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Tjark Worthmann

Buchnah.de hilft dem lokalen Buchladen um die Ecke

„Wir müssen den unabhängigen Buchhandel sichtbarer machen“

Mit buchnah.de will ein Bremer Buchhändler dafür sorgen, dass Menschen Bücher online finden – und sie trotzdem möglichst bei einer unabhängigen Buchhandlung in ihrer Nähe kaufen. Die Plattform von Michael Hockel von der Albatros Buchhandlung im Fedelhören verbindet Verlagsseiten, Buchsuche und lokale Buchläden miteinander. Im Gespräch erklärt der Initiator, wie die Idee entstanden ist, wie buchnah.de funktioniert und warum er das Projekt für dringend notwendig hält.


Wie ist die Idee zu buchnah.de entstanden?

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Michael Hockel ist der Ideengeber hinter buchnah.de. Tjark Worthmann

Michael Hockel: Die Idee hatte ich schon eine ganze Weile im Kopf. Mich hat immer gewundert, dass Menschen auf den Webseiten der Verlage zwar Informationen zu einem Buch finden, beim Kauf aber häufig bei großen Anbietern landen. Gleichzeitig betonen viele Verlage, wie wichtig ihnen der unabhängige Buchhandel ist. Für die Verlage ist es natürlich schwierig, einzelne kleine Buchhandlungen oder gleich Tausende Geschäfte zu verlinken. Genau da wollte ich ansetzen.

Der konkrete Anstoß kam im vergangenen Herbst. Während der „Woche unabhängiger Buchhandlungen“ gab es viel öffentliche Unterstützung für den lokalen Buchhandel. Gleichzeitig bin ich auf Zahlen gestoßen, die gezeigt haben, wie stark die Zahl unabhängiger Buchhandlungen in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Da war für mich klar: Ich möchte etwas tun.

Was genau macht buchnah.de?

Im Kern gibt es zwei Funktionen. Die erste richtet sich an Menschen, die sich auf einer Verlagswebseite über ein bestimmtes Buch informieren. Wenn ein Verlag buchnah.de eingebunden hat, landet man beim Klick auf den Kauflink zunächst bei uns. Dort gibt man die Postleitzahl ein oder gibt den Standort frei. Anschließend wird man direkt zu genau diesem Buch im Onlineshop einer nahegelegenen unabhängigen Buchhandlung weitergeleitet.

Die zweite Funktion funktioniert auch unabhängig von einem konkreten Buch: Auf der Startseite kann man einfach nach unabhängigen Buchhandlungen in der Umgebung suchen. Dann werden die nächstgelegenen Läden samt Entfernung angezeigt. Von dort kann man auf die Webseite der Buchhandlung wechseln oder sich eine Wegbeschreibung anzeigen lassen.

Woher stammen die Informationen zu den Büchern?

Dafür nutze ich eine Schnittstelle zum Verzeichnis lieferbarer Bücher. Darüber kann auf eine sehr große Buchdatenbank zugegriffen werden. Das war ein wichtiger Schritt, weil Nutzerinnen und Nutzer natürlich auch konkret nach einem Titel suchen möchten.

Die Plattform wurde selbst programmiert?

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Der unabhängige Buchhandel hat es im alltäglichen Geschäft gegen die großen Internetriesen nicht einfach. Tjark Worthmann

Ja. Ich habe schon seit Ende der 1990er-Jahre Webseiten gebaut und zeitweise auch beruflich in diesem Bereich gearbeitet. Für buchnah.de musste ich einiges wieder auffrischen, aber grundsätzlich wusste ich, wie Datenbanken und solche Systeme aufgebaut werden.

Am Anfang habe ich an vielen Abenden einen Prototyp entwickelt. Den habe ich zunächst gemeinsam mit befreundeten Buchhandlungen getestet. Als das gut funktioniert hat, habe ich die Plattform Anfang Dezember öffentlich gemacht.

Du kommst ursprünglich gar nicht aus dem klassischen Buchhandel, oder?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe die Buchhandlung vor knapp fünf Jahren übernommen. Damals war ich in einem Job, mit dem ich nicht besonders glücklich war, saß während der Corona-Zeit viel allein im Homeoffice und hatte irgendwann einfach wieder Lust, mit Menschen zu arbeiten.

Ich war Stammkunde in der Buchhandlung und wohnte in der Nähe. Als die damaligen Inhaber angekündigt haben, in den Ruhestand gehen zu wollen und eine Nachfolge suchten, kamen diese beiden Dinge zusammen. Erfahrung aus dem stationären Einzelhandel hatte ich vorher nicht.

Was reizt dich am Buchhandel?

