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Geburtstagstorte mit brennenden Kerzen, umgeben von buntem Konfetti und Luftballons
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40 Jahre Blaumeier: Kunst, Vielfalt und Inklusion

Ein Abend voller Erinnerungen, Musik und gelebter Gemeinschaft im Theater Bremen

Seit 40 Jahren steht Blaumeier in Bremen für kreative Ausdruckskraft, gelebte Inklusion und ein außergewöhnliches Miteinander. Was in den 1980er-Jahren im Kontext gesellschaftlicher Umbrüche entstand, ist heute eine feste Größe in der Bremer Kulturszene – und weit darüber hinaus bekannt.

Künstlerinnen und Künstler von Blaumeier in bunten Kostümen feiern gemeinsam auf der Bühne mit Torte und Sekt
Farbenfroh, laut und voller Energie: Das Blaumeier-Ensemble steht seit 40 Jahren für gelebte Inklusion und kreative Bühnenmomente in Bremen. Sabina Mak

Im Zentrum steht dabei eine klare Haltung: Kunst entfaltet ihre volle Kraft dann, wenn alle daran teilhaben können. Genau daraus ist über die Jahrzehnte ein Ort gewachsen, an dem künstlerische Vielfalt nicht nur sichtbar wird, sondern selbstverständlich ist. Blaumeier schafft Räume für Begegnung und gemeinsames Erleben – auf der Bühne, in Ausstellungen und mitten in der Stadt. Das Jubiläumsjahr macht diese Entwicklung besonders sichtbar und lädt dazu ein, auf vier Jahrzehnte kreatives Schaffen zurückzublicken.

Jubiläumsgala im Theater am Goetheplatz

Am Donnerstag, 14. Mai 2026, wird das 40-jährige Bestehen mit einer großen Gala im Theater am Goetheplatz gefeiert. Die Bühne gehört an diesem Abend den Künstlerinnen und Künstlern, die Blaumeier seit Jahrzehnten prägen – und denen, die heute neue Impulse setzen.

Das Programm verbindet Rückblicke auf prägende Theaterstücke und Ausstellungen mit musikalischen Highlights. Mit dabei sind unter anderem der Chor Don Bleu, die Rockband Fransen und die Blechbläsergruppe Lauter Blech. Die Jubiläumsgala versteht sich dabei nicht nur als Feier der Vergangenheit, sondern auch als lebendiger Ausdruck dessen, wofür Blaumeier heute steht: kreative Energie, Vielfalt und die Freude am gemeinsamen künstlerischen Schaffen.


Im Gespräch mit Karolin Oesker: Vier Jahrzehnte Blaumeier und der Blick nach vorn

Karolin Oesker vom Blaumeier-Atelier im Porträt
Karolin Oesker verantwortet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Blaumeier-Atelier und gibt Einblicke in 40 Jahre Kunst und Inklusion in Bremen. Manja Herrmann

Zum 40. Geburtstag lohnt sich nicht nur der Blick auf die Bühne, sondern auch hinter die Kulissen. Karolin Oesker aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Blaumeier-Ateliers gibt Einblicke in die Geschichte, die Haltung und die Zukunft eines Projekts, das die Bremer Kulturlandschaft seit Jahrzehnten prägt.

40 Jahre Blaumeier – was bedeutet dieses Jubiläum für Sie persönlich und für das gesamte Team?

Karolin Oesker: Ein Jubiläum bietet immer eine schöne Gelegenheit für den Blick zurück und den Blick nach vorn. Ausgehend von der Psychiatrie-Auflösung in den 80er-Jahren ist der Rückblick auch mit einem eher düsteren Kapitel der Inklusionsgeschichte verbunden. Umso mehr freuen wir uns, dass das Blaumeier-Atelier nun schon seit 40 Jahren mit so vielen Künstler:innen einen lebensbejaenden Gegenimpuls bildet und in Bremen einen großen Stellenwert hat.

