
Die Blaue Karawane aus Bremen
Bunt und fröhlich leben die unterschiedlichsten Menschen in der Überseestadt als Nachbarn zusammen
Ein zwölf Meter großes blaues Kamel mitten in der Bremer Überseestadt? Das gibt es dort tatsächlich – und es heißt Wüna. Es steht vor der Blauen Manege und gehört zum gemeinnützigen Verein Blaue Karawane in der Überseestadt – einer Gemeinschaft, die seit mehr als 40 Jahren zeigt, wie gut das Miteinander ganz unterschiedlicher Menschen funktionieren kann. Der Verein setzt sich zur Förderung der Integration von sozial benachteiligten und ausgegrenzten Menschen ein und betreibt mit dem BlauHaus in der Überseestadt ein Zentrum für lebendige Begegnungen und kulturelle Vielfalt. Das Kamel steht dabei sinnbildlich für den Transport kostbarer Kulturgüter durch unwegsame Gegenden und den damit verbundenen Austausch verschiedener Lebensarten.
Die Blaue Karawane steht für Integration

Die Geschichte der Blauen Karawane begann Anfang der 1980er-Jahre. Damals wurde im etwa 40 Kilometer entfernten Blankenburg die psychiatrische Anstalt Kloster Blankenburg aufgelöst. Viele der Menschen, die dort lebten, kamen aus der Hansestadt. Im Durchschnitt hatten sie etwa 16 Jahre in der Einrichtung verbracht – eine lange Zeit. Und plötzlich stellte sich eine ganz praktische Frage: Wie findet man nach so vielen Jahren zurück in ein möglichst normales Leben?
Diese Frage beschäftigte damals auch Klaus Pramann. Der Psychiater, Neurologe und Psychotherapeut war seit 1981 in Bremen tätig. Er gehört zu den Mitbegründern der Blauen Karawane in Bremen. Für ihn war klar: Es musste sich etwas ändern. Es konnte nicht darum gehen, eine große Einrichtung aufzulösen und die Menschen anschließend einfach in kleineren Häusern unterzubringen. „Vielmehr ging und geht es doch um Integration, um ein gutes Miteinander“, betont er.

Die erste Blaue Karawane zog von Triest bis nach Bremen
Als sich 1985 die erste Blaue Karawane von Triest auf den Weg durch Deutschland bis nach Bremen machte, waren auch einige Bewohner und Bewohnerinnen sowie Mitarbeitende aus Blankenburg dabei. Dieser Zug aus Menschen mit und ohne Erfahrungen in der Psychiatrie, Künstlern und Künstlerinnen machte mit Theater, Kunst und Aktionen auf die Situation von Menschen in psychiatrischen Einrichtungen aufmerksam. „Plötzlich wurden die gewohnten Rollen unwichtig. Einer kochte, der nächste organisierte. Nicht die Frage, wer Patient oder Patientin und wer Mitarbeiter oder Mitarbeiterin war, stand im Vordergrund. Sondern das, was jeder Einzelne beitragen konnte“, betont Pramann. Daraus entstand etwas anderes in Bremen: eine Gemeinschaft, die auch nach der Rückkehr in die Hansestadt weitermachen wollte.
Das BlauHaus-Projekt – auf die Mischung kommt es an

Das BlauHaus-Projekt in der Bremer Überseestadt bietet genau das: ein buntes Miteinander. „Rund 180 Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen sowie mit und ohne Fluchterfahrung, Jung und Alt, Berufstätige, Familien und Singles leben hier in den 83 Wohnungen zusammen“ erklärt Klaus Pramann. Dabei handelt es sich um ein selbstorganisiertes gemeinschaftliches Wohnprojekt. Wer Hilfe im Alltag benötigt, bekommt sie. Ansonsten sind die Menschen im BlauHaus vor allem eines: Nachbarinnen und Nachbarn.
Durch Kurse, Veranstaltungen und gemeinsame Erlebnisse wächst die Gemeinschaft weiter zusammen. Die Blaue Manege sowie der BlauHausGarten bieten Möglichkeiten, sich besser kennenzulernen und sich mit seinen Fähigkeiten in die Gemeinschaft einzubringen.
Die Blaue Manege steht für fröhliches Treiben

An der westlichen Seite des BlauHaus-Projekts befindet sich die Blaue Manege, ein Holzgebäude mit charakteristischer Sheddach-Architektur. Dort, am Kommodore-Johnsen-Boulevard, sind nicht nur Veranstaltungsräume zu finden, sondern auch die Holzwerkstatt, das Keramikatelier und Büros. Hier wird getöpfert und gewerkelt, gemalt und musiziert, gemeinsam gekocht und gegessen, gefeiert oder einfach zusammengesessen. Jeder ist herzlich eingeladen, sich auszuprobieren. Immer wieder gibt es neue Kurse und Aktivitäten. „Alle, die eine Idee haben, dürfen sie gerne mitbringen“, sagt Klaus Pramann. „Und Menschen, die ehrenamtlich mit anpacken möchten, sind ebenfalls jederzeit herzlich willkommen.“
Das blaue Kamel Wüna jedenfalls steht immer noch von Zeit zu Zeit vor der Blauen Manege, meist bei besonderen Veranstaltungen. Und das passt ziemlich gut. Denn auch wenn die Blaue Karawane inzwischen in der Bremer Überseestadt ein festes Zuhause hat – am Ende ihrer Reise ist sie noch lange nicht angekommen.
Autorin: Daniela Conrady
Weitere Informationen gibt es auf der Website der Blauen Karawane.
Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Vereine in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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