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Borgward Club Bremen
Borgward Club Bremen

Der Borgward-Club aus Bremen

„Wenn schon ein Oldtimer, dann muss es als Bremerin ein Borgward sein“

Borgward gehört zu Bremen wie der Roland und die Stadtmusikanten. Der Borgward-Club der Hansestadt hält die Erinnerung an den einstigen Automobilhersteller jedoch nicht nur wach: Seine Mitglieder fahren, pflegen und restaurieren die historischen Fahrzeuge. Seit einiger Zeit ist der Verein außerdem mit eigenen Räumen im Schuppen Eins vertreten. Im Interview spricht die Vorsitzende Marion Kayser über das lebendige Vereinsleben, den Nachwuchs und ein ganz besonderes Stück Sparkassen- und Stadtgeschichte.


Wie groß ist der Borgward-Club Bremen?

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Marion Kayser ist Vorsitzende des Borgward Clubs Bremen und eine beliebte Gesprächspartnerin zum Thema der bekannten Automarke aus der Hansestadt. Borgward Club Bremen

Marion Kayser: Wir haben rund 150 Mitglieder aus ganz Deutschland. Einige kommen sogar aus dem Ausland, beispielsweise aus Spanien, Namibia und den Niederlanden. Gemeinsam besitzen unsere Mitglieder schätzungsweise 400 bis 450 Fahrzeuge. Manche haben einen Borgward, andere sammeln gleich mehrere – einzelne Mitglieder besitzen tatsächlich bis zu 20 Fahrzeuge.

Welche Marken und Modelle gehören dazu?

Neben Borgward gehören auch Hansa-Lloyd und Goliath dazu. Entsprechend breit ist die Palette: von Personenwagen über Lastwagen bis hin zu den bekannten dreirädrigen Fahrzeugen von Goliath. Am weitesten verbreitet ist die Borgward Isabella. Viele Menschen kennen außerdem noch den Lloyd Alexander. Die Isabella gab es als Limousine, Coupé und Kombi sowie in Cabrioausführungen. Vor allem die Coupés wurden früher häufig als Zweitwagen genutzt und nur sonntags gefahren. Deshalb befinden sich einige Exemplare heute noch in einem bemerkenswert guten Zustand.

Fahren Sie selbst auch ein Borgward-Modell?

Ja, ich habe eine Isabella-Limousine. Das Besondere an unserem Club ist aber, dass nicht nur die Mitglieder eigene Fahrzeuge besitzen. Auch der Verein selbst verfügt über mehrere Exemplare. Dazu gehören eine Borgward-Feuerwehr und der historische Sparkassenbus, der früher als eine mobile Filiale in der Stadt unterwegs war. Außerdem haben wir einen nachgebauten Borgward-Traktor als Dauerleihgabe. Borgward hat ursprünglich drei Traktoren gebaut, von denen heute keiner mehr existiert. Ein Borgward-Freund hat deshalb selbst einen solchen Traktor rekonstruiert – und das im Rollstuhl. Das ist eine beeindruckende Geschichte.


„Die Marke Borgward ist eng mit der Hansestadt verbunden.“


Seit April hat der Club eigene Räume im Schuppen Eins. Was erwartet Besucherinnen und Besucher dort?

Wir sind noch dabei, alles einzurichten. Zu sehen sind normalerweise zwei bis drei wechselnde Fahrzeuge. Außerdem gibt es eine große Bibliothek und viele historische Dokumente über Borgward. Besuchende können sich die Unterlagen ansehen, Fragen stellen oder ihre eigenen Geschichten mitbringen. Der Sparkassenbus und andere große Fahrzeuge passen allerdings nicht in unsere Räume. Sie stehen weiterhin in einer Halle auf dem früheren Werftgelände gegenüber.

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Das Logo der Marke Borgward ist vielen älteren Bremerinnen und Bremern noch bekannt. Borgward Club Bremen

Unser Raum im Schuppen Eins soll kein Museum sein, das man einmal besucht und dann kennt. Die Ausstellung verändert sich laufend. Wir möchten dort auch an Fahrzeugen arbeiten und Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Es soll ein lebendiger Ort für Bremer Automobilgeschichte sein.

