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Silvestertraditionen – Karpfen
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Silvestertraditionen – von Fischschuppen, Himmelskäfern und einem giftigen Orakel

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Die Herkunft der Bräuche zum Jahreswechsel

Es gibt hierzulande zahlreiche Silvestertraditionen, um das alte Jahr zu verabschieden und das neue einzuläuten. Auch viele Bremerinnen und Bremer führen diese Bräuche gern fort. Doch wie sind diese überhaupt entstanden?

Wachsgießen – ehemals Bleigießen

Einen der bekanntesten Silvesterbräuche gibt es in althergebrachter Form gar nicht mehr: das Bleigießen. Das hat einen guten Grund, schließlich kann das Schwermetall Blei gesundheitsschädigend sein, wenn es erhitzt wird. Daher wurde es in den vergangenen Jahren durch Zinn oder Wachs ersetzt. In jedem Fall wird das Material zuerst über einer Kerze geschmolzen und dann in kaltes Wasser geworfen. Die entstandene Form und ihr Schattenwurf können dann frei interpretiert werden. Sie dienen dazu, die Zukunft des Gießenden für das kommende Jahr vorherzusagen. Tatsächlich war der Brauch bereits bei den alten Römern verbreitet.

Fischschuppe im Portemonnaie

Silvestertraditionen – Berliner
Wer hat „Glück“ und erwischt die Senffüllung? Mallivan/Freepik.com

Schon immer wollten die Menschen Glück fürs neue Jahr. Oft war es besonders in finanzieller Form begehrt. Daher waren und sind Linsen in vielen Regionen Deutschlands als Speise zum Jahreswechsel beliebt, da sie mit ihrer Form eine Münze repräsentieren. Ähnliches gilt für die Schuppe vom traditionellen Silvesterkarpfen, die ins Portemonnaie gehört. Eine besonders skurrile Tradition ist es, Berliner zu verteilen, von denen einer mit Senf gefüllt ist. Um den Schreck beim Biss ins Gebäck zu kompensieren, haben diejenigen, die die scharfe Füllung erwischen – natürlich – besonders viel Glück im kommenden Jahr.

Glückssymbole allerorten

Silvestertraditionen – Kleeblatt
In der Natur sind vierblättrige Kleeblätter selten – zu Silvester werden sie oft verschenkt. User17804885/Freepik.com

Überhaupt – Glück: Symbole dafür verstecken sich überall rund um den Übergang ins neue Jahr. Ein vierblättriges Kleeblatt etwa soll die biblische Eva als Andenken aus dem Paradies mitgenommen haben. Es ist in der Natur aber so selten, dass man schon „echt Schwein“ haben muss, um es zu finden. Apropos: Der Eber galt bereits bei den alten Germanen als heilig und stand in der Geschichte vieler Völker für Nahrung und Wohlstand. Daher wird ein Glücksschwein immer noch gern verschenkt – allerdings inzwischen meist aus Marzipan geformt. Oft ist ein Glückscent dabei. Der steht natürlich für Geldsegen. Die Herkunft könnten aber sogenannte Weihgroschen sein, die früher als Schutz gegen böse Hexen galten.

Eine ebenso beliebte Aufmerksamkeit für das neue Jahr ist – meist als Figur in einer Blume – der Schornsteinfeger. Fehlte der nämlich, bedeutete das besonders in früheren Zeiten: Kälte, kein warmes Essen und eine erhöhte Brandgefahr. Ebenfalls Pech hat, wer einen Fliegenpilz isst. Trotzdem gilt dieser heute als Glückssymbol. Das liegt vermutlich einerseits an seinem einzigartigen Aussehen, andererseits daran, dass er Sinnesstörungen auslösen kann und daher mit Zauberei in Verbindung gebracht wurde.

Silvestertraditionen – Marienkäfer
Marienkäfer darf man nicht abschütteln, sonst lauert Unglück. Oksix/Freepik.com

Eindeutig positiv ist dagegen die Bedeutung des Hufeisens. Das schützte nämlich die wertvollen und edlen Pferde der Menschen. Dieselbe Wirkung erhoffte man sich, wenn man es am Haus oder Schiffsmast anbrachte. Über einer Tür sollte es dem Teufel auf den Kopf fallen, sollte sich dieser Zutritt verschaffen wollen. Übersinnliche Herkunft schrieb man auch dem Marienkäfer zu, der den Christinnen und Christen als Bote der Mutter Gottes galt. Er soll etwa Kranke heilen und Kinder beschützen. Letztere freuen sich vor allem über eine Schokoladenversion des Käfers, die gern zu Silvester verschenkt wird.

„The same procedure as every year“

„Dinner For One oder Der 90. Geburtstag“ läuft am 31. Dezember im Fernsehen rauf und runter. Der Sketch aus dem Jahr 1961 gehört für viele Deutsche zum Jahreswechsel dazu, auch wenn sie ihn schon mitsprechen können. Elfmal stolpert Butler James (Freddie Frinton) über den Tigerteppich, 15 Mal muss er Miss Sophie (May Warden) zuliebe zum Sherry, Weißwein, Champagner beziehungsweise Portwein greifen. Die Produktion des NDR ist inzwischen die am häufigsten wiederholte Sendung des deutschen Fernsehens. Auch in zahlreichen anderen Ländern wird der 18-minütige Sketch am letzten Tag des Jahres ausgestrahlt. In seinem Ursprungsland Großbritannien hat er dagegen erst in den vergangen Jahren an Bekanntheit gewonnen.

Jahreswechsel mit Knall

Silvestertraditionen Wunderkerze
Vielleicht reichen in diesem Jahr Wunderkerzen statt Böller, um böse Geister zu vertreiben. Rawpixel.com/Freepik.com.jpg

Dieses Jahr ist die Böllerei wegen eventueller Überlastung der Notaufnahmen nicht empfohlen beziehungsweise verboten. Aber sonst gehört das große Knallen zur Geräuschkulisse an Silvester. Rund 122 Millionen Euro haben die Deutschen 2019 für Silvesterfeuerwerk ausgegeben. Doch warum eigentlich? Ursprünglich sollten mit den lauten Geräuschen böse Geister vertrieben werden. Dafür wurden in den vergangenen Jahrhunderten zuerst Töpfe und Rasseln verwendet. Auch Kirchenglocken und Musikinstrumente dienten der Geisterabwehr – genau wie Schüsse aus Kanonen und Gewehren. Später übernahmen dann Böller und Raketen diesen Job. 2020 entscheiden sich vielleicht viele Bremerinnen und Bremer, lieber für eine wohltätige Organisation ihrer Wahl zu spenden.


Silvestertraditionen – Neujahr
Die SPOT-Redaktion wünscht allen Leserinnen und Lesern eine effektive Fischschuppe, einen freien Schornstein und viel Fantasie beim Wachsgießen! Pvproductions/Freepik.com

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Autorenbild Alena Mumme

Von Alena Mumme

Ich bin Tagenbaren – meine Eltern und Großeltern sind also wie ich in Bremen geboren und aufgewachsen. Nur spannende Reisen locken mich aus meiner gemütlichen Heimatstadt.

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