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Regenwassernutzung
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Eine kostbare Ressource schonen durch Regenwassernutzung

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Gespräch mit Elke Meier von der Bremer Umwelt Beratung

In besonders trockenen Sommern ist der Bedarf an Wasser enorm hoch. Allerdings ist es eine ziemliche Verschwendung, aufbereitetes Trinkwasser etwa zum Gießen zu verwenden. Eine Alternative ist die Nutzung von Regenwasser. Wer in diese nachhaltige Gebäudetechnik investiert, kann zudem von Förderprogrammen profitieren.

Warum sollte ich Regenwasser nutzen?

Wasser – Regenwassernutzung
Trinkwasser ist eine wertvolle Ressource, die wir nicht verschwenden sollten. Freepik.com/Renestevensdg

„Der Name sagt es bereits: Trinkwasser können wir ohne Bedenken täglich literweise trinken“, sagt Elke Meier von der Bremer Umwelt Beratung. Der Verein beschäftigt sich unter anderem mit der ökologischen Regenwasserbewirtschaftung in der Stadt. „Sauberes, gutes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen, wird schon in naher Zukunft immer schwieriger werden. Dieses wertvolles Gut für die WC-Spülung zu verwenden, ist vom Standpunkt der Wasserversorgung her gesehen absolute Verschwendung.“

Auf der anderen Seite werde kostenloses Regenwasser in den meisten Fällen einfach nur über den Kanal abgeleitet und gelange ungenutzt in die Weser und letztendlich in die Nordsee. „So geht es für uns, aber auch für die Grundwasserneubildung verloren. Die Süßwasservorräte der Erde sind schließlich begrenzt.“ In Bremen fließe beispielsweise ausschließlich Grundwasser aus der Leitung, das aber nur zu etwa 20 Prozent aus dem Stadtgebiet stamme. Der viel größere Anteil komme aus umliegenden Gemeinden Niedersachsens, wo die Förderung teils schon ökologische Schäden verursacht hat. „Das ist ein Grund mehr, sehr sorgsam mit dem kostbaren Gut umzugehen.“

Gerade in Bezug auf Klimaveränderungen mit Trockenperioden und Starkregen sei Regenwassernutzung eine zukunftsfähige, nachhaltige Infrastruktur zur Ressourcenschonung. Eine weitere Möglichkeit, das kostbare Gut nicht zu verschwenden, ist die Grauwassernutzung. Dabei wird etwa separat aufgefangenes Duschwasser im Haus aufbereitet und für die Toilettenspülung verwendet.

Wo kann ich Regenwasser verwenden?

„Regenwasser kann man sehr gut im Haushalt einsetzen – für alle Zwecke, die keine Trinkwasserqualität erfordern“, erklärt Elke Meier.  In erster Linie gehe es um die Toilettenspülung, die etwa gut ein Drittel des Wasserverbrauchs ausmacht, die Waschmaschine und natürlich die Gartenbewässerung. „Insgesamt kann ein Haushalt so etwa 45 Prozent des Wasserbedarfs ersetzen.“ Die Qualität des Regenwassers ist dabei in der Region gut: Es ist weich und sauber. Verschmutzungen oder Kalkablagerungen muss daher niemand fürchten.

Aufbau einer Regenwassernutzungsanlage

Regenwassernutzungsanlage
Aufbau einer Regenwassernutzungsanlage fbr e.V.
  1. Regenwasserspeicher aus Beton (grau) oder Kunststoff (grün dargestellt); Zuführung des Dachablaufwassers über die Fallrohre und eine
  2. Filterkartusche
  3. Speicherüberlauf in eine Versickerungsanlage (alternativ  in die Kanalisation)
  4. Schwimmende Entnahme des Regenwassers
  5. Regenwasserzentrale mit Pumpeneinheit und Steuerung (mit integrierter Trinkwassernachspeisung)
  6. Separates gekennzeichnetes Leitungsnetz  (grün) für WC, Waschmaschine, Putzwasseranschluss und Gartenbewässerung (die Kennzeichnung der Anlage ist unverzichtbar für den Trinkwasserschutz)

Lohnt sich die Regenwassernutzung für mich?

„Eine Regenwassernutzung eignet sich als moderne haustechnische Anlage immer dann, wenn der Regenertrag – also das Wasser, das ich über die Dachflächen auffangen kann – ausreicht, um in etwa meinen Bedarf zu decken“, erläutert die Expertin der Bremer Umwelt Beratung.