Was fasziniert Sie persönlich an Borgward?

Ich bin nicht alt genug, um die Fahrzeuge noch aus dem damaligen Straßenbild zu kennen. Irgendwann kam bei mir aber der Wunsch nach einem Oldtimer auf. Für mich war schnell klar: Wenn schon ein Oldtimer, dann muss es als Bremerin ein Borgward sein. Mich begeistern das Design der Fahrzeuge und die gesamte Geschichte des Unternehmens. Carl F. W. Borgward hat in Bremen sehr viel aufgebaut und geprägt – mit positiven, aber auch schwierigen Seiten. Gleichzeitig ist die Marke eng mit der Hansestadt und vielen persönlichen Erinnerungen verbunden.

Wenn wir mit den Fahrzeugen durch die Stadt fahren, spricht uns fast jeder Zweite an. Viele erzählen, dass der Vater oder Großvater bei Borgward gearbeitet hat oder dass die Familie früher ein solches Auto besaß. Dadurch merkt man, wie tief diese Geschichte noch immer in Bremen verankert ist.


„Bei einem so seltenen Auto wird es natürlich schwierig, sobald ein Ersatzteil benötigt wird.“


Sie waren auch an dem Fernsehfilm über Borgward beteiligt. Welche Aufgabe hatten Sie 2019 dort?

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Das Cabrio des Modells Isabella der Marke Borgward erzielt Verkaufspreise bis zu 100.000 Euro. Borgward Club Bremen

Ich war als Car-Managerin für die historischen Fahrzeuge zuständig. Ich habe für die Produktion nicht nur Borgward-Modelle organisiert, sondern auch Autos anderer Marken, etwa von BMW und Mercedes. Die Dreharbeiten waren für mich ein ganz besonderes Erlebnis.

Ein im Film gezeigter Hansa war damals mein Fahrzeug. Von diesem Modell existieren weltweit vermutlich nur noch etwa zehn Exemplare. Bei einem so seltenen Auto wird es natürlich schwierig, sobald ein Ersatzteil benötigt wird.

Wie gut ist die Ersatzteilversorgung für die alten Modelle denn grundsätzlich?

Für die Isabella ist die Versorgung sehr gut. Dafür gibt es praktisch noch alles. Bestimmte Teile können sogar neu angefertigt werden. Wenn wir beispielsweise wieder mehrere der charakteristischen Rückleuchten benötigen, können diese in einer kleinen Serie produziert werden.

Bei sehr seltenen Modellen sieht es anders aus. Dann müssen Teile individuell nachgebaut werden, was entsprechend aufwendig und teuer sein kann. Trotzdem gibt es noch mehrere spezialisierte Borgward-Ersatzteilhändler. Einer kümmert sich etwa um Kabelbäume, andere um bestimmte technische oder optische Komponenten. Meistens findet sich eine Lösung.


„Für einen Moment das Gefühl, in eine andere Zeit versetzt worden zu sein.“


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Auch Nutzfahrzeuge stellte die Firma Borgward her – meist unter anderen Markennamen wie Lloyd und Goliath. Borgward Club Bremen

Was unternehmen die Mitglieder des Borgward Clubs Bremen gemeinsam?

Wir treffen uns jeden ersten Sonntag im Monat zum Stammtisch im Schuppen Eins. Häufig verbinden wir das Treffen mit einer gemeinsamen Ausfahrt. Außerdem besuchen wir viele Oldtimerveranstaltungen und werden regelmäßig zu besonderen Terminen eingeladen.

Wir waren beispielsweise bei Jubiläumsveranstaltungen der BSAG und der Sparkasse Bremen dabei, nehmen am Freimarktumzug teil und sind auf der „Bremen Classic Motorshow“ vertreten. Alle zwei Jahre veranstalten wir außerdem ein großes Borgward-Treffen. Unser Veranstaltungskalender ist deshalb meistens sehr gut gefüllt.

Besonders schön ist es, mit vielen Fahrzeugen gemeinsam unterwegs zu sein. Vor einem fährt ein Borgward, hinter einem fährt ein Borgward – dann hat man für einen Moment das Gefühl, in eine andere Zeit versetzt worden zu sein.

