
100 Jahre Wäscherei Wartberg in Bremen
Christoph Wartberg führt das Traditionsunternehmen bereits in vierter Generation
100 Jahre Wäscherei Wartberg: Das klingt nach frisch gemangelter Bettwäsche, dampfenden Maschinen, vollen Wäschewagen und vielen Geschichten aus Bremen. Vor allem aber klingt es nach einem Familienunternehmen, das über Generationen gewachsen ist – und bis heute mit dem Alltag vieler Bremer Betriebe verknüpft ist.

Für Christoph Wartberg ist dieses Jubiläum mehr als eine runde Zahl. Es steht für Familiengeschichte, Durchhaltevermögen und ein Handwerk, das sich über Jahrzehnte immer wieder neu erfunden hat. „Für uns ist das ein Meilenstein – vor allem, dass das Unternehmen in vierter Generation betrieben wird. Das schaffen nicht viele Firmen heutzutage“, sagt Christoph Wartberg. Er führt das Bremer Traditionsunternehmen heute gemeinsam mit viel familiärer Unterstützung weiter. Auch sein Vater ist mit 72 Jahren noch regelmäßig im Betrieb unterwegs. „Wir arbeiten miteinander und nicht gegeneinander“, beschreibt Wartberg das Klima im Familienunternehmen.
Vom Wäscheholen im Haushalt zum modernen Dienstleister
Die Geschäftsanfänge der Familie Wartberg liegen in einer ehemaligen Schlachterei mit Verkaufsraum: Dort begann Anna Wartberg nach der Erblindung ihres Mannes zunächst damit, Krägen und Manschetten zu bügeln, später auch Oberhemden zu waschen und zu plätten. Damals waren Waschmaschinen in Privathaushalten noch nicht selbstverständlich. Daraus entstand schließlich die Wäscherei und Plätterei Wilhelm Wartberg, die nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau des zerbombten Gebäudes weiter wuchs; Anna Wartberg, gelernte Plätterin, führte den Betrieb noch bis 1956. Nach dem Krieg bot sie zunächst sogenannte Nasswäsche an. Die Wäsche wurde also bei den Kundinnen und Kunden abgeholt, gewaschen und nass wieder zurückgebracht.

Heute ist Wartberg ein moderner Dienstleistungsbetrieb. Die Wäscherei arbeitet unter anderem für Hotels, Restaurants, Unternehmen und Reedereien. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Bettwäsche und Handtücher. Auch besonders große oder spezielle Textilien werden in Bremen bearbeitet – so zum Beispiel der 4000 Quadratmeter große Himmel des Bayernzeltes auf dem Freimarkt.
Der Ablauf im Betrieb ist genau organisiert. „Die ankommende Schmutzwäsche wird sortiert, gekennzeichnet, gewaschen, getrocknet und je nach Textil gemangelt oder weiterbearbeitet“, sagt Wartberg. „Die Dimensionen sind dabei natürlich deutlich größer als zu Hause. Bei uns hat die größte Waschmaschine ein Fassungsvermögen von 145 Kilo. Im Vergleich dazu fasst eine normale Haushaltswaschmaschine ungefähr 5 bis 6 Kilo.“ Ein Waschprozess dauert in der Profimaschine maximal 38 Minuten – egal, ob Koch-, Bunt- oder Weißwäsche.
Ein Handwerk im Wandel
In 100 Jahren hat sich nicht nur die Technik verändert, sondern auch die gesamte Branche. Moderne Maschinen helfen heute dabei, Energie und Ressourcen besser einzusetzen. Gerade die gestiegenen und weiter steigenden Energiekosten sind für Wäschereien eine große Herausforderung. Gleichzeitig ermöglichen neue Anlagen effizientere Abläufe. „Unser Trockner beispielsweise erkennt, wie feucht die Wäsche noch ist, und beendet den Prozess automatisch, sobald ein bestimmter Wert erreicht ist“, erklärt der Experte.
Aber auch die Anforderungen der Textilien sind anspruchsvoller geworden. Neben klassischer Baumwolle werden heute viele Mischgewebe in der Wäscherei gereinigt. „Beispielsweise bei Schutzkleidung von Feuerwehr oder Rettungsdiensten muss einiges beachtet werden, damit das Material – im Speziellen die Reflektoren – nicht beschädigt werden“, weiß der Wäschereiinhaber.

Schiffswäsche mit Bremer Geschichte
Ein besonderer Teil der Wartberg-Geschichte ist die Schiffswäsche. Sie entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als Rohstoffe knapp waren. Schiffe brachten Wäsche mit, hatten aber keine Waschmöglichkeiten. „Dafür konnten sie Kohle und Seife liefern – genau das, was mein Uropa, der die Wäscherei damals mit seiner Frau gegründet hat, für seine Arbeit brauchte“, sagt Christoph Wartberg.
Bis heute arbeite die Wäscherei für Reedereien. „Wir holen die Wäsche aus Bremerhaven ab und liefern diese rechtzeitig zurück. Das ist alles just in time, da die Schiffe meistens nicht viel Zeit haben. Der Auftrag wird vorher angekündigt – und wir erledigen den Rest.“
Der Wunsch für die Zukunft
„In Bremen ist das Wäschereihandwerk vom Aussterben bedroht. Es gibt nur noch wenige Betriebe in der Stadt. Wir sind aber im Austausch und verstehen uns gut. Es gibt zum Beispiel auch mal eine Art Stammtischtreffen, und wir halten zusammen“, sagt Christoph Wartberg.
Für die kommenden Jahre wünscht er sich vor allem, dass der Familienbetrieb weiterbesteht – vielleicht sogar in fünfter Generation. Seine Tochter ist vier Jahre alt und kennt die Wäscherei schon gut. Ob sie später wirklich übernimmt, wird die Zeit zeigen. Für den Moment steht die Wäscherei Wartberg für 100 Jahre Bremer Unternehmergeist, Familienzusammenhalt und ein Handwerk, das im Alltag vieler Menschen eine wichtige Rolle spielt – oft leise im Hintergrund, aber immer unverzichtbar.

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