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Selbstoptimierung – Fitnesstracker
Pixabay/Pearlsband

Vom Schrittzähler bis zum Schlaftracker – der Trend zur Selbstoptimierung

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Chancen und Risiken der stetigen Kontrolle

Gerade in Zeiten von Corona fällt auf: Wer viel Zeit zu Hause verbringt, will zumindest das Beste daraus machen. Oftmals wird ein Hobby ausgebaut oder etwas ganz Neues trainiert beziehungsweise gelernt, beispielsweise Laufen, Kochen, ein Instrument oder eine Sprache. Doch auch schon vor der Zeit der Pandemie war ein Trend zur Selbstoptimierung zu beobachten. Viele wollen das Optimum aus sich herausholen. Das birgt viele Chancen, aber auch Risiken.

Schneller, effektiver, besser: Welche Self-Tracker gibt es?

Zur Kontrolle von Leistung stehen mittlerweile zahlreiche technische Geräte und Apps zur Verfügung, sogenannte Self-Tracking-Gadgets. Sie machen die Selbstoptimierung leichter. Denn beworben werden die Wearables (tragbare Messgeräte) oft als Herausforderung – Ansporn, Motivation und tägliche Erinnerung inklusive. Viele der Tracker drehen sich um Fitness, andere aber auch um Ernährung oder Schlaf. Die Auswahl ist mittlerweile riesig.


  1. Schrittzähler

    Mit einem Fitnessarmband fing für viele die Selbstoptimierung an. 10.000 Schritte pro Tag sind für die meisten das erklärte Ziel. (Wobei diese Zahl wohl eher auf einem Werbegag als auf einer medizinischen Empfehlung basiert.) Als Ansporn ist ein Schrittzähler trotzdem gut geeignet. So geht man etwa in der Mittagspause um den Block oder macht eine Besorgung zu Fuß, um einen Erfolg verbuchen zu können.

  2. Bewegungstracker

    Ob beim Jogging, Wandern oder Radfahren: Ein Bewegungstracker misst Dauer, Geschwindigkeit, Strecke, Höhenmeter und mehr. Unterschiedliche Sportarten beziehungsweise Bewegungsformen können in diversen Apps eingestellt werden. Gegebenenfalls werden auch gleich Herzfrequenz, Kalorienverbrauch und Leistungssteigerungen angegeben.

    Selbstoptimierung – Bewegungstracker
    Mit einem Bewegungstracker, etwa einem Fitnessarmband, lassen sich sportliche Leistungen aufzeichnen. Pixabay/StockSnap
  3. Schlaftracker

    Ein Schlaftracker misst die Qualität und Länge des Schlafs. Dafür zeichnet er nächtliche Bewegungen auf, teils auch Geräusche wie Schnarchen oder die Herzfrequenz. Auf diese Weise sollen Nutzerinnen und Nutzer erkennen, ob sie beispielsweise ausreichend lange schlafen und ob der Schlafrhythmus ihrem persönlichen Bedürfnis entspricht. Die Funktion ist in manchen Wearables wie Smartwatches und Fitnessarmbändern bereits integriert. Ansonsten bietet sich eine App an – dann muss allerdings das Smartphone mit ins Bett.

  4. Trinktracker

    Wer zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt, merkt die Auswirkungen wie Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwächen meist erst spät. Gerade in höherem Alter schwindet das Durstgefühl. Helfen sollen Trinktracker. Diese erinnern als App regelmäßig daran, ein Glas Wasser zu sich zu nehmen. Die benötigte Menge (abhängig etwa von Alter, Geschlecht und Aktivitäten) kann individuell im Trinkwecker eingestellt werden.

  5. Ernährungstracker

    Es gibt Ernährungstracker mit unterschiedlichen Zielen. Manche zählen Kalorien, andere achten auf eine ausgewogene Ernährung. In den meisten Fällen bedeuten sie einen recht hohen Aufwand – schließlich muss jede Mahlzeit und jeder Snack eingegeben werden. Dabei bieten die Apps verschiedene Systeme: vom Scannen der Barcodes von Lebensmitteln über individuelle Eingaben bis zu gespeicherten Lieblingsmahlzeiten. Übrigens: Ernährungstracker werden teilweise von der Krankenkasse als Bestandteil eines Bonussystems zur Verfügung gestellt.

  6. Smarte Waage

    Körperfettanteil, Muskelmasse, Body-Mass-Index (BMI), Gewichtsentwicklung: Alles kann eine moderne Waage analysieren und aufzeichnen. Dafür wird für jedes Haushaltsmitglied ein eigenes Profil erstellt. Per Bluetooth werden die Daten auf das Smartphone gespielt.


Tracking rund um die Uhr – Vor- und Nachteile einer ständigen Selbstkontrolle

Selbstoptimierung – Fitnessarmband
„Wie viel habe ich heute geleistet?“ Tracker sorgen für Selbstkontrolle. Pixabay/Nikin

Tracking hat unumstrittene Vorteile: Wer es nutzt, versteht seinen Körper besser und erkennt eventuell vorliegende Probleme. Auch in Sachen Selbstdisziplin ist es hilfreich, immer mal wieder erinnert und motiviert zu werden.

Andererseits bestehen auch Gefahren: Wo liegt die Grenze zwischen Selbstoptimierung und Selbstüberwachung? Mancher verfällt womöglich in eine Art Dauerkontrolle und beschäftigt sich nur noch mit den Zahlen, die seine Tracker ausspucken. Dadurch besteht auch die Gefahr, nicht mehr auf den eigenen Körper zu hören – die Eigenwahrnehmung leidet. Dazu kommt das Frustpotenzial, wenn sich selbst gesteckte Ziele nicht erreichen lassen. Wer täglich die 10.000 Schritte knacken will, ist womöglich enttäuscht, wenn abends nur 8000 auf der Uhr stehen.

Ebenfalls schwierig ist der Druck, sich ständig selbst mit anderen zu vergleichen. Wenn beispielsweise eine Freundin eine Joggingstrecke bei Facebook hochlädt, die sie in einem Bruchteil der selbst benötigten Zeit abgelaufen ist, kann das demotivierend wirken. Es ist in diesen Fällen ratsam, auch einmal nachsichtig mit sich selbst zu sein.

Ein weiteres Problem der Selbstoptimierung mit Wearables: Manche Apps und Geräte sind wahre Datensammelmaschinen. Hier sollte man also genau im Blick behalten, wie die Daten verwendet werden, warnt die Verbraucherzentrale.

Selbstoptimierung
Selbstoptimierung kann zu immensem psychischem Druck führen. Pixabay/Trang Le

Die Alternative: Müßiggang

Wer eine Pause von der Selbstoptimierung braucht, muss sich dafür keinesfalls schämen. Im Gegenteil: Gelegentliche Muße und Langeweile tun dem Menschen gut. Wer zur Ruhe kommt, kann seinem Geist erlauben, abzuschweifen. Sich einfach nichts vorzunehmen, keine Pläne zu machen, den Tag auf sich zukommen zu lassen: Das ist momentan leichter als im sonst streng durchgetakteten Alltag – aber trotzdem und gerade deshalb für viele eine echte Herausforderung.

Autorenbild Alena Mumme

Von Alena Mumme

Ich bin Tagenbaren – meine Eltern und Großeltern sind also wie ich in Bremen geboren und aufgewachsen. Nur spannende Reisen locken mich aus meiner gemütlichen Heimatstadt.

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