Kann man Borgward auch erleben, ohne selbst ein Fahrzeug zu besitzen?

Ja, dafür bieten wir für Interessierte unter anderem die Borgward-Route an. Die Tour dauert je nach Verkehr etwa eineinhalb bis zwei Stunden und führt zu verschiedenen Schauplätzen der Bremer Automobilgeschichte. Wir fahren dann nach Sebaldsbrück zum ehemaligen Borgward-Werk. Dort befinden sich noch das frühere Verwaltungsgebäude und das Borgward-Denkmal. Weitere Stationen sind die früheren Goliath-Standorte in Hastedt, die Industriestraße, an der Borgwards Unternehmensgeschichte begann, sowie der heutige Lloyd-Industriepark. Zum Abschluss geht es häufig nach Horn zur Borgward-Villa. Während der Fahrt erzählen wir von den früheren Werken, den Fahrzeugen und den Menschen dahinter. Oft wissen auch die Gäste sehr viel und bringen eigene Geschichten mit. Dadurch ist jede Tour anders.

Muss man einen Borgward besitzen, um Mitglied im Club zu werden?

Nein, natürlich nicht. Einige treten dem Club bei, weil sie sich zunächst informieren und später ein Fahrzeug kaufen möchten. Sie fahren bei Ausflügen mit, lernen andere Mitglieder kennen und finden irgendwann vielleicht den passenden Borgward.

Andere interessieren sich für ganz bestimmte Aspekte. Ein Mitglied besitzt beispielsweise keinen Borgward und möchte auch keinen kaufen. Dafür hat er nach unserem Kenntnisstand die weltweit größte Sammlung von Borgward-Modellautos. Bei uns sind also alle willkommen, die sich für das Thema Borgward begeistern.


Der historische Sparkassenbus diente früher als „Filiale 49.“


Welche Geschichte verbindet den Club mit dem historischen Sparkassenbus?

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Die mobile Sparkassen-Filiale befindet sich im Besitz des Borgward Clubs Bremen. Borgward Club Bremen

Der Bus war früher als „Filiale 49“ für die Sparkasse Bremen unterwegs. Als er nicht mehr zum neuen Konzept der Sparkasse passte, sollte er Bremen verlassen und in ein Fahrzeugmuseum nach Einbeck gebracht werden.

Wir fanden es schade, dass dieses besondere Fahrzeug aus der Stadt verschwinden und womöglich dauerhaft in einer Halle stehen würde. Durch die bereits bestehende Zusammenarbeit mit der Sparkasse gelang es schließlich, den Bus für den Verein zu erhalten.

Darauf sind wir sehr stolz. Der Bus ist nicht nur ein außergewöhnliches Borgward-Fahrzeug, sondern auch ein Stück Bremer Sparkassengeschichte. Selbst die Scheiben sind besonders gestaltet: In sie wurden Motive zur Geschichte des Geldes eingraviert.

Ein solches Fahrzeug bringt sicherlich auch Verpflichtungen mit sich.

Natürlich. Der Bus passt in keine normale Garage. Wir benötigen eine ausreichend große Halle und Menschen, die ihn fahren dürfen. Außerdem muss er regelmäßig gewartet und zum TÜV gebracht werden. Das ist organisatorisch und finanziell eine Herausforderung. Trotzdem überwiegt die Freude darüber, dass der Bus in Bremen geblieben ist und weiterhin bei Veranstaltungen gezeigt werden kann.


„Wir sammeln alles, was mit dem Unternehmen und seinen Marken zu tun hat.“


Wie gewinnt der Club jüngere Menschen für historische Fahrzeuge?

Wir haben eine Gruppe namens „Young Generation“. Ihr gehören derzeit etwa acht bis zehn junge Menschen zwischen 14 und 30 Jahren an. Sie treffen sich alle zwei Wochen und restaurieren gemeinsam einen alten Lloyd, den wir für dieses Projekt geschenkt bekommen haben.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen lernen dabei, wie die Technik funktioniert und wie man ein historisches Fahrzeug wieder aufbaut. Gleichzeitig geben erfahrene Mitglieder ihr Wissen weiter. Wenn der Lloyd fertiggestellt und zugelassen ist, dürfen diejenigen, die mitgearbeitet haben, ihn kostenlos ausleihen und fahren.

