wandergruppen, Mountainbike-Angebote, Trainingsgruppen oder Veranstaltungen organisieren. Ohne Ehrenamt würde der Verein nicht funktionieren.

Dieter Mörk: Klettern spricht den gesamten Körper an – und ebenso den Kopf. Jede Route muss „gelesen“ werden: Wo ist der nächste Griff, wie dreht sich der Körper, welche Technik ist sinnvoll? Gleichzeitig ist es ein Partnersport. Gesichert wird immer zu zweit.

Jonas Loss: Viele erleben das Klettern als Möglichkeit, vollkommen im Moment zu sein. In 14 Metern Höhe rückt der Alltag in den Hintergrund. Konzentration und Vertrauen stehen im Mittelpunkt.

Ab welchem Alter ist Klettern eigentlich möglich?

Jonas Loss: Theoretisch ist Klettern in jedem Alter möglich. Es gibt spezielle Gurte sogar für Kleinkinder. Betreute Kurse bietet die Sektion ab acht Jahren an. Ab 14 Jahren kann die Halle nach erfolgreichem Sicherungskurs selbstständig genutzt werden.

Dieter Mörk: Auch im höheren Alter bleibt der Sport attraktiv: In den Ü50-Gruppen klettern regelmäßig Teilnehmende bis ins hohe Alter – oft mehrmals pro Woche. Klettern gilt als gelenkschonend und vielseitig.

Wie fängt man am Besten mit dem Klettern an?

Jonas Loss: Um mit dem Klettern anzufangen, empfiehlt es sich, zunächst einmal das Kletterzentrum zu besuchen und sich die Halle anzusehen. Ein erster Schritt könnte ein Schnupperkurs sein, bei dem man in einer kleinen Gruppe von maximal sechs Personen unter Anleitung klettern kann. Dieser Kurs dauert etwa zwei Stunden und bietet die Gelegenheit, das Klettern in einem sicheren Umfeld auszuprobieren und herauszufinden, ob dieser Sport einem gefällt. Wer sich sicher ist, kann direkt einen Einstiegskurs buchen, der in der Regel zwei Abende umfasst und einem die grundlegenden Kletter- und Sicherungstechniken beibringt. Nach dem Kurs kann man die Halle dann selbstständig nutzen und sich für Tageseintritte oder ein Abo anmelden.

Dieter Mörk: Ein weiterer Vorteil ist, dass das Klettern sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen geeignet ist, da regelmäßig Klettertreffs stattfinden, bei denen man andere Kletterbegeisterte treffen und gemeinsam klettern kann.


„Klettern gilt als sehr sichere Sportart.“


Wie sicher ist Klettern in der Halle?

Jonas Loss: Klettern gilt als sehr sichere Sportart – vorausgesetzt, die Sicherungstechnik wird korrekt angewendet. Wer selbstständig klettern möchte, muss einen Kurs absolvieren oder bestätigen, dass die nötigen Kenntnisse vorhanden sind. Das Personal behält den Überblick und greift ein, wenn Unsicherheiten sichtbar werden.

Gibt es ein offizielles „Kletterabzeichen“ wie zum Beispiel Der Alpenvereinbeim Tauchen?

Deutscher Alpenverein
Der gemütliche Aufenthaltsbereich im Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins. Tjark Worthmann

Dieter Mörk: Es gibt entsprechende Scheine. Dennoch basiert der Hallenbetrieb vor allem auf Eigenverantwortung und Kontrolle vor Ort. Sicherheit steht an erster Stelle – riskante Alleingänge wie das sogenannte Free Solo-Klettern entsprechen nicht dem Selbstverständnis des Alpenvereins.

Welche Veranstaltungen stehen in diesem Jahr an?

Jonas Loss: Am 21. Juni findet das Sommerfest der Sektion statt – mit Flohmarkt, Informationsständen und Mitmachangeboten. Am 3. Oktober richtet das Kletterzentrum die norddeutsche Meisterschaft im Leadklettern aus, eine der größten Veranstaltungen dieser Art im Norden. Kurz darauf folgt ein Event in Kooperation mit Special Olympics. Unter dem Motto „Klettern ohne Grenzen“ engagiert sich die Sektion auch stark im inklusiven Sport.

Gibt es Ausbaupläne für das Kletterzentrum an der Universität Bremen?

Jonas Loss: Langfristig ja. An stark frequentierten Abenden stößt die Halle bereits an ihre Kapazitätsgrenzen. Auch Seminar- und Büroräume sind knapp. Das Grundstück bietet Erweiterungsmöglichkeiten, doch ein Ausbau erfordert sorgfältige Planung, finanzielle Mittel und gegebenenfalls Kredite oder Förderungen.

Wie hat sich der Verein in den letzten Jahren entwickelt?

Dieter Mörk: Während viele Vereine mit Überalterung kämpfen, wächst der Alpenverein kontinuierlich – auch in Bremen. Das liegt nicht zuletzt an der Attraktivität des Klettersports für junge Menschen. Dabei versteht sich die Sektion nicht als Konkurrenz zu privaten Boulderhallen, sondern konzentriert sich bewusst auf das Seilklettern. Kooperationen in der Nachwuchs- und Leistungssportarbeit zeigen, dass gemeinsames Engagement den Sport insgesamt stärkt.

Mehr Informationen zum Thema finden sich auf der Internetseite des Alpenverein Bremen. Alle Infos zum Kletterzentrum des DAV finden sich auf dieser Seite.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Vereine in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

zum Themenspecial „Vereine in Bremen“

Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Immer wieder darf ich tolle und spannende Menschen aus unser schönen Stadt kennenlernen! Lebenswert, lebensfroh und lebensnah: Bremen, ich liebe Dich :-)

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