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Senioren spricht mit einer jüngeren Frau, sie schauen sich in die Augen und lächeln. Symbolbild für Marte Meo Bremen
Adobe Stock/ pikselstock

Die Marte-Meo-Methode in der Pflege Demenzkranker

Bremer Heimstiftung hält in der Sparkasse Bremen Vorträge zu dem besonderen Ansatz im Umgang mit der Erkrankung

Die Bremer Heimstiftung zählt zu den größten Altenhilfeträgern in Bremen. Neben ihren zahlreichen Einrichtungen und Wohnangeboten für ältere Menschen sowie Pflegebedürftige engagiert sie sich auch in der Beratung und Qualifizierung im Umgang mit demenziellen Erkrankungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der sogenannten Marte-Meo-Methode, einer videobasierten, ressourcenorientierten Begleitform, die nicht nur Fachkräften, sondern auch Angehörigen neue Perspektiven eröffnet.

In Kooperation mit der Sparkasse Bremen lädt die Bremer Heimstiftung regelmäßig zu Vorträgen zu den Themen Marte Meo und Demenz in den Stadtteilfilialen ein. SPOT hat mit Sabine Grupe vom internationalen Marte-Meo-Kompetenzzentrums der Bremer Heimstiftung, darüber gesprochen.

SPOT: Frau Grupe, was ist das Marte-Meo-Kompetenzzentrum der Bremer Heimstiftung

Portraitfoto von Sabine Grupe vom Kompetenzzentrum Marte meo der Bremer Heimstiftung
Sabine Grupe ist Marte-Meo-Licenced-Supervisorin. Bremer Heimstiftung

Sabine Grupe: Wir haben 2012 erstmals im Rahmen einer Fachtagung zum Thema Demenz von der Marte-Meo-Methode gehört. Danach haben wir eine Expertin vom norddeutschen Marte-Meo-Institut eingeladen – und waren direkt überzeugt. Daraufhin haben wir mit mehreren Kolleginnen und Kollegen die verschiedenen Ausbildungsstufen durchlaufen. Ich selbst habe mich bis zur Supervisorin weiterqualifiziert. Das bedeutet, wir haben bei uns das gesamte Qualifikationsspektrum erreicht – das ist in der Altenpflege nicht selbstverständlich. 2022 ernannte uns die Begründerin der Marte-Meo-Methode, Maria Aarts, zum internationalen Kompetenzzentrum.

Wird die Methode auch in den Häusern der Bremer Heimstiftung angewendet?

 Ja, durchgängig. Unsere Mitarbeitenden werden regelmäßig geschult, weil wir von der Wirksamkeit der Methode überzeugt sind. Als dreijähriges Projekt hat die Bremer Heimstiftung  jetzt ein Marte-Meo-Pilothaus, wo das ganz intensiv implementiert wird: unser Stadtteilhaus Huchting in der Tegeler Plate. Dort leben Menschen mit Demenz. Das gesamte Team – von der Reinigungskraft bis zur Hausleitung – ist mit der Marte-Meo-Methode vertraut. Schon jetzt sind 93 Prozent aller Mitarbeitenden geschult.


„Bei Marte Meo geht es darum, mit kurzen Videoaufnahmen herauszufinden, was Menschen – trotz Erkrankung – noch gut gelingt.“


Was ist Marte Meo einfach erklärt? 

Marte Meo ist eine videobasierte, sehr positive Methode im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen. Es geht darum, mit kurzen Videoaufnahmen herauszufinden, was Menschen – trotz Erkrankung – noch gut gelingt. Die Analyse dieser Aufnahmen erfolgt durch speziell geschulte Fachkräfte. Im Fokus steht dabei nicht das Defizit, sondern das Potenzial. Angehörige erhalten dadurch Werkzeuge, wie sie wieder in einen guten Kontakt kommen – selbst in schwierigen Pflegesituationen. In unseren Vorträgen in den Stadtteilfilialen der Sparkasse Bremen zeigen wir Filme mit grundlegenden Marte-Meo-Elementen, die den Angehörigen auch ohne spezielle Ausbildung im Alltag helfen können. Die Teilnehmenden unserer Vorträge bekommen so ein kleines Handwerkszeug für die Interaktion mit demenziell Erkrankten zu Hause.

Eine Kamera filmt eine Seniorin und eine Pflegerin bei einer Unterhaltung. Symbolbild für Marte Meo Bremen
Per Videoaufzeichnung wird eine Interaktion in kleinsten Schritten analysiert, um Ansatzpunkte für gutes Gelingen zu ermitteln. Kristina Lohmeyer-Bumb / AI

Können Sie ein Beispiel für ein Marte-Meo-Element nennen?