Ich habe schon immer sehr gern gelesen. Gleichzeitig finde ich schön, dass man in einer Buchhandlung mit unglaublich vielen Themen in Berührung kommt. Menschen kommen mit ganz unterschiedlichen Interessen herein, suchen Bücher oder bestellen etwas – und oft entdeckt man dadurch selbst wieder neue Themen.

Am Lesen selbst fasziniert mich dieses Eintauchen in andere Geschichten, andere Leben und andere Ideen. Es ist für mich auch eine Form der Entschleunigung. Beim Lesen habe ich selbst in der Hand, wie schnell ich vorangehe.

Wie schnell kannst Du die Verlage buchnah.de überzeugen?

Sehr unterschiedlich. Bei kleineren Verlagen, zu denen persönliche Kontakte bestehen, ging es teilweise sehr schnell. Da wurde die Idee erklärt und nach wenigen Minuten hieß es: Super, da machen wir mit.

Bei größeren Häusern dauert es naturgemäß länger, weil Marketing, Webabteilung und Management beteiligt sind. Inzwischen sind aber auch größere Verlage dabei, unter anderem Hanser, DuMont und Thienemann. Mikrotext war einer der ersten Verlage, die mitgemacht haben. Und ich merke: Wenn größere Namen einsteigen, kommt auch bei anderen Bewegung hinein.


„Ich wünsche mit, dass noch viele weitere Verlage mitmachen.“


Und wie sieht es auf Seiten der Buchhandlungen aus?

Da ist oft etwas mehr Kommunikation notwendig. Nicht alle Buchhandlungen sind technisch gleich affin, deshalb versuche ich, die Anmeldung so einfach und verständlich wie möglich zu machen.

Mein Ziel ist ein möglichst flächendeckendes Netz unabhängiger Buchhandlungen. Denn je mehr Buchhandlungen teilnehmen, desto besser funktioniert die Idee natürlich für die Nutzerinnen und Nutzer.

Verdient buchnah.de bereits Geld?

Momentan läuft das Projekt noch unentgeltlich und ehrenamtlich. Auf Dauer funktioniert das aber nicht, weil viel Arbeit darin steckt und auch laufende Kosten entstehen, etwa für die Buchdatenbank.

Deshalb arbeite ich gerade an einem Account- und Abomodell für Buchhandlungen. Auch Unternehmen mit mehreren Filialen sollen ihre Standorte darüber verwalten können. Die genaue Preisstruktur war zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht endgültig veröffentlicht.

Ist buchnah.de bislang vor allem ein Bremer Projekt?

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Die Buchhandlung Albatros im Fedelhören in Bremen. Tjark Worthmann

Nein, grundsätzlich ist das deutschlandweit gedacht. In Bremen kennt man das Projekt natürlich, und auch in der Buchbranche wurde bereits darüber berichtet. In der allgemeinen Presse ist es bislang aber noch deutlich weniger angekommen.

Könnte das Konzept auch außerhalb Deutschlands funktionieren?

Ja, durchaus. Es gibt bereits Anfragen aus Österreich und auch Gespräche mit Schweizer Verlagen. Technisch wäre eine Ausweitung grundsätzlich machbar. Im Moment möchte ich mich aber erst einmal auf Deutschland konzentrieren und dafür sorgen, dass das Netz hier richtig wächst.

Was wünschst du dir für die nächsten Jahre?

Ich wünsche mir, dass noch viele weitere Verlage mitmachen, dass sich deutlich mehr Buchhandlungen anmelden und daraus ein flächendeckendes Netzwerk entsteht. Und natürlich muss sich das Projekt irgendwann so finanzieren, dass ich es dauerhaft weiterführen kann.

Wer helfen möchte, kann seiner eigenen Buchhandlung von buchnah.de erzählen, falls sie noch nicht dabei ist. Wer Kontakte in die Verlagsbranche hat, kann auch dort auf das Projekt aufmerksam machen. Und am wichtigsten ist am Ende etwas ganz Einfaches: Bücher im lokalen, unabhängigen Buchhandel kaufen.

 

buchnah.de ist eine Plattform, die Leserinnen und Leser gezielt mit unabhängigen Buchhandlungen in ihrer Nähe verbindet. Über die Suche auf Verlagsseiten lässt sich ein passender lokaler Buchladen finden und das gewünschte Buch dort kaufen. Ziel des Initiators Michael Hockel ist es, die Sichtbarkeit und den Umsatz des unabhängigen Buchhandels zu stärken.

Weitere Informationen gibt es auf der Website von buchnah.de

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Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Immer wieder darf ich tolle und spannende Menschen aus unser schönen Stadt kennenlernen! Lebenswert, lebensfroh und lebensnah: Bremen, ich liebe Dich :-)

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