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Stadtteilköpfe: Inga Köstner vor dem Ortsamt Horn-Lehe
Alena Mumme

Stadtteilköpfe: Mitten in Horn-Lehe

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Ortsamtsleiterin Inga Köstner: "Die Menschen identifizieren sich voller Stolz mit ihrem Stadtteil"

Es gibt besondere Menschen im Stadtteil. Sie fallen auf, weil sie besonders präsent sind, sich für etwas engagieren oder in in der Nachbarschaft aktiv sind. Einer dieser „Stadtteilköpfe“ ist Inga Köstner, Ortsamtsleiterin in Horn-Lehe.

Die Abendsonne lässt das ehemalige Landhaus Louisenthal erstrahlen, als Inga Köstner die Tür des Ortsamts öffnet. Dieses fungierte nicht als Meldestelle, sondern als Stadtteilmanagement. Es fördert dabei die Zusammenarbeit zwischen Einwohnerinnen und Einwohnern, den Beiräten sowie den Behörden. Wir treffen uns außerhalb der Öffnungszeiten – die Ortsamtsleiterin kommt während ihrer Elternzeit nur sporadisch vorbei. Heute will sie im Anschluss zu einem ihrer Lieblingsorte im Stadtteil: zum Theater am Deich.


Seit wann arbeiten Sie im Ortsamt Horn-Lehe?

Inga Köstner: Ich bin seit dem 1. Dezember 2014 Leiterin des Ortsamtes Horn-Lehe.

Wohnen Sie selbst im Stadtteil?

Mein Wohnsitz befindet sich in Bremen-Nord, was sich manchmal als vor- und manchmal als nachteilhaft erweist.

Was macht den Stadtteil aus?

Der Stadtteil Horn-Lehe besteht nicht nur aus den Ortsteilen Horn, Lehe und Lehesterdeich, die durch den Heerstraßenzug und die Straßenbahnlinie 4, die

Inga Köstner an ihrem Schreibtisch. Das Ortsamt agiert als Stadtteilmanager und vermittelt zwischen Einwohnerinnen und Einwohnern, Beiräten und Behörden. Foto: Alena Mumme

Eisenbahnlinie und die Autobahn A 27 geteilt werden. Es handelt sich auch nicht nur um einen Stadtteil, in dem Menschen aller Alters- und Einkommensgruppen leben, arbeiten und ihre Freizeit gestalten. Der Stadtteil beherbergt darüber hinaus mit der Universität Bremen und dem Technologiepark eine Welt voller Ideen, Innovationen und Wirtschaftskraft und damit ein Pfund, welches in Bremen einmalig ist.

Wie hat sich Horn-Lehe über die Jahre entwickelt?

Bremen ist eine wachsende Stadt. Der ehemals dörfliche Charakter des Stadtteils Horn-Lehe ist schon lange dem Bild einer modernen Großstadt mit dem Rhododendronpark als grüner Lunge gewichen. Das Stadtteilzentrum verschiebt sich von dem Bereich des überregional sehr geschätzten Verkaufshauses „Lestra“ in Richtung Mühlenviertel. Der Stadtteil erfreut sich anhaltender Beliebtheit bei Zuzügen aus Bremen und dem Umland.

Welchen Einfluss haben die Universität und der Technologiepark auf das Leben im Stadtteil?

Bis vor einigen Jahren handelte es sich bei der Universität um eine Stadt im Stadtteil, zu der es weder inhaltliche noch personelle Berührungspunkte gab. Durch die vielen Neubauvorhaben und Erweiterungsbauten an der Universität und im Technologiepark findet eine Annäherung zwischen Lehre, Forschung und Entwicklung als auch der Wohnbevölkerung sowie dem Beirat als politisch gewähltes Gremium statt. Doch nach Feierabend ergibt sich nur selten das Bild junger Menschen in der Öffentlichkeit und Clubs.

Stadtteilköpfe: Inga Köstner vor dem Ortsamt Horn-Lehe
Inga Köstner mag ihren Arbeitsplatz im ehemaligen Landhaus Louisenthal. Foto: Alena Mumme

Was ist für die Zukunft geplant? Stehen konkrete Projekte an?

Das „Horn To Be Wild“-Festival hat sich als namhaftes Musik-Großevent im Stadtteil etabliert, und voller Spannung wird der jährlichen Fortsetzung entgegengefiebert. In diesem Jahr bekommt die Veranstaltung Festivalcharakter und erstreckt sich erstmals über zwei Tage.

