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Collage mit Porträts von Maria Spatzek, Grillmaster Flash, Manfred Brocki und Ela Fischer an verschiedenen Orten im Bremer Viertel.
Friedhard Neumann

Das Viertel – erzählt durch seine Menschen

Ausstellung „Zwischen Haustür und Herz“

Mit seiner Porträtserie „Zwischen Haustür & Herz“ richtet der Bremer Fotograf Friedhard Neumann den Blick auf Menschen, die das Viertel prägen. Vom 4. August bis zum 4. September 2026 sind die Arbeiten in der Stadtteilfiliale Viertel zu sehen. Die Ausstellung zeigt Menschen, die durch ihre Arbeit, ihr Engagement, ihren Alltag oder ihre Persönlichkeit mit dem Quartier verbunden sind. Entstanden sind die Bilder über mehrere Jahre im Rahmen von Neumanns fotografischer Arbeit für das Stadtmagazin Bremen.

Im Kurzinterview spricht Friedhard Neumann darüber, wie die Serie entstanden ist, nach welchen Kriterien er die Porträtierten ausgewählt hat und was Besucherinnen und Besucher aus der Ausstellung mitnehmen können.



„Das Viertel lebt für mich ganz wesentlich von Begegnungen und Verbindungen“


Chris Chory steht mit verschränkten Armen und langem grauem Bart in seinem Heritage-Geschäft „Four Aces“ im Bremer Viertel.
Chris Chory ist Inhaber des Heritage-Geschäfts „Four Aces“ und bewahrt damit ein Stück Kiezkultur im Bremer Viertel. Friedhard Neumann

Wie ist die Idee entstanden, Menschen aus dem Bremer Viertel in einer gemeinsamen Porträtserie zu zeigen?

Friedhard Neumann: Die Idee ist eigentlich aus meiner fotografischen Arbeit für das „Stadtmagazin Bremen“ heraus entstanden. In den vergangenen Jahren hatte ich immer wieder die Gelegenheit, Menschen aus dem Viertel zu porträtieren. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele unterschiedliche Menschen und Geschichten hier auf engem Raum zusammenkommen. Das Viertel lebt für mich ganz wesentlich von diesen Begegnungen und Verbindungen. Irgendwann entstand der Wunsch, diese einzelnen Porträts zusammenzubringen und daraus ein gemeinsames Bild des Viertels zu entwickeln. Nicht als vollständige Abbildung, sondern als Momentaufnahme – erzählt über die Menschen, die hier leben, arbeiten und diesen Stadtteil auf ganz unterschiedliche Weise prägen.

Nach welchen Kriterien wurden die Menschen ausgewählt, die vor der Kamera standen?

Es gab kein festes Auswahlverfahren und auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Entscheidend war ihre Verbindung zum Viertel und die Frage, welche unterschiedlichen Facetten dieses Stadtteils durch die Menschen sichtbar werden können. Einige der Porträtierten sind öffentlich bekannt, andere vielleicht nur den Menschen, die ihnen im Alltag begegnen. Es gibt Menschen aus der Gastronomie, der Kultur, dem Handwerk, dem Sport und viele weitere. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf ihre eigene Weise mit dem Viertel verbunden sind. Mir war wichtig, diese unterschiedlichen Lebensrealitäten und Formen von Verbundenheit nebeneinander zu zeigen.


„Ich wünsche mir, dass sichtbar wird, wie vielfältig die Verbindungen zu einem Ort sein können“


Gab es eine Begegnung oder einen Moment während des Projekts, der besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gab nicht den einen besonderen Moment. Vielmehr sind es die vielen kleinen Begegnungen, die mir in Erinnerung bleiben. Oft entsteht während des Fotografierens ein Moment, in dem das eigentliche Porträt fast nebensächlich wird und ein echtes Gespräch beginnt. Besonders schön finde ich, dass sich durch die Arbeit immer wieder neue Verbindungen ergeben haben. Man begegnet einer Person, lernt durch sie weitere Menschen kennen und entdeckt dadurch wieder eine neue Seite des Viertels. Genau diese Vernetzung und Nähe empfinde ich als etwas sehr Typisches für das Viertel.

