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Eine Pflegerin legt einer Senioren die Hand auf die Schulter. Die Seniorin lächelt. Symbolbild für Pflegeversicherung Bremen Beratung
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Pflegeversicherung und häusliche Versorgung im Fokus

Bremer Fachmann Jürgen Weemeyer gibt Tipps zu Leistungen und Anträgen

Wenn ein Mensch pflegebedürftig wird, stehen Angehörige oft vor vielen Fragen – organisatorisch, emotional und finanziell. Um in dieser herausfordernden Situation Orientierung zu geben, laden die Sparkasse Bremen und der mobile Sozial- und Pflegedienst vacances zu einer Infoveranstaltung am Donnerstag, 19. Februar 2026, um 18.30 Uhr in die Stadtteilfiliale Schwachhausen ein. Im Mittelpunkt des Vortrags steht das Thema „Pflegeversicherung und häusliche Versorgung“.

Wie lassen sich Leistungen der Pflegeversicherung konkret nutzen? Welche Unterstützung gibt es im Alltag? Und was bedeutet es überhaupt, Pflege zu Hause zu organisieren? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt Jürgen Weemeyer, Gerontologe und Geschäftsführer des Bremer Pflegedienstes vacances, der als Experte durch die Veranstaltung führt. Dank jahrzehntelanger Erfahrung in der ambulanten Pflege bringt er nicht nur Fachwissen, sondern auch Einblicke aus der Praxis mit. SPOT sprach mit dem Bremer Fachmann über das Thema Pflegeversicherung und pflegende Angehörige.


Portrait von Jürgen Weemeyer, Geschäftsführer von vacances Pflegedienst Bremen
Jürgen Weemeyer ist Teil der Geschäftsführung von vacances Mobiler Sozial- und Pflegedienst. vacances

SPOT: Die Pflegeversicherung ist ein sehr wichtiges Thema, das spätestens im Alter nahezu jeden betrifft. Aber es ist gleichzeitig ein sehr komplexes Thema, mit dem sich nur die wenigsten Menschen auskennen.

Jürgen Weemeyer: Dass es die Pflegeversicherung gibt, weiß jeder. Doch wie man praktisch vorgehen muss, um einen Pflegegrad zu beantragen und Leistungen zu beziehen, wissen viele gar nicht. Was die Pflegegrade 1 bis 5 eigentlich bedeuten, welche Leistungen es mit dem jeweiligen Pflegegrad gibt und wie diese kombinierbar sind, ist den meisten ebenfalls unbekannt.

Vielleicht scheuen sich manche Menschen auch, sich damit auseinanderzusetzen. Viele sagen: Gut, dass es die Pflegeversicherung gibt, aber noch besser, dass ich sie gar nicht brauche. Sie verbinden mit dem Begriff Pflegeversicherung etwas Defizitäres: dass sie etwas nicht mehr können. Bei vielen Menschen ist das Gefühl da: Ich muss erst ganz schlimm krank sein und pflegebedürftig sein, bevor ich Leistungen in Anspruch nehmen kann. Eigentlich ist die Versicherung aber so konzipiert, dass sie einen präventiven Charakter hat. Das heißt, sie soll dabei helfen, eine Verschlechterung des körperlichen Zustands zu verhindern und Belastungen zu minimieren.

Das Ziel der Leistungen auf Basis der Pflegeversicherung ist also unter anderem, dass die Menschen möglichst lange möglichst selbstständig zu Hause leben können.

Genau, und das mit möglichst wenig Unterstützung, aber mit der Unterstützung, die notwendig ist. Und bei vielen ist es so, dass sie versuchen, so viel wie möglich selber zu machen und alleine hinzukriegen. Der Klassiker ist dann aufgrund der Überlastung ein Sturz in der Wohnung, oft ein Oberschenkelhalsbruch. Und durch dieses Ereignis ist die Person plötzlich auf ganz viel Hilfe angewiesen. Hätte die Person vorher ein bisschen Unterstützung angenommen, vielleicht für die schweren Arbeiten im Haushalt, dann wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen.


„Viele verbinden die Pflegeversicherung zwar gedanklich mit einem Pflegedienst, aber es gibt eine ganze Reihe an weiteren Leistungen, die ohne Pflegedienst genutzt werden können.“


Ist der Bezug von Leistungen aus der Pflegeversicherung gleichbedeutend damit, dass nun Pflegedienste zu Hause ein- und ausgehen?

Zwar verbinden viele die Pflegeversicherung gedanklich mit einem Pflegedienst, also mit Krankenpflegern oder Krankenschwestern, die nach Hause kommen. Aber tatsächlich gibt es noch eine ganze Reihe an weiteren Dienstleistungen, Serviceangeboten, Hilfestellungen, Hausnotrufgeräten und Ähnlichem, die ohne Pflegedienst genutzt werden können. Außerdem muss man nicht sofort eine Dienstleistung in Anspruch nehmen. Dennoch sollte man grundlegendes Wissen über den Themenbereich haben – egal, ob die Person mit Pflegegrad sich um alles selbst kümmern möchte oder ob es pflegende Angehörige gibt.