Der Blick nach vorne zeigt neben den Errungenschaften auch, dass es weiterhin wichtig ist, für eine inklusive Gesellschaft zu kämpfen und gleichberechtigte Teilhabe nicht aus dem Fokus zu verlieren. Für die Blaumeier-Künstler:innen und das Team ist dieses Jubiläum vor allem mit großem Stolz verbunden – darüber, dass es uns so lange schon gibt, dass wir die Chance haben, unsere Kunst immer wieder zu zeigen, so viel Zuspruch zu bekommen und Fans zu erreichen. Und wir freuen uns darauf, bei den vielen Veranstaltungen mit unserem Publikum in den Austausch zu kommen und gemeinsam zu feiern.


Von grundlegenden Kämpfen zu selbstbestimmten Geschichten


Wenn Sie auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblicken: Was hat Blaumeier in dieser Zeit bewegt?

Karolin Oesker: Blaumeier ist in einer Zeit entstanden, in der der Begriff der Inklusion noch nicht so geprägt war wie heute. Seitdem hat sich vieles verändert, was auch für uns positive Auswirkungen hatte – etwa durch die UN-Behindertenrechtskonvention, das Bundesteilhabegesetz und die Einführung des Wahlrechts für Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung. Das hat zu einer Emanzipierung von Menschen mit Behinderung beigetragen – und das merkt man auch in der Blaumeier-Kunst. Ging es anfangs zum Beispiel in Theaterstücken ganz generell um Status und Macht für Menschen, die jahrelang in ohnmächtigen Situationen gefangen waren, sind heute insbesondere vermeintlich alltägliche Themen relevant wie Beziehung, Beruf, Sexualität und Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen.

In diesem Prozess haben wir uns stetig weiterentwickelt: Aus zahlreichen Projekten – inzwischen über 100 – ist eine kontinuierliche Arbeit entstanden, an der heute wöchentlich mehr als 250 Menschen teilnehmen. Mit unseren Theaterstücken und Ausstellungen waren wir auf internationalen Festivals präsent und wirkten 2005 an Bremens Bewerbung zur „Kulturhauptstadt Europas“ mit. Seit 2015 haben wir in Zusammenarbeit mit dem Theater Bremen und der Lebenshilfe Kunst und Kultur das inklusive Theaterfestival „mittenmang“ ins Leben gerufen und bisher sieben Ausgaben durchgeführt – dank Unterstützung der Sparkassen-Stiftung.


„Ohne die Freude am Tun und die Lust auf Gemeinschaft würde es nicht funktionieren“


Fünf Frauen in Liegen im Badenixen-Outfit am Strand
Kunst, die verbindet: Bei Blaumeier entstehen seit vier Jahrzehnten besondere Momente zwischen Theater, Musik und Gemeinschaft. Alfons Römer-Tesar

Blaumeier steht für gelebte Inklusion durch Kunst. Was macht diesen Ansatz aus Ihrer Sicht so besonders?

Karolin Oesker: Der Ausgangspunkt ist immer die künstlerische Neugierde des Einzelnen, die auf eine Gruppe trifft und dann gemeinsam in Kunst verwandelt wird. Wichtig dabei ist die Begegnung auf Augenhöhe, die Anerkennung von Unterschiedlichkeiten und der Spaß an der Sache. Ohne die Freude am Tun und die Lust auf Gemeinschaft würde es nicht funktionieren. Denn daraus entsteht eine künstlerische Kraft, die uns seit Jahren in jedem Projekt immer wieder begeistert. Besonders ist die Haltung, mit der wir einander begegnen und willkommen heißen – eine Haltung, die sehr demokratisch ist und die Vielfalt feiert!

Worauf dürfen sich Besucherinnen und Besucher bei der Jubiläumsgala besonders freuen?

