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Kornquartier Bremen Strassenszene
Hilmes Lamprecht Architekten BDA

Stadtteilentwicklung: Mit dem Kornquartier entsteht ein neues Viertel für die Neustadt

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Bis 2025 soll an der Kornstraße neuer nachhaltiger Wohnraum samt Manufakturen und Platz für Kultur geschaffen werden

In unserer Reihe zur Stadtteilentwicklung geben wir Einblick in die verschiedenen Quartiere Bremens. Dieses Mal geht es um das geplante Kornquartier in der Neustadt.

Das Kornquartier soll ein Leuchtturmprojekt für die Neustadt, Bremen und über die Stadtgrenzen hinaus werden. Noch liegt das einstige Gewerbeareal an der Kornstraße zwar brach. Doch die Planungen für das neue Viertel laufen auf Hochtouren. SPOT hat mit Jost Paarmann, Architekt und Geschäftsführer der zuständigen Projektentwicklung Kornstraße GmbH, über die Ideen für das Quartier, die Vision, den Zeitrahmen, aber auch die Befürchtungen von Anwohnerinnen und Anwohnern gesprochen.

Wie soll das Kornquartier aussehen?

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Das Kornquartier stellt sich nachhaltig auf – mit wenig Platz für Autos, dafür mit Raum für öffentliche Oasen. Hilmes Lamprecht Architekten BDA

Knapp drei Hektar umfasst die Fläche an der Kornstraße, auf der ein ganz besonderer Mix geschaffen werden soll. „Dort wird nicht nur Wohnraum entstehen“, betont Jost Paarmann. Vielmehr solle es ein ganzer Lebensraum werden. „Wir wollen Wohnen, Arbeiten und Gewerbe ermöglichen“, so der Projektplaner. Diese Mischung solle sich insbesondere auch innerhalb der einzelnen Gebäude wiederfinden. „Es sind demnach Flächen für Co-Working und Co-Living geplant“, erläutert Jost Paarmann. „Das können zum Beispiel Räumlichkeiten für kleine Büros und Start-ups sein, auf denen gleichzeitig gewohnt werden kann. Früher hat man dazu Wohngemeinschaft, also WG, gesagt. Heute nennt man dies Shared Space“, so der Experte. Dieser richte sich auch an Familien. „Gleichzeitig gibt es im Quartier Areale für betreutes Wohnen und für gefördertes sowie freies Wohnen.“ Im Bereich Gewerbe setzen die Planerinnen und Planer derweil auf Manufakturen – zum Beispiel eine Schuster-, eine Fahrradwerkstatt oder eine Tischlerei.

Ein zentraler Punkt sei zudem, kein abgeschottetes Quartier zu entwickeln. „Vielmehr möchten wir öffentliche Räume schaffen“, berichtet Jost Paarmann. Dabei handele es sich etwa um Flächen für eine Kita, für Gastronomie, eine Art Marktplatz sowie Areale für Events, Kultur und zum Beispiel für Ausstellungen. Das sei eine spannende Aufgabe – insbesondere, wenn man bedenkt, dass dies alles mehr oder weniger autofrei, regenerativ und nachhaltig gestaltet werden soll. „Das ist eine wirklich moderne und nach unserer Meinung visionäre Mischung.“

Das Kornquartier nachhaltig in die Neustadt integrieren

Rund 300 Wohneinheiten sind geplant. Demnach könnten nach Fertigstellung rund 800 Menschen mehr in den Neustadt leben. „Das ruft natürlich Befürchtungen von Anwohnerinnen und Anwohner hervor“, das ist Jost Paarmann bewusst. Diese beziehen sich insbesondere auf das bereits heute als zu hoch empfundene Verkehrsaufkommen. Auch die Projektplanung für das Kornquartier stößt dabei an Grenzen. Zumal laut Jost Paarmann das aktuelle Verkehrskonzept der Stadt nicht zufriedenstellend ausgearbeitet ist. Daher versteht er die Ängste, die über Stadtteilinitiativen kommuniziert werden. Er betonte aber: „Das Problem ist dabei nicht das künftige Quartier. Denn es ist als grünes Viertel geplant.“ Das bedeutet, dass dort nur wenige Stellplätze für Autos eingeplant sind. Vielmehr würden künftige Bewohnerinnen und Bewohner gesucht, die gar nicht über ein eigenes Auto verfügen beziehungsweise Carsharing nutzen. „Vorbild sind dabei Städte wie Amsterdam und Kopenhagen, die die Reduktion des Autoverkehrs bereits lange geschafft haben.“

Neben der Planung des Quartiers und der Umsetzung ist für die Mitarbeitenden und Verantwortlichen der Projektentwicklung Kornstraße der Dialog im Stadtteil eine unerlässliche Aufgabe. „Wir wollen die Befürchtungen ausräumen und die Menschen in der Neustadt für unsere Idee begeistern. Deshalb agieren wir von Anfang an öffentlich und haben die Beiräte mitgenommen“, erläutert Jost Paarmann. Transparenz ist dabei weiterhin die Devise für die nächsten Schritte.