Inzwischen wurden uns weitere Fahrzeuge angeboten, darunter ein Lloyd Alexander und eine Isabella als Kombi. Viele Besitzerinnen und Besitzer möchten ihren Wagen nicht einfach verkaufen, sondern sicherstellen, dass er in gute Hände kommt, weitergefahren wird und erhalten bleibt. Die Arbeit an den Fahrzeugen der jungen Menschen ist dafür eine wunderbare Möglichkeit.

Sammelt der Verein auch Erinnerungsstücke und Dokumente?

Ja, wir unterhalten ein Borgward-Archiv und sammeln grundsätzlich alles, was mit dem Unternehmen und seinen Marken zu tun hat. Dazu gehören Fotos, Prospekte, Arbeitszeugnisse, persönliche Dokumente und Erinnerungen ehemaliger Beschäftigter.

Wir schalten regelmäßig eine kleine Suchanzeige im „Weser-Kurier“. Darauf melden sich immer wieder Menschen, die beispielsweise noch das Ausbildungszeugnis ihres Vaters oder alte Unterlagen aus dessen Zeit bei Borgward besitzen. Auf diese Weise kommen viele wertvolle Kontakte zustande.


„Entscheidend ist nur die Freude an den Autos.“


Was kostet der Einstieg in die Borgward-Welt?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, weil Modell und Zustand eine große Rolle spielen. Eine gute Isabella-Limousine bekommt man ungefähr ab 20.000 Euro. Für ein Coupé muss man mindestens mit dem Doppelten rechnen. Seltene oder originale Cabriolets können bereits Werte um 100.000 Euro erreichen.

Für Einsteigerinnen und Einsteiger ist eine Limousine oft eine gute Wahl. Darin können vier oder fünf Personen sitzen. Das Coupé ist dagegen eher ein Zweisitzer mit einer kleinen Rückbank. Man muss außerdem bedenken, dass die damaligen Fahrzeuge ursprünglich häufig keine Sicherheitsgurte hatten.

Was war Ihr schönstes persönliches Borgward-Erlebnis?

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Fahrzeuge der Marke Borgward bei einem Clubtreffen. Borgward Club Bremen

Die Dreharbeiten für den Film waren sehr besonders. Ebenso schön waren unsere Reisen mit der Familie, beispielsweise nach Dänemark und England – alles in einem Borgward. Aber eigentlich ist jede gemeinsame Fahrt mit dem Club ein Erlebnis.

In der Isabella sitzt man auf der durchgehenden Sitzbank fast wie auf einem Sofa. Viele Menschen steigen ein und sagen sofort: „Hier riecht es wie früher.“ Auch deshalb finde ich es wichtig, möglichst viel im Originalzustand zu erhalten. Dieser Geruch, die Materialien und das Fahrgefühl lassen sich nicht künstlich nachbilden. Sie machen einen großen Teil der Erinnerung aus.

Wie können Interessierte den Club kennenlernen?

Am besten nehmen sie zunächst telefonisch Kontakt zu uns auf oder besuchen uns im Schuppen Eins. Da wir manchmal gemeinsam bei Veranstaltungen unterwegs sind, empfiehlt es sich, vorher kurz nachzufragen, ob jemand vor Ort ist.

Gäste können außerdem zu unserem Stammtisch am ersten Sonntag im Monat kommen oder bei einer Ausfahrt mitfahren. Man muss weder ein Fahrzeug besitzen noch bereits alles über Borgward wissen. Entscheidend ist nur die Freude an den Autos und ihrer Geschichte.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Vereine in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

zum Themenspecial „Vereine in Bremen“

Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Immer wieder darf ich tolle und spannende Menschen aus unser schönen Stadt kennenlernen! Lebenswert, lebensfroh und lebensnah: Bremen, ich liebe Dich :-)

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