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Blaudruck
Heimatmuseum Scheeßel

Die Geschichte des Blaudrucks

Wie aus weißem Stoff ein blaues Kunstwerk entsteht

Blaudruck ist viel mehr als ein hübsches Muster auf Stoff. Die jahrhundertealte Handwerkstechnik erzählt von Indien, dem europäischen Handel mit Übersee, alten Färberberufen und der Industrialisierung. In Bremen lässt sich bei einem Vortrag in der Stadtteilfiliale im Viertel erfahren, wie aus einem Stück weißem Stoff ein „blaues Wunder“ wird.

Blaudruck
Larissa und Thomas Meyer-Bohe informieren über das Thema Blaudruck. Petra Stubbe

Weiße Blumen, Ornamente oder geometrische Muster auf tiefblauem Grund: Blaudruck ist unverwechselbar. Was heute nach traditionellem Kunsthandwerk aussieht, war einst eine innovative Technik, die eng mit dem internationalen Handel verbunden war. Indigo aus Asien, neue Textilien und handgeschnitzte Druckmodeln veränderten im 17. und 18. Jahrhundert die europäische Stoffproduktion.

Wer mehr über die Technik und ihre Geschichte erfahren möchte, kann am 14. September 2026 beim Vortrag „Blaudruck kennenlernen“ in der Stadtteilfiliale im Viertel ab 17:30 Uhr kostenlos mehr über das Handwerk erfahren. Dabei geht es nicht nur um die Herstellung, sondern auch um historische, künstlerische, kriminalistische und kolonialgeschichtliche Zusammenhänge. Larissa und Thomas Meyer-Bohe berichten im ihrem Vortrag über das Thema aus vielen Blickpunkten. Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist empfohlen.

Das Geheimnis liegt im Handwerk

Blaudruck
Das Heimatmuseum in Scheeßel widmet dem Blaudruck eine Dauerausstellung. Heimatmuseum Scheeßel

Blaudruck funktioniert zunächst anders, als der Name vermuten lässt. Das Muster wird nämlich nicht blau auf den Stoff gedruckt. Stattdessen wird der Stoff zunächst mit einer speziellen Schutzmasse, dem sogenannten „Papp“, bedruckt. Anschließend kommt der Stoff in ein Indigo-Färbebad. Nach dem Färben wird die Schutzschicht wieder entfernt. Erst dann zeigt sich das typische Ergebnis: ein weißes Muster auf blauem Grund.

Besonders faszinierend ist dabei die Verwandlung des Indigo: Nach dem Herausnehmen aus der Färbetonne kann der Stoff zunächst gelblich oder grünlich erscheinen. Erst durch den Kontakt mit Sauerstoff entwickelt sich das charakteristische Blau. Dieses kleine „Wunder“ steckt sogar in einer bekannten Redewendung: Wer „sein blaues Wunder erlebt“, hat sprachlich betrachtet eine direkte Verbindung zur Färbetechnik.

Von Indien nach Europa

Die Geschichte des Blaudrucks reicht weit zurück. Die Technik des Reservedrucks war bereits in verschiedenen Regionen Asiens bekannt. Eine entscheidende Rolle für die europäische Entwicklung spielte jedoch der Handel mit Indien. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelangten sowohl Indigo als auch Kenntnisse über entsprechende Drucktechniken über Reisende und Händler der Niederländischen Ostindien-Kompanie nach Europa. Die farbintensiven indischen Stoffe stießen auf großes Interesse. In Europa entwickelte sich daraufhin eine eigene Tradition des Stoffdrucks.

Vom beliebten Handwerk zum Nischenprodukt

Seine Blütezeit erlebte der Blaudruck im 18. und 19. Jahrhundert. Bedruckt wurden unter anderem Leinen- und Baumwollstoffe für Kleidung, Bettwäsche, Vorhänge oder Tischwäsche. Doch mit der Industrialisierung veränderte sich die Textilproduktion grundlegend. Maschinen konnten Stoffe schneller, günstiger und in großen Mengen bedrucken. Für die kleinen handwerklichen Blaudruckereien wurde es zunehmend schwieriger, mit der industriellen Produktion mitzuhalten. Viele Werkstätten mussten schließen. Heute ist der traditionelle Blaudruck deshalb ein vergleichsweise seltenes Handwerk. In Deutschland gibt es nur noch wenige Werkstätten. Das Wissen über Modeln, Reservage und Färbung wird dort häufig von Generation zu Generation weitergegeben.

Blaudruck ist UNESCO-Kulturerbe

Dass diese jahrhundertealte Technik trotzdem bis heute lebendig geblieben ist, würdigt auch die UNESCO. 2016 wurde der Blaudruck in Deutschland in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. 2018 folgte die Aufnahme des Blaudrucks, des sogenannten Modrotisk, Kékfestés und Modrotlač, in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Deutschland, Österreich, Tschechien, die Slowakei und Ungarn hatten das Handwerk gemeinsam für die internationale Liste vorgeschlagen. Damit wird deutlich: Blaudruck ist längst nicht nur ein deutsches Phänomen, sondern Teil einer europäischen Handwerkstradition. Das Heimatmuseum in Scheeßel hat dem Blaudruck eine eigene Abteilung gewidmet.

Ein Stück Geschichte zum Entdecken

Wer Blaudruck heute betrachtet, sieht deshalb mehr als ein traditionelles Stoffmuster. In den weißen Ornamenten auf blauem Grund steckt eine Geschichte von globalem Handel und kolonialen Verflechtungen, technischen Entwicklungen und handwerklichem Wissen. Gleichzeitig zeigt der Blaudruck, wie sich eine alte Technik bis heute erhalten und weiterentwickeln kann.

Der kostenlose Vortrag „Blaudruck kennenlernen“ von Larissa und Thomas Meyer-Bohe findet am 14. September ab 17:30 Uhr in der Stadtteilfiliale Viertel in Bremen statt. Um eine Anmeldung zur Veranstaltung wird gebeten.

Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Immer wieder darf ich tolle und spannende Menschen aus unser schönen Stadt kennenlernen! Lebenswert, lebensfroh und lebensnah: Bremen, ich liebe Dich :-)

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