Wann beginnt der Bau des Kornquartiers?

Noch ist das Areal als Gewerbegebiet im Bebauungsplan der Stadt Bremen ausgewiesen. Dies muss im Laufe des Jahres 2021 umgewidmet werden, damit dort zum Beispiel künftig das Wohnen möglich ist. „Das rechtliche Prozedere dazu läuft aktuell über die Baubehörde. In diesem ganzen Prozess gibt es noch einmal eine größere öffentliche Beteiligung. Dabei geht es auch um die Qualität der Architektur für das Quartier“, so der Planer.

Die ersten Baufelder sollen dann laut Jost Paarmann 2022 vorbereitet werden. Den Baustart sieht er im ersten Quartal 2022. „Dann geht es sukzessive weiter. Uns ist bewusst, dass Baustellen im Stadtteil immer eine Belastung sind. Daher versuchen wir, alles möglichst kurz zu halten und fließend zu bauen.“ Letzteres bedeutet, dass vorn im Quartier bereits gewohnt werden kann, während weiter hinten noch gebaut wird. „Und 2025 würden wir dann gern fertig sein.“ 

Ein Vorzeigequartier für die Stadt – von Bremerinnen und Bremern

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Das geplante Kornquartier soll Wohnen, Arbeiten, Gewerbe sowie Kunst und Kultur verbinden. Hilmes Lamprecht Architekten BDA

Bei der Entwicklung und Umsetzung des Kornquartiers steht ausdrücklich Bremer Know-how im Fokus. „Ich empfinde als Architekt immer einen Zwiespalt, wenn tolle Flächen in Bremen von Kolleginnen und Kollegen aus Dänemark, Holland, Frankreich beziehungsweise von einem Stararchitekten wie Daniel Libeskind bebaut werden. Das ist schön als internationales Leuchtturmprojekt. Aber andersherum haben wir unglaublich viel Qualität von der Planung bis zu den Kreativen in Bremen“, betont Jost Paarmann. Daher seien sie stolz, das Projekt mit hiesigen Fachkräften durchzuführen. „Dies fängt bei der Werbeagentur an, geht weiter beim Filmteam bis zur Landschaftsplanung. Und es gilt ebenso für die Planung und Architektur. Hier haben Fachleute aus Bremen die Wettbewerbe gewonnen.“ Er hoffe auch, dass das Generalunternehmen, das dann letztlich baut, aus der Hansestadt komme.

„Dieser Ansatz ist in der Art eine einmalige Sache in Bremen. Wir nutzen einfach die Vielfalt der Stadt“, sagt Jost Paarmann. „Und diese Mischung mit den alternativen Nutzungsmöglichkeiten gibt es so in Bremen gerade nicht. Das war früher im ,Viertel‘ so, hat sich aber auch gewandelt. Letztendlich installieren wir also ein neues ,Viertel‘ – mitten in der Neustadt.“

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Stadtteilentwicklung: Ein Herz für die Neustadt – Interview mit der Stadtteilmanagerin

Das Stadtteilmanagement in der Neustadt hat seit 2005 die Aufgabe, das Quartier weiterzuentwickeln und die Akteure und Akteurinnen vor Ort bei den Herausforderungen der Zukunft zu begleiten, zu unterstützen, zu fördern und zu vernetzen. Im Fokus stehen dabei die lokale Wirtschaft und die Kultur, aber auch die Anbindung zur Innenstadt sowie zu weiteren Quartieren. Im Interview berichtet Stadtteilmanagerin Astrid-Verena Dietze über die aktuelle Situation und Pläne für die Zukunft.

Autorenbild Steffi Urban

Von Steffi Urban

Vom Harz in die Hansestadt: Inzwischen lebe ich seit mehr als zehn Jahren in Bremen und entdecke mit Kamera und Klapprad immer noch tolle neue Ecken.

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