Ein erstes Element ist zum Beispiel die Kontaktaufnahme. Dazu gehören Dinge wie ein freundlicher Blick, eine wohlwollende Stimme, ein Gespräch auf Augenhöhe und das Ansprechen mit dem Namen – gefolgt von einer kurzen Wartezeit, damit eine Reaktion möglich ist. So kann ein Demenzerkrankter oder eine Demenzerkrankte überhaupt erst wieder in Beziehung treten. Und durch diese Form der Interaktion lassen sich herausfordernde Verhaltensweisen oft schon mit kleinen Mitteln deutlich entschärfen. Marte Meo bringt spürbare Entspannung in den Alltag – für beide Seiten.


„Menschen mit Demenz können mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung oft mehr als man denkt.“


Was bewirkt das bei den Betroffenen?

Es geht darum, Selbstvertrauen und Selbstständigkeit zu fördern. Aus diesem Gedanken ist auch der Name Marte Meo entstanden – lateinisch für: aus eigener Kraft. Menschen mit Demenz können mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung oft mehr als man denkt – das stärkt ihr Selbstwertgefühl. Und natürlich ist es auch für Angehörige schön zu erleben, dass der Mensch nicht „weg“ ist, sondern dass es viele Momente des Gelingens gibt. Ein Element der Methode heißt zum Beispiel: die schönen Momente genießen. Man kann gemeinsam lachen, sich freuen – das ist sehr wertvoll.

Portrait von Alexandra Geib vom Kompetenzzentrum Marte Meo der Bremer Heimstiftung
Alexandra Geib ist Marte-Meo-Trainerin und -Therapeutin. Bremer Heimstiftung

Für wen ist Marte Meo geeignet?

Für alle. Marte Meo ist von der Geburt bis zum Lebensende anwendbar, auch in Interaktionen unter nicht Erkrankten. Und es ist ebenfalls bei schwerster Demenz wirksam. Ich habe zwei Studiengänge absolviert und viele Ansätze kennengelernt. Aber bei Marte Meo bin ich wirklich angekommen, weil ich sehe, wie es demenziell Erkrankten, ihren Angehörigen und den betreuenden Fachkräften unterstützt.

Die Bremer Heimstiftung hält ebenfalls einen Vortrag zum Thema Demenz in der Sparkasse Bremen. Worum geht es genau?

Meine Kollegin Alexandra Geib vom Kompetenzzentrum gibt in ihrem Vortrag einen Überblick über die Alzheimer-Demenz, die häufigste Form der Demenz. Sie stellt die verschiedenen Stadien vor, erklärt, was verloren geht – und was bleibt. Gefühle zum Beispiel bleiben erhalten – egal, wie fortgeschritten die Erkrankung ist. Außerdem gibt es praktische Tipps und Hinweise zu Beratungsangeboten wie dem Verein DIKS – der Bremer Demenz-Informations- und Koordinationsstelle – und zu deren telefonischer Helpline Demenz für Angehörige. Ziel ist immer: Hilfe zur Selbsthilfe und Stärkung im Alltag.

Vorträge der Bremer Heimstiftung zu Marte Meo

Anmeldungen sind über den jeweiligen Link möglich.

Vorträge der Bremer Heimstiftung zu Demenz

Anmeldungen sind über den jeweiligen Link möglich.

  • Stadtteilfiliale Findorff, Donnerstag, 5. März 2026, 18.30 Uhr – Vortrag: Aktiv mit Demenz
  • Stadtteilfiliale Huchting, Montag, 23. März 2026, 17 Uhr  – Vortrag: Aktiv mit Demenz
  • Stadtteilfiliale Neustadt, Montag, 4. Mai 2026, 17 Uhr – Vortrag: Aktiv mit Demenz
  • Stadtteilfiliale Obervieland, Montag, 15. Juni 2026, 17 Uhr – Vortrag: Aktiv mit Demenz
  • Stadtteilfiliale Lesum, Montag, 7. September 2026, 17 Uhr – Vortrag: Aktiv mit Demenz

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Autorenbild Kristina Bumb

Von Kristina Bumb

Für die Leserinnen und Leser außergewöhnliche Orte erkunden und interessante Menschen kennenlernen – das macht den Beruf der rasenden Reporterin so spannend.

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