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Kinderhospiz Löwenherz
Design Ilon Wikland AB

Kinderhospiz Löwenherz feiert Jubiläum mit Astrid-Lindgren-Ausstellung

Seit 20 Jahren begleitet das ambulante Zentrum in Bremen die Familien

Eine Ausstellung über Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“ am Standort des Kinderhospizes Löwenherz in Bremen Außer der Schleifmühle bildet aktuell den Rahmen für ein besonderes Jubiläum: Seit 20 Jahren begleitet das ambulante Kinderhospiz Löwenherz  in Bremen Familien mit schwerstkranken Kindern. Am Standort in der Hansestadt wird dieses Jubiläum nun sichtbar – in der Ausstellung „Wir sehen uns in Nangijala“ sind Bilder und viele Exponate aus dem Werk Lindgrens zu sehen, die Mut, Abschied und Hoffnung thematisieren.

Doch hinter der Ausstellung steht weit mehr als ein literarisches Erbe. Sie macht auf eine Arbeit aufmerksam, die meist im Verborgenen geschieht: Die Arbeit des Kinderhospizes Löwenherz aus Syke spielt an vielen Orten eine wichtige Rolle. Die Menschen der Einrichtung begleiten Familien, qualifizieren Ehrenamtliche und entwickeln neue Angebote. Claudia Müller, Leitung der ambulanten Kinderhospizarbeit und des Ehrenamts bei Löwenherz, gibt im Interview Einblicke in eine Aufgabe, die Nähe schafft und Gemeinschaft stärkt.

Claudia Müller
Claudia Müller leitet das ambulante Zentrum des Kinderhospizes Löwenherz in Bremen. Kinderhospiz Löwenherz

Wie sieht Ihre Rolle beim Kinderhospiz Löwenherz aus?

Claudia Müller: Ich leite den ambulanten Kinderhospizdienst sowie den Bereich Ehrenamt – sowohl im ambulanten als auch im stationären Kontext. Diese Aufgabe habe ich seit rund neun Monaten inne, bin aber schon länger bei Löwenherz tätig.

Was leistet das Kinderhospiz Löwenherz mit seiner Arbeit?

Seit 20 Jahren begleitet der ambulante Kinderhospizdienst von Löwenherz Familien mit unheilbar erkrankten Kindern in der Hansestadt und den angrenzenden Landkreisen. Intensiv vorbereitete Kinderhospizbegleiterinnen und -begleiter, die alle ehrenamtlich tätig sind, fahren zu den Familien und unterstützen sie zu Hause. Jede Familie, in der ein lebensverkürzend oder lebensbedrohlich erkranktes Kind lebt, kann die ambulante Unterstützung von Löwenherz dabei kostenlos in Anspruch nehmen.

Wie ist Löwenherz organisiert – und welche Rolle spielt Bremen dabei?

Der Hauptstandort ist in Syke, dazu kommen ambulante Stützpunkte in Bremen, Braunschweig, Lingen und Lüneburg. Gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen ist diese Verteilung wichtig, um möglichst viele Familien erreichen zu können.

Der Standort Bremen nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Dort befindet sich nicht nur ein ambulanter Stützpunkt für die direkte Familienbegleitung, sondern auch die Löwenherz-Akademie. Sie bietet ein umfangreiches Bildungsprogramm – für Fachkräfte, Ehrenamtliche, Familien und alle Interessierten.

Wie läuft die ambulante Begleitung konkret ab?

Familien melden sich meist telefonisch. Danach besucht eine Koordinationskraft sie zu Hause, um die Situation kennenzulernen und Bedarfe zu klären. Es geht dabei nicht nur um das erkrankte Kind, sondern auch um Geschwister und Eltern.

Im nächsten Schritt wird eine passende ehrenamtliche Begleitung gesucht. Wenn es menschlich gut passt, übernehmen die Ehrenamtlichen die regelmäßigen Besuche – meist wöchentlich oder alle zwei Wochen. Aktuell begleitet Löwenherz auf diesem Weg über 100 Familien in Niedersachsen – Tendenz steigend.


„Ohne Ehrenamt würde unsere Arbeit nicht funktionieren.“


Kinderhospiz Löwenherz
Das Kinderhospiz Löwenherz leistet wertvolle Arbeit in den Familien. Kinderhospiz Löwenherz

Welche Rolle spielen Ehrenamtliche in Ihrer Arbeit?

