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Vier zeitgenössische Kunstwerke hängen mit Abstand an einer weißen Galeriewand im Kunstraum „wach“ in Bremen – darunter Fotografien von Landschaften sowie eine abstrakte, farbige Bildarbeit.
Kunstraum „wach“

Neuer Kunstraum „wach“ in Bremen: Internationale Gegenwartskunst in der Wachmannstraße

Kuo-Wei Lin bringt internationale Perspektiven und neue Ideen nach Bremen

Zwischen Cafés, kleinen Läden und Altbremer Häusern ist in der Wachmannstraße ein neuer Ort für zeitgenössische Kunst entstanden. Der Kunstraum „wach“ zeigt internationale Positionen der Gegenwartskunst – und öffnet gleichzeitig ein Schaufenster für die Bremer Kulturszene.

Internationale Erfahrung trifft Bremer Kunstraum

Außenansicht des Kunstraums „wach“ in der Wachmannstraße in Bremen: Ein kleines weißes Gebäude mit großem Schaufenster, durch das Kunstwerke im Ausstellungsraum sichtbar sind.
Der Kunstraum „wach“ in der Wachmannstraße bringt internationale zeitgenössische Kunst nach Bremen. Kunstraum „wach“

Hinter dem Projekt steht der Künstler Kuo-Wei Lin. In Taiwan geboren, studierte er in Frankreich, London und Berlin und schloss dort 2011 als Meisterschüler ab. Seine Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem bei der Taipei Biennale, im Hangar Barcelona und im Casino Luxembourg. Mit „wach“ bringt er seine internationalen Erfahrungen und Netzwerke nun nach Bremen – und schafft einen offenen Ort für Kunst mitten im Stadtteil.

Die Hansestadt als kreativer Knotenpunkt

Der Umzug in die Hansestadt war Lin eine bewusste Entscheidung. Die Stadt überzeugte ihn durch ihre überschaubare Größe, kurze Wege und eine lebendige Kulturszene. „Es ist fast alles mit dem Fahrrad zu erreichen, es gibt viel Natur, dennoch gibt es eine reiche und vielseitige Kulturszene – und unter den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt ist eine große Offenheit und Interesse dafür“, sagt er.

Gleichzeitig versteht er diesen Schritt nicht als Abschied von Berlin, sondern als Erweiterung seines Netzwerks: „Es ist kein ‚Verlassen‘ Berlins, sondern eher ein Verweben beider Städte.“

Eine spontane Idee wird zum Kunstraum

Der eigene Kunstraum entstand dagegen ungeplant. „Das hat sich eher unverhofft ergeben“, berichtet Lin. Den leerstehenden Laden in der Wachmannstraße hatte er nur für eine einzelne Ausstellung ins Auge gefasst. Um die Mindestmietdauer zu überbrücken, entwickelte er schließlich ein Konzept für mehrere Ausstellungen – und schnell zeigte sich, dass die Idee Potenzial hat. Die Resonanz war groß, zusätzlich erhielt das Projekt eine Förderung des Senators für Kultur Bremen. Aus der spontanen Zwischennutzung wurde so Schritt für Schritt der Kunstraum „wach“.

Ein Ort für Experimente, Gespräche und neue Perspektiven

Der Kunstraum zeigt Ausstellungen zeitgenössischer Kunst – von Malerei über Fotografie bis hin zu Zeichnung – ergänzt durch eine Auswahl an künstlerischen Publikationen und Editionen, die auch käuflich zu erwerben sind und so die Kunstschaffenden sowie den Raum unterstützen. „So ein Raum ist zudem immer auch Experimentierfeld – das ist die Qualität dieser für eine Stadt und Gesellschaft so wichtigen Orte“, betont Lin. „Kunst ermöglicht ein Innehalten und kann Perspektiven aufzeigen, die sonst nicht unbedingt sichtbar oder erfahrbar wären.“