Außerdem wird ein neuer Jugendbeirat gewählt. Spannend dürfte zudem der Baufortschritt am Horner Bad werden, denn schließlich soll auf dem Freibadgelände ein neues Hallen- und ein saniertes Freibad entstehen.

Die Gewerbetreibenden der Wilhelm-Röntgen-Straße organisieren aktuell die Fortsetzung ihres Quartiersommerfestes am 24.8.2019 mit Unterstützung des Bürgervereins, des Beirates und des Ortsamtes. Sie freuen sich über zahlreiche Gäste.

Im Hollergrund laufen die Vorbereitungen zu einem Fest anlässlich des Weltkindertages am 22.9.2019, bei dem die Bremer Heimstiftung in Zusammenarbeit mit der AmeB-Begegnungsstätte neben dem Stadtteilfrühstück ein weiteres generationenübergreifendes Projekt auf die Beine stellt.

Von den neu gewählten Beiratsmitgliedern erwarte ich frische Ideen zum Wohle des Stadtteils Horn-Lehe und eine deutliche Annäherung an im Technologiepark ansässige Unternehmen.

Wie unterscheiden sich die Ortsteile Horn, Lehe und Lehesterdeich untereinander?

Ich suche nicht das Trennende, sondern freue mich über alles Verbindende!

Wie empfinden Sie im Ortsamt den Kontakt zu den Anwohnern und Anwohnerinnen?

Im Ortsamt kommen wir mit Menschen in all ihren Facetten und in sämtlichen Lebenslagen in Kontakt. Deshalb pflegen wir das Konzept der offenen Tür und offenen Ohren. Wer Fragen, Anregungen, Wünsche oder auch Kritik äußern möchte, tritt einfach ein. Dieses Angebot wird gern und häufig genutzt. Doch Menschen aus Schwachhausen, Oberneuland und Borgfeld müssen wir mit einigen Ausnahmen an die für sie zuständigen Ortsämter verweisen.

Die meisten Fragen beziehen sich auf die hiesige Verkehrssituation. Dem einen ist der Heerstraßenzug zu oft mit Autos verstopft, den anderen stören die Ampelschaltungen. Autofahrer sind unzufrieden mit Radfahrern und umgekehrt. Verkehrsregeln scheinen häufig nur eine Option statt Pflicht zu sein.

Ansonsten identifizieren sich Horner und Hornerinnen gern voller Stolz mit ihrem Stadtteil – was für sich genommen schon viel über die Aufenthaltsqualität und das Leben in Horn-Lehe aussagt. Ehrenamtliches Engagement wird großgeschrieben. Der Stadtteilpolitik wird bei der Arbeit genau auf die Finger geschaut, Beschlüsse hinterfragt und für eigene Interessen geworben.

Stadtteilköpfe: Inga Köstner im Theater am Deich
Die Ortsamtsleiterin verpasst kaum ein neues Stück im Theater am Deich. Foto: Alena Mumme

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz im Stadtteil?

Es gibt für mich nicht nur den einen Lieblingsplatz in Horn-Lehe. Ich mag aber ganz besonders meinen Arbeitsplatz – das Ortsamt Horn-Lehe im ehemaligen Landhaus Louisenthal mit seiner wunderschönen und denkmalgeschützten Außenfassade, den Rhododendronpark in der Blütezeit und die botanika mit seinen tierischen Bewohnern, das Theater am Deich mit jährlich mindestens zwei Inszenierungen, den Fallturm des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnik und Mikrogravitation, auf dem ich schon Trauungen durchführen durfte und den Unisee.

Das Ortsamt Horn-Lehe ist in der Leher Heerstraße 105-107, 28359 Bremen, zu finden. Die Öffnungszeiten sind montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr. Erreichbar ist es unter der Telefonnummer 361-30 53, über ein Kontaktformular sowie per E-Mail an office@oa-horn-lehe.bremen.de. Weitere Infos gibt es auf der Homepage des Ortsamtes.

Achtung: Das Ortsamt hat keine Meldestelle! Für alles rund um Pässe, Ausweise, Meldeangelegenheiten und Ähnliches ist das BürgerServiceCenter (Mitte oder Stresemannstraße) zuständig.

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Autorenbild Alena Mumme

Von Alena Mumme

Ich bin Tagenbaren – meine Eltern und Großeltern sind also wie ich in Bremen geboren und aufgewachsen. Nur spannende Reisen locken mich aus meiner gemütlichen Heimatstadt.

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