Karolin Oesker: Das Publikum darf sich auf einen großen, festlichen Abend mit allen Künsten freuen: Über 60 Mitwirkende stehen auf der Bühne – im Chor, in der Band und im Schauspiel –, ergänzt durch rund 20 weitere Beteiligte in Walk-Acts im öffentlichen Raum. Es ist eine herzliche Einladung, gemeinsam mit uns zu feiern, Erinnerungen aufleben zu lassen, vertrauten Melodien zu lauschen und neue Künstler:innen zu entdecken. Von den leisen Tönen bis zu lauten Lachern, von alten Geschichten bis zu neuen Hits: Dieser Abend wird ein Fest für alle Sinne und lädt dazu ein, Vergangenheit, Gegenwart und alles, was noch kommt, gemeinsam zu feiern.

Es beginnt um 18.15 Uhr mit zwei Walk-Acts auf dem Goetheplatz: Die Süßen Frauen präsentieren ihr neues Set als Badenixen, und das Maskentheater lädt als freundliche Polente schon direkt ins Haus ein. Die Gala auf der großen Bühne (Tickets dafür gibt es beim Theater Bremen, besonders dankbar sind wir für alle gekauften Unterstützer:innen-Tickets) beginnt um 19 Uhr. Und im Anschluss ab circa 21 Uhr gibt es eine große Geburtstagsparty zum Tanzen auf dem Goetheplatz.


Die Zukunft sichern und neue Perspektiven schaffen


Mit Blick in die Zukunft: Welche Themen und Projekte stehen bei Blaumeier aktuell im Fokus?

Personen mit kunstvoll gestalteten Masken und Kostümen stehen gemeinsam auf der Bühne, eine Figur hält einen Blumenstrauß
Ausdrucksstark und eigenwillig: Das Maskentheater ist ein fester Bestandteil der künstlerischen Arbeit von Blaumeier. Martin Bogus

Karolin Oesker: Kurzfristig natürlich das Jubiläumsjahr mit der Ausstellung „Ein guter Anfang“ im Wilhelm-Wagenfeld-Haus ab dem 11. Juni 2026, mit der Ausstellung „Haut und Hülle“ im Güterbahnhof ab dem 4. September 2026, mit einem neuen Maskentheaterstück „Das Leben des Herrn Louis“ bei La Strada und der Theaterpremiere „Happy End“ im November 2026 zum Thema Leben, Tod und Sterben. Und natürlich die Stadtraum-Ausstellung „40 Jahre – 40 Bilder – 40 Orte“, in welcher ab Mai in 40 eher kunstfremden Orten in ganz Bremen jeweils ein Blaumeier-Kunstwerk präsentiert wird und so auf die Vielfalt des Blaumeier-Ateliers aufmerksam macht.

Langfristig sind wir schon fürs nächste Jahr in der Planung für ein erneutes Kooperationsprojekt mit dem Theater Bremen und eine Fotografie-Kunst-Ausstellung. Neben all der Planung geht es aber auch vermehrt darum, die Zukunft zu sichern.


Event: In Bremen sind wir weltberühmt! 40 Jahre Blaumeier
Event: In Bremen sind wir weltberühmt! 40 Jahre Blaumeier

Alle Infos zur Jubiläumsgala inklusive anschließender Geburtstagsparty auf dem Goetheplatz gibt es im Event.

Zum Event
Blaumeier-Atelier im Kunstfinder
Blaumeier-Atelier im Kunstfinder

Ob es sich um Malerei, Zeichnung, Skulptur, Linolschnitt, Radierung oder Siebdruck handelt – im Blaumeier-Atelier gibt es Raum für kreative Entfaltung.

Zum Eintrag im Kunstfinder

Weitere Informationen zur Gala gibt es auf der Website von Blaumeier. Der Ticketverkauf findet über den Webshop des Theaters statt.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Kunst in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Theater Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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Autorenbild Alena Mumme

Von Alena Mumme

Ich bin Tagenbaren – meine Eltern und Großeltern sind also wie ich in Bremen geboren und aufgewachsen. Nur spannende Reisen locken mich aus meiner gemütlichen Heimatstadt.

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