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HAG Gewerbepark GmbH

Hag-Quartier: „Die Leute merken, dass hier etwas passiert“

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Stadtteilentwicklung in der Überseestadt

In unserer Reihe zur Stadtteilentwicklung geben wir Einblick in die verschiedenen Quartiere Bremens. Dieses Mal geht es um das HAG-Quartier in der Überseestadt. Darüber sprachen wir mit Peter Menning. Er ist Geschäftsführer der HAG Gewerbepark GmbH und kümmert sich mit seinem Team um die Wiederbelebung des Areals. Und da hat sich in den vergangenen rund zehn Monaten bereits einiges getan – äußerlich und innerlich.

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Das HAG-Quartier erstreckt sich über 40.000 Quadratmeter. Dort siedeln sich immer mehr Manufakturen, aber auch Kunst, Kultur und vieles mehr an, sodass ein lebendiges Viertel entsteht. HAG Gewerbepark GmbH

Seit dem Sommer 2020 wird auf dem etwa 40.000 Quadratmeter großen Areal in der Überseestadt zwischen dem sogenannten Fabrikenufer sowie Rigaer Straße und Cuxhavener Straße ordentlich malocht. Das ist fast so wie früher, als dort noch deutlich mehr Produktionsstätten angesiedelt waren und vor allem Hafenarbeiter aus aller Welt dort die Ware löschten. „Ein Industriegebiet sind wir immer noch, wenn auch kein klassisches“, erzählt Peter Menning. „Dafür haben sich zum Beispiel neue Betriebe und Manufakturen angesiedelt. Und hier befindet sich weiterhin einer der größten Kaffeeumschlagplätze.“

Frischer Anstrich, neue Fenster und mehr

Wer aktuell durch das HAG-Quartier fährt, sieht auf den ersten Blick viele Veränderungen. „Wir haben die Außenbereiche aufgeräumt. Das heißt circa 30 Lkw-Ladungen Schutt und Erde weggefahren. Außerdem ist das historische Kopfsteinpflaster auf 4000 Quadratmetern wiederhergestellt worden. Nun ist das ganze Grundstück wieder befahrbar – ohne in Sandhaufen steckenzubleiben“, berichtet Peter Menning. Darüber hinaus seien unter anderem im Bürogebäude sämtliche Eingänge neu gefliest worden, die Fassaden an der Hagstraße sind einheitlich hell gestrichen, und diverse Gebäude seien mit neuen Fenstern bestückt worden.

„Wir haben auch die Eventhalle im Kaba-Gebäude fertiggestellt. Dort können, wenn es Corona-bedingt wieder möglich ist, zum Beispiel Geburtstage, Hochzeiten und Galas veranstaltet werden“, so Peter Menning. Laut dem Geschäftsführer kann auch der historische Marmorsaal etwa für ein Get-Together nach der Trauung genutzt werden.

Viel getan hat sich ebenfalls im an den Marmorsaal angrenzenden Lloyd Caffee. „Das hat einen neuen Holzfußboden und einen Wintergarten bekommen. Zudem steht der Röster jetzt an der Seite und nicht mehr mitten im Raum“, beschreibt Peter Menning.

Neue Nutzungen im HAG-Quartier

Mit der Auffrischung und Sanierung des Areals zieht immer mehr neues Leben in das Quartier ein. Und die Mischung ist extrem vielfältig. Es gibt Flächen für Büros, Lager, Produktion, Events, Konferenzen, Besprechungen, Gastronomie, Handwerk, Ateliers, Kultur, Kitas, Erwachsenenbildung und vieles mehr.

Im Bürogebäude sitzt laut Peter Menning zum Beispiel Bremedia Produktion, eine Untergesellschaft von Radio Bremen. „Hier wird jetzt der Bremer ,Tatort‘ produziert.“ Auch die Constantin Film aus München habe Büros gemietet und produziere für das ZDF.

Weitere Neuzugänge sind etwa Cross Coffee, der Popcornhersteller Goldcorn sowie weitere Manufakturen. Den 60 Meter hohen Schornstein nutzt derweil eine rts-Tochter für das Training von Industriekletterern – und mit rts hat sich eine weitere Tec-Firma rund um das Thema Windkraft angesiedelt.

Natürlich laufen auch die Verhandlungen rund um die Neuvermietung weiter. „Wir sind in Gesprächen mit dem Klaus-Kuhnke-Archiv, das ins sogenannte Kaba-Gebäude einziehen könnte“, so Peter Menning. Für den bekannten HAG-Turm wird es wohl in Kürze ebenfalls eine neue Verwendung geben.

Viel Potenzial für die Zukunft

Dies sind nur einige Beispiele, was gerade im HAG-Quartier passiert. Vor diesem Hintergrund könnte sich der Geschäftsführer scheinbar schon jetzt entspannt zurücklehnen, oder? „Ich lehne mich zwar gerade zurück – aber nur, weil ich ein bisschen den Ausblick auf die Weser genieße. Ansonsten gibt es noch unendlich viel zu tun. Auch wenn schon viele neue Mieterinnen und Mieter eingezogen sind. Doch insgesamt haben wir abzüglich des Parkhauses circa 50.000 Quadratmeter zum Vermieten.“

So sei etwa Gebäude 16 eine „wahre Perle“, die jedoch noch gar nicht angefasst wurde. „Mein Wunsch ist, dass dort eine Gastronomie hineinkommt. Hier müssen wir aber noch mit den entsprechenden Stellen verhandeln. Es gibt dort zwar produzierendes Gewerbe, etwa durch die Manufakturen rund um die Bremer Stadtfabrikanten sowie die Roland-Mühle, aber eine Lärm- und Geruchsemmission wie in früheren Zeiten ist eben nicht mehr vorhanden.“ Daher baue man darauf, dass künftig auch eine Gastronomie erlaubt werde.

Ein besonderes Flair im HAG-Quartier

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Der alte Hafen- und Industriekulisse bietet beste Bedingungen für neue Unternehmen im HAG-Quartier. HAG Gewerbepark GmbH

Alte, teils denkmalgeschützte Gebäude in einem sehr guten Zustand, eine spannende Historie, sehr vielfältige Mieterinnen und Mieter, eine gute Nachbarschaft sowie eine gute Anbindung an die Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Das alles bestimmt schon jetzt das Flair im HAG-Quartier. „Langfristig möchten wir hier auch eine Art Campus-Atmosphäre schaffen“, betont Peter Menning. Die Entwicklung des Areals mache jedenfalls Spaß, sei aber auch herausfordernd: „Wir haben noch viele Flächen. Und nicht alle Objekte sind für alles nutzbar, da sie zum Beispiel eine sehr große Gebäudetiefe haben und dadurch bauartbedingt kein Tageslicht im Innenbereich vorhanden ist.“

Hinzu komme, dass es vieler Abstimmungen bedarf – mit den unterschiedlichsten Entscheidungsträgern und -trägerinnen in der Stadt und mit den Behörden. „Aber die Leute merken, dass hier etwas passiert. Es ist eine Veränderung da. Und die bereits eingezogenen neuen Mieterinnen und Mieter fühlen sich gut aufgehoben. Das spricht sich rum. So bekommen wir derzeit sehr viele Mietanfragen“, freut sich der Geschäftsführer.

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Autorenbild Steffi Urban

Von Steffi Urban

Vom Harz in die Hansestadt: Inzwischen lebe ich seit mehr als zehn Jahren in Bremen und entdecke mit Kamera und Klapprad immer noch tolle neue Ecken.

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