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Bremen Krimi
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Bremenkrimi: Dörthe Petersens dritter Fall

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Ermittlungen im Bremer Viertel

Nostradamus und das Pendel des TodesDie Bremer Autorin Martha Bull ist mit den sechsteiligen Krimireihe um die Rentnerin Frau Friese bekannt geworden, die in Peterswerder den einen oder anderen Kriminalfall gelöst hat. Inzwischen ermittelt mit Dörthe Petersen eine neue Protagonistin in der Hansestadt. In Martha Bulls neuestem Bremen-Krimi „Nostradamus und das Pendel des Todes“ sieht sich die Malerin aus dem Bremer Viertel bereits in ihren dritten Fall verstrickt.

Rechtsextreme auf der Esoterikmesse

Durch zufällige Umstände verschlägt es Dörthe Petersen auf eine Esoterikmesse, wo sie einem befreundeten Buchhändler aushilft. Doch schnell stellt sich heraus, dass einige der dort vorgestellten Bücher gewagte Theorien dubioser Heilslehren vertreten – darunter auch das vom Buchhändler besonders angepriesene Werk „Pendel des Nostradamus“. Als eine Gruppe Rechtsextremer die Messe stürmt, findet sich Dörthe Petersen unvermittelt in einem neuen Kriminalfall wieder. Wie schon in den ersten beiden Büchern tut sich sie sich mit ihrer Nachbarschaft aus dem Viertel zusammen, um in dem Fall zu ermitteln.

Martha Bull hat mit „Nostradamus und das Pendel des Todes“ wieder eine fesselnde und unterhaltsame Kriminalgeschichte im bremischen Gewandt aufs Papier gebracht. Ob es auch noch zu einem vierten Teil mit Frau Petersen kommt und wer die Autorin bei ihren Figuren inspiriert, beantwortet sie in unserem Kurzinterview.


Sie haben sich als Krimiautorin einen Ruf gemacht. Was schätzen Sie an diesem Genre besonders?

Martha Bull: Meine Romane sind ja keine Krimis im Sinne von Polizeiromanen. Im Zentrum steht eine Frau, die unfreiwillig in die Fälle hineingerät und sich kümmern muss, um nicht unterzugehen. Die Kriminalhandlung ist ein äußerer Rahmen, der die Struktur vorgibt, und an dem ich mich mit dem, was mir wichtig ist, entlanghangeln kann. Ich spiele sozusagen frei innerhalb der äußeren Struktur. Wichtig ist mir immer ein bestimmtes Thema, beispielsweise die Einsamkeit bei Waltraud Friese in „Frau Friese und der Fenstersturz“. Bei Dörthe Petersens „Nostradamus“ ist es die Frage, wie weit der Mensch für seine obskuren Ideen geht. Mir geht es weniger um den Kriminalaspekt als um das, was das mit einem Menschen macht. Ich mag Krimis also, weil sie logisch sind, aber mir das Fantasieren nicht verbieten.


„Dörthe Petersen ist eine typische Viertel-Frau mit linker Vergangenheit.“


Nach den Frau-Friese-Büchern steht nun Dörthe Petersen im Mittelpunkt Ihrer Geschichten. Was zeichnet die beiden Protagonistinnen aus – und haben sie möglicherweise Gemeinsamkeiten?

Martha Bull: Beide Frauen sind keine Detektivinnen und rutschen in die Fälle hinein. Sie sind sehr bodenständig und in ihrem Stadtteil – Peterswerder und Viertel – fest verankert. Dörthe Petersen ist etwas jünger, flexibler und nicht so sehr aufs Viertel fixiert. Sie geht mehr nach außen, während Waltraud Friese zurückgezogen lebt. Beide leben ohne familiäre Bande in ihrem Kreis der engen Freundinnen und Freunde. Sie sind lebensklug – auch, wenn Waltraud Friese einen schlichteren Bildungsstand hat. Außerdem verfügen beide über einen bissigen, scharfen Humor. Dörthe Petersen hadert mehr mit ihrer Lebenssituation, da sie von ihrer Kunst nicht leben kann und sie das zwingt, sich mit lästigen Jobs über Wasser zu halten. Wodurch die Malerei auch immer viel zu kurz kommt. Während Waltraud Friese unpolitisch ist (sie ist auch in den berühmten 68ern nie auf eine Demo gegangen), allerdings klare politische Ansichten hat, ist Dörthe eine typische Viertel-Frau mit linker Vergangenheit.

Dürfen sich Fans auf einen weiteren Teil mit Frau Petersen freuen? Gibt es schon Ideen?

Martha Bull: Solange mir etwas einfällt, werde ich weiterschreiben. Aber über neue Ideen rede ich nicht, solange sie nicht weitgehend fertig sind.

Martha Bull
Autorin Martha Bull hat schon einige Bremenkrimis mit Protagonistinnen aus dem Viertel geschrieben. Kellner Verlag

„Manche Figuren sind ein Gegenentwurf zum Freundeskreis.“


Lassen Sie sich bei Ihren Krimifiguren von Menschen in Ihrem Umfeld inspirieren?

Martha Bull: Das lässt sich nicht vermeiden, dass ich eher unbewusst Erlebnisse und besondere Eigenschaften wiedergebe. Aber bewusst mache ich es sehr selten und auch nur bei Menschen, die ich nicht wirklich kenne. Es sind eher zufällige Begegnungen, die ich wiedergebe, die ich in der Regel verfremde. Ich glaube, Autorinnen und Autoren können kaum Menschen erfinden, die nicht mit der Umgebung zu tun haben – und sei es als krasses Gegenteil wie Frau Friese, die für mich ein Gegenentwurf zu meinem Freundeskreis war.

Sie arbeiten in der Kinderbibliothek im Viertel. Animiert Sie das möglicherweise, eines Tages ein Kinderbuch zu schreiben?

Martha Bull: Das war für mich der Anfang. Ich wollte immer Kinderliteratur schaffen, also habe ich 2007 einen Jugendroman verfasst: „Die Videobotschaft“, der beim Langlhofer-Verlag erschienen ist. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht mein Genre ist. Schon die technische Sprache der Jugendlichen macht mir Probleme. Ich bin zwar nicht internetabstinent, besitze aber nicht einmal ein Smartphone. Daher müsste ich ständig nachfragen, was dieser oder jener Begriff bedeutet. So kann ich nicht schreiben. Außerdem fühlt es sich für mich nach Anmaßung an, wenn ich als alte Frau für Jugendliche schreibe. Andere können es, sehr gut sogar, aber es ist nicht meine Zielgruppe.

Die gebürtige Bonnerin Martha Bull lebt seit gut 40 Jahren in Bremen. 2007 debütierte sie mit dem Jugendroman „Die Videobotschaft“. Seitdem schreibt die Autorin Bremenkrimis. Die Reihe um Dörthe Petersen ist – nach den Geschichten mit Waltraud Friese – bereits die zweite, die im Kellner Verlag erscheint. Das aktuelle Buch „Nostradamus und das Pendel des Todes“ (ISBN: 978-3-95651-296-4) ist 328 Seiten stark und für 14,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

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Autorenbild Boris Fischer

Von Boris Fischer

Moin! Als gebürtiger Kieler Sprotte, fiel der Wechsel nach Bremen nicht allzu schwer. Werder, Weser und entspannte Nordlichter machen das Leben in der Hansestadt jederzeit lebens- und liebenswert.

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