Eine Hand zeichnet mit einem Bleistift feine, geschwungene Linien auf blaues Papier; zwischen den Linien liegen kleine Steine, die Teil der Arbeit „Letter to the sea“ von Eleni Mouzourou sind.
Eleni Mouzourou, „Letter to the sea“: Die Zeichnung verbindet feine Linien mit gefundenen Steinen und untersucht Prozesse von Bewegung, Zeit und Beobachtung. Kunstraum „wach“/Eleni Mouzourou

„Aktuell bin ich mit verschiedenen möglichen Kooperationspartnern im Gespräch, um unser Programm zu erweitern und begleitend zu den Ausstellungen auch andere Veranstaltungen zu ermöglichen.“ Gerade in Bremen entstünden solche Verbindungen schnell. „Man kann hier schnell Netzwerke schließen, und innerhalb der Kulturszene gibt es einen sich gegenseitig unterstützenden Zusammenhalt. Wir werden innerhalb der Szene sehr wohlwollend empfangen.“

Kunst im Alltag – und mitten im Stadtteil

Auch die Nachbarschaft reagiert neugierig auf den neuen Ort. Die großen Fensterfronten machen Kunst sichtbar und laden zum spontanen Entdecken ein. „Viele Nachbarn begrüßen ‚wach‘ als bereichernden Ort, der ihnen in der Straße bisher gefehlt hat“, erzählt Lin. Gerade diese Mischung aus internationaler Perspektive, lokaler Verankerung und spontanen Begegnungen prägt die Atmosphäre des Kunstraums.

Zeichnung als konzentrierte Beobachtung

Ab dem 7. März folgt die nächste Ausstellung im „wach“. Gezeigt werden Zeichnungen und Drucke der Berliner Kunstschaffenden Eleni Mouzourou. Die Arbeiten beginnen mit einer einfachen Geste – einem Strich auf Papier – und entwickeln sich durch Wiederholung weiter. So entstehen Zeichnungen, die Fragen nach Zeit, Wachstum und Wahrnehmung aufwerfen. „In dieser Form der Konzentration liegt ein großes Potenzial“, erklärt Lin. Begleitend zur Ausstellung sind offene Workshops geplant, bei denen Interessierte selbst zeichnen können – ganz ohne Vorkenntnisse.

Ein wachsender Ort für Kunst in Bremen

Mit „wach“ entsteht in der Wachmannstraße ein neuer kultureller Treffpunkt, der internationale Perspektiven mit lokalem Engagement verbindet. Ein Ort, der zeigt, wie lebendig und offen zeitgenössische Kunst sein kann – und wie sie ihren Platz mitten im Alltag eines Stadtteils findet.

Die Ausstellung „Drawing Time“ der Berliner Kunstschaffenden Eleni Mouzourou widmet sich dem Prozess des Zeichnens: Aus einfachen Linien und wiederholten Gesten entstehen Arbeiten, die Fragen nach Zeit, Bewegung und konzentrierter Beobachtung sichtbar machen.

Eröffnung: Samstag, 7. März 2026, 19 Uhr
Ausstellung: 7. März bis 25. April 2026

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag: 10 bis 13 Uhr und 16 bis 18 Uhr
Samstag: 10 bis 13 Uhr
Termine nach Vereinbarung

Ort: wach Kunstraum, Wachmannstraße 44, 28209 Bremen

Wach Kunstraum

Der Wach Kunstraum wird von dem Künstler Kuo-Wei Lin betrieben, der mit dem Projekt sowohl internationale Gegenwartskunst nach Bremen bringt als auch einen Ort für die lokale Kunstszene schaffen möchte.

Zum Kunstfinder

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Kunst in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

zum Themenspecial „Kunst in Bremen“

Autorenbild Katharina Resmer

Von Katharina Resmer

In bin in Niedersachsen geboren, in Bremen-Nord aufgewachsen, habe in Hamburg zu mir selbst gefunden – und bin nun endlich wieder in der kleineren Hansestadt angekommen, um zu bleiben. Wandern, Fahrradfahren und Tagträumen – all das klappt ganz wunderbar in der neu-alten Heimat.

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