Eine sehr große. Ohne Ehrenamt würde unsere Arbeit nicht funktionieren. Ehrenamtliche bringen Zeit, Offenheit und Interesse an Menschen mit – und die Bereitschaft, sich auf sehr persönliche Situationen einzulassen. Die Familien öffnen ihr Zuhause, ihren Schutzraum. Das ist etwas sehr Besonderes und wird von vielen Ehrenamtlichen als große Bereicherung erlebt – trotz aller Herausforderungen.

Wie werden Ehrenamtliche auf ihre Aufgabe vorbereitet?

Alle Ehrenamtlichen durchlaufen eine umfassende Qualifizierung von rund 100 Stunden. Inhalte sind unter anderem Kommunikation, Familiensysteme sowie der Umgang mit Nähe und Distanz. Ein Teil findet digital statt, ein Teil in Präsenz – etwa bei Seminarwochen oder Wochenenden. Auch nach dem Einstieg bleiben die Ehrenamtlichen nicht allein: Es gibt Supervisionen, Themenabende und regelmäßige Gespräche mit den Koordinatorinnen.

Welche Möglichkeiten gibt es speziell für Menschen aus Bremen, sich einzubringen?

Sehr viele. Der Bremer Standort bietet ideale Voraussetzungen, um sich direkt vor Ort zu engagieren – sei es in der Familienbegleitung, in der Öffentlichkeitsarbeit oder bei Veranstaltungen. Gerade für Menschen, die denken, ein Engagement sei nur in Syke möglich, ist das wichtig zu wissen: Viele Aufgaben lassen sich direkt in Bremen umsetzen. Auch für diejenigen, die weniger Zeit haben, gibt es passende Formate – etwa kürzere Schulungen oder projektbezogene Einsätze.


„Es geht um Sensibilisierung und konkrete Hilfestellung.“


Welche Rolle spielen Spenden für Löwenherz?

Eine sehr große. Zwar werden bestimmte Leistungen – etwa die Pflege im stationären Hospiz – von Krankenkassen übernommen. Doch viele Angebote, insbesondere für Familienangehörige oder im ambulanten Bereich, sind spendenfinanziert. Jede Unterstützung hilft dabei, Familien weiterhin umfassend begleiten zu können.

Löwenherz ist auch in Schulen aktiv – worum geht es dabei?

Ein Schwerpunkt liegt auch auf der Trauerarbeit. Lehrkräfte werden dabei unterstützt, Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten. Es geht um Sensibilisierung, konkrete Hilfestellungen und darum, Sicherheit im Umgang mit Trauer zu vermitteln. Dafür empfehle ich aktuell einen Besuch unserer Ausstellung in Bremen.

Ausstellung in Bremen: Astrid Lindgren und die „Brüder Löwenherz“

Ein besonderes Highlight findet aktuell am Bremer Standort statt: Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums zeigt Löwenherz eine Ausstellung rund um Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“. Zu sehen sind Illustrationen und Exponate, die sich mit den Themen Abschied, Mut und Hoffnung beschäftigen – zentrale Motive auch in der Hospizarbeit. Die Ausstellung ist im Standort Außer der Schleifmühle bis zum 30. April 2026 geöffnet. Für Gruppen, etwa Schulklassen, wird um vorherige Anmeldung gebeten.

Öffnungszeiten: 10. bis 30. April 2026, Montag bis Samstag: 14 bis 17 Uhr, Sonntag: 10 bis 13 Uhr
Geschlossen: 18., 19. und 22. April

Kinderhospiz-Stützpunkt Löwenherz Bremen
Außer der Schleifmühle 46
28203 Bremen

Der Eintritt ist kostenfrei, der Zugang barrierefrei.

Für Besuche der Astrid-Lindgren-Ausstellung von Schulklassen vereinbaren wir auch gesonderte Öffnungszeiten. Kontakt: ambulant@loewenherz.de

 

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Vereine in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

zum Themenspecial „Vereine in Bremen“

Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Immer wieder darf ich tolle und spannende Menschen aus unser schönen Stadt kennenlernen! Lebenswert, lebensfroh und lebensnah: Bremen, ich liebe Dich :-)

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