Eine Seniorin legt einem Senior liebevoll eine Hand an die Wange und lächelt. Symbolbild für Leistungen aus der Pflegeversicherung Bremen für pflegende Angehörige
Auch in Bremen betreuen überwiegend Angehörige die Pflegebedürftigen zu Hause. Freepik.com

Denn ein Unfall oder ein medizinischer Notfall kann dazu führen, dass ein Mensch plötzlich sehr viel Unterstützung benötigt. Dann stehen die Angehörigen da und müssen ganz viel organisieren. Deswegen ist es einfach hilfreich, dass man sich im Vorfeld mit dem Thema beschäftigt hat und geschaut hat, welcher Dienstleister kommt für mich infrage? Ist der Pflegebedürftige im Fall der Fälle zum Beispiel mit einer Kurzzeitpflege in einem Altenheim einverstanden? Man hat also idealerweise ein paar Adressen und Ansprechpartner in der Schublade, um im Notfall relativ zügig ein Hilfesystem organisieren zu können.

Was sind die häufigsten Fragen oder Probleme von Bremerinnen und Bremern, die vor der akuten Herausforderung stehen, sich mit Pflege und Pflegeversicherung zu beschäftigen?

Wann kann ich einen Antrag auf Pflegegrad stellen? Bin ich leistungsberechtigt? Unsere Erfahrung ist, dass die meisten viel zu lange mit dem Antrag warten. Es herrscht leider die Vorstellung vor, dass man dafür so pflegebedürftig sein muss, dass etwa jeden Morgen jemand kommt, um beim Waschen und Anziehen behilflich zu sein. Wie gesagt, gibt es auch schon weit vorher präventive Unterstützungsleistungen. Der Pflegegrad ist wie eine Eintrittskarte zum Hilfesystem und man muss den Pflegedienst gar nicht sofort in Auftrag nehmen.

Eine weitere häufige Frage lautet: Wie funktioniert das Verfahren der Antragstellung eines Pflegegrades eigentlich? Wie kann ich mich auf die Prüfung durch den Medizinischen Dienst vorbereiten? Dabei sollte man nicht den bestmöglichen Eindruck machen wollen, sondern sich konkret und realistisch überlegen, was man für den Pflegebedürftigen alles übernimmt oder wo man selber Hilfe durch jemanden braucht. In vielen Fällen arbeitet ein Pflegedienst sehr eng mit den Angehörigen zusammen. Beide Seiten teilen sich die Versorgung. Der Dienstleister übernimmt bestimmte Tätigkeiten, aber den größten Teil macht immer noch die Familie. Dann ist die Frage: Welches ist die beste Kombination?

Ein Mann lächelt einer Senioren zu und umarmt sie. Symbolbild für pflegende Angehörige in Bremen
Pflegende Angehörige leiden oft unter Überlastung. Die Pflegeversicherung kann unterstützen. Freepik.com

„Es ist sinnvoll, frühzeitig zu gucken, welche Entlastung es durch die Pflegeversicherung für pflegende Angehörige gibt.“


Ist die Familie tatsächlich der größte Pflegedienst der Nation?

Der Großteil der Pflegebedürftigen wird von Angehörigen versorgt, also durch die Familie und nicht durch einen Pflegedienst. Unserer Erfahrung nach sind es bestimmt 80 Prozent. Man weiß allerdings, dass viele pflegende Angehörige nach einer bestimmten Zeit signifikant mehr psychische Erkrankungen aufweisen als andere Personen. Sie leiden etwa unter Vereinsamung und Überlastung. Auch deswegen ist es sinnvoll, frühzeitig zu gucken, welche Entlastung es auch für pflegende Angehörige gibt.

Kurzzeitpflege – beziehungsweise heißt es nach der aktuellen Pflegereform „Entlastungsbudget“ – ist ein gutes Beispiel. Es ermöglicht dem Pflegenden, eine Auszeit zu nehmen, ohne dass dies zulasten des Pflegegeldes geht. Ein anderes Beispiel ist eine Haushaltshilfe, die den pflegenden Angehörigen einige Arbeiten abnehmen kann. Wenn man solche Möglichkeiten der Entlastung nicht nutzt, dann ist das zum einen ärgerlich, und zum anderen schadet die oder der pflegende Angehörige sich selbst und der eigenen Gesundheit.

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Autorenbild Kristina Bumb

Von Kristina Bumb

Für die Leserinnen und Leser außergewöhnliche Orte erkunden und interessante Menschen kennenlernen – das macht den Beruf der rasenden Reporterin so spannend.

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