Was sollen die Besucherinnen und Besucher aus der Ausstellung über die Menschen und das Leben im Viertel mitnehmen?

Ich hoffe, dass die Besucherinnen und Besucher das Viertel nach dem Besuch vielleicht ein wenig anders betrachten. Dass sie bekannte Gesichter neu entdecken oder Menschen sehen, denen sie bisher noch nicht begegnet sind. Vor allem wünsche ich mir, dass sichtbar wird, wie vielfältig die Verbindungen zu einem Ort sein können. Ein Viertel besteht nicht nur aus Häusern, Straßen und Geschäften, sondern vor allem aus den Menschen, die ihm ihre Geschichten, ihre Arbeit, ihre Energie und ihre Persönlichkeit geben. Die Ausstellung möchte deshalb kein vollständiges Porträt des Viertels liefern. Sie ist vielmehr eine Einladung, innezuhalten, hinzuschauen und vielleicht auch die eigene Verbindung zu diesem besonderen Stadtteil neu wahrzunehmen.


Menschen, die das Viertel prägen

Regina Heygster steht lächelnd mit den Händen in den Hüften im farbig beleuchteten Bremer Friedenstunnel.
Regina Heygster initiierte den Bremer Friedenstunnel und engagiert sich als ehrenamtliche Hospizhelferin. Friedhard Neumann

Die im Interview beschriebene Vielfalt zeigt sich in den Porträts ganz konkret. Friedhard Neumann versammelt Menschen aus Gastronomie, Kultur, Handwerk, Sport und gesellschaftlichem Engagement – bekannte Persönlichkeiten ebenso wie Gesichter, die vor allem im Alltag des Viertels präsent sind.

Zu den Porträtierten gehört beispielsweise Maria Spatzek, die von 1981 bis 2023 das Wiener Hofcafé in der Weberstraße führte. Ihre Erinnerungen erzählen von einer Gastronomie, in der es lebhaft und direkt zuging und Gäste ganz selbstverständlich mit anpackten. Manfred Brocki, Leiter der Bremer Filmkunsttheater, steht für die Kinokultur des Viertels. Seit beinahe vier Jahrzehnten prägt er die Bremer Kinolandschaft und versteht das Kino als Ort der Konzentration, nicht lediglich des Konsums.

Auch Musiker Jonny Glut, Erfinder des „Waterkantry“, ist Teil der Serie. Seine Lieder sind vom Meer und von zahlreichen unterwegs gesammelten Geschichten geprägt. Seinen sicheren Hafen hat er jedoch im Milchquartier gefunden. Die Ausstellung führt außerdem in unterschiedliche Arbeits- und Lebenswelten: zu Mehrdad Rofoogar, dessen Familie seit Generationen das Wissen über Herstellung und Restaurierung von Teppichen weitergibt, oder zu Chris Chory, der mit seinem Heritage-Geschäft „Four Aces“ ein Stück Kiezkultur bewahrt.

Mit Ela Fischer, Regina Heygster, Güngör Cerrah, Grillmaster Flash und Arnd Zeigler kommen weitere Perspektiven hinzu – aus Kunst, Musik, Gastronomie, Fußball und gesellschaftlichem Engagement. So entsteht eine vielstimmige Momentaufnahme des Viertels und der Menschen, die es prägen.

„Zwischen Haustür & Herz“ – Porträts aus dem Viertel von Friedhard Neumann:

  • 4. August bis 4. September 2026, Stadtteilfiliale Viertel
  • Vernissage am Dienstag, 4. August 2026, 18.30 Uhr
  • Öffnungszeiten: montags 9 bis 16.30 Uhr, dienstags und donnerstags 9 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags 9 bis 13 Uhr.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Kunst in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

zum Themenspecial „Kunst in Bremen“

Autorenbild Alena Mumme

Von Alena Mumme

Ich bin Tagenbaren – meine Eltern und Großeltern sind also wie ich in Bremen geboren und aufgewachsen. Nur spannende Reisen locken mich aus meiner gemütlichen Heimatstadt.

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