Bei kleineren Wohngebäuden (zum Beispiel Einfamilienhaus oder Zweifamilienhaus) passe das sehr häufig zur Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohner. Das Speichervolumen betrage bei diesen oft 4 bis 8 Kubikmeter. Größere Mehrfamilienhäuser hätten dagegen oft nicht genug Dachfläche zur Verfügung, um etwa alle WCs so zu spülen. Dort könne man aber zumindest einen Teil der Wohnungen mit Regenwasser versorgen. „Viele Gewerbegebäude sind dafür ebenfalls grundsätzlich geeignet. Auch ganze Siedlungen könnten gleich mit einem solchen integrierten System gebaut werden.“

Was kann ich dadurch einsparen?

Einsparungen sind bei der Trinkwassergebühr möglich. Sie beträgt aktuell in Bremen 2,21 Euro pro Kubikmeter Wasser. „Die Abwassergebühr muss aber auch auf verschmutztes Regenwasser gezahlt werden“, betont Elke Meier. Sie beschriebt ein Beispiel:

  • Toilettenspülung – Regenwassernutzung
    Wer Regen nutzt, spart bis zu 45 Prozent seines Wasserverbrauchs. Freepik.co/Fabrikasimf

    Vier-Personen-Haushalt; durchschnittlicher Verbrauch pro Person 120 Liter am Tag (also insgesamt 480 Liter)

  • 175.000 Liter Wasser Jahresverbrauch
  • Werden 45 Prozent gespart, sind es fast 79.000 Liter Trinkwasser weniger in diesem Haushalt.
  • Diese 79 Kubikmeter kosten etwa 175 Euro, die pro Jahr gespart werden.

Insgesamt sei die Nutzung von Regenwasser also nicht vorrangig ein Modell zum Geldsparen, aber trotzdem ökologisch sinnvoll.

Wie hoch sind die Kosten und welche Förderung ist möglich?

Zuerst einmal sei ein Neubau billiger als die Nachrüstung, sagt die Fachfrau von der Bremer Umwelt Beratung. Die Arbeiten umfassen beispielsweise den Einbau eines Speichers, den Anschluss von Fallrohren und Filtern, das Verlegen der Entnahmeleitung, eine Regenwasserzentrale im Haus sowie ein zweites gekennzeichnetes Leitungsnetz zu den Verbrauchsstellen im Gebäude.

Dachrinne – Regenwassernutzung
Für die Nutzung von Regenwasser gibt es Fördermöglichkeiten. Freepik.com/User17208678

Außerdem seien die Kosten insgesamt abhängig von den baulichen Gegebenheiten und dadurch sehr unterschiedlich. Meist lägen sie bei kleineren Wohngebäuden im Rahmen von etwa 6000 bis 12.000 Euro. Bei einer gemeinsamen Nutzung einer Anlage durch mehrere Nachbarinnen und Nachbarn sänken natürlich die Kosten pro Partei. Zudem sei im Land Bremen eine hohe Förderung möglich: bis zu 40 Prozent der förderfähigen Kosten (maximal 5000 Euro).

Die Voraussetzungen:

  • Die Immobilie steht in Bremen oder Bremerhaven
  • Eigentümer beziehungsweise Eigentümerin ist einverstanden.
  • Das Regenwasser wird sowohl für das WC als auch einen weiteren Zweck verwendet (beispielsweise Bewässerung des Gartens).
  • Die Maßnahme ist nicht Auflage in der Baugenehmigung, erfolgt also freiwillig.

„Wem die Kosten trotzdem zu hoch sind oder wo keine Möglichkeit zum Einbau besteht: Regenwasser im Garten zu nutzen, ist ebenfalls äußerst sinnvoll – auch wenn dafür leider keine Förderung möglich ist“, sagt Elke Meier.

Wie gehe ich vor, wenn ich Regenwasser nutzen will?

Für den ersten Schritt ist eine Beratung sinnvoll. Infomaterial und Adresslisten stellt die Bremer Umwelt Beratung zur Verfügung. Für den Förderantrag ist der Kostenvoranschlag eines Fachbetriebs nötig. Erst nach der Zusage sollte ein Auftrag erfolgen. Die Hausinstallation und den Anschluss des Speichers übernehmen dann Sanitärfachbetriebe, Baufirmen den Speichereinbau. Einen guten Überblick über am Markt befindliche Produkte gibt es in der Marktübersicht der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e.V., die in jedem Frühjahr neu aufgelegt wird und kostenlos von der Internetseite heruntergeladen werden kann.

Weitere Informationen zu Förderprogrammen zur Regenwassernutzung gibt es auf der Seite der Bremer Umwelt Beratung.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Mein Zuhause“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

zum Themenspecial „Mein Zuhause“

Autorenbild Alena Mumme

Von Alena Mumme

Ich bin Tagenbaren – meine Eltern und Großeltern sind also wie ich in Bremen geboren und aufgewachsen. Nur spannende Reisen locken mich aus meiner gemütlichen Heimatstadt.

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