
Ein Gespräch mit der Stadtteilmanagerin Carina Henkel aus der Bremer Neustadt
„Die Neustadt fühlt sich wie ein Dorf an – mit der Infrastruktur einer Stadt“
Carina Henkel ist seit April die neue Stadtteilmanagerin der Bremer Neustadt – und bringt frischen Wind, ohne dabei bei null anzufangen. Im Interview spricht die 27-Jährige über ihre Anfänge im Stadtteil, neue Projekte in der Alten Post und darüber, warum es manchmal hilfreich ist, beim Einkaufen spontan auf die eigene Arbeit angesprochen zu werden.
Du bist seit Kurzem Stadtteilmanagerin in der Neustadt. Wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen?
Carina Henkel: Ich bin vor fünf Jahren fürs Studium nach Bremen gekommen – und irgendwie hat mich die Neustadt direkt behalten. Während meines Freizeitwissenschaftsstudiums an der Hochschule Bremen habe ich hier im Stadtteilmanagement ein Praktikum gemacht. Ich durfte damals schon beim „Summersounds“ reinschnuppern und war begeistert von der Mischung aus Veranstaltungen, Stadtteilarbeit und direktem Kontakt zu den Menschen. Seitdem bin ich drangeblieben, habe mich ehrenamtlich eingebracht – und mich dann beworben, als die Stelle frei wurde.

Was fasziniert dich besonders an der Neustadt?
Sie ist mit über 45.000 Menschen der einwohnerreichste Stadtteil Bremens – und fühlt sich trotzdem oft wie ein Dorf an. Man kennt sich, trifft sich auf der Straße, kommt ins Gespräch. Dazu ist die Neustadt sehr grün, vielfältig und lebendig. Ich finde, es gibt keinen spannenderen Stadtteil in Bremen.
Was sind aktuell eure Schwerpunkte im Stadtteilmanagement?
Momentan liegt der Fokus auf der Belebung der Alten Post in der Meyerstraße 38/40 – unser neues Zentrum für Begegnung, Veranstaltungen und Netzwerkarbeit. Wir möchten, dass es ein Ort für alle wird: Man kann mit Anliegen vorbeikommen, eine Ausstellung besuchen oder die Räumlichkeiten mieten und eigene Veranstaltungen umsetzen. Außerdem planen wir Projekte wie das „Heimatshoppen“ oder das „Piepe Leuchten“ in Kooperation mit dem Martinsclub Bremen, unterstützen den Einzelhandel und bringen Menschen zusammen, die sich für ihren Stadtteil engagieren wollen.
Wie groß ist euer Team eigentlich?
Wir sind ein kleines Team aus eineinhalb Stellen und einer wechselnden Praktikumsstelle. Martina Kaczmarek kümmert sich um das Backoffice, ich übernehme den Stadtteilbereich. Vieles entsteht im Netzwerk – in enger Zusammenarbeit mit Vereinen, Institutionen, dem Beirat und natürlich den Bewohnerinnen und Bewohnern.
„Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen Lust bekommen, sich einzubringen.“
Was beschäftigt die Menschen in der Neustadt besonders?
Ganz klar: Themen wie Sauberkeit, Sicherheit, Parkraumsituation oder Leerstände – also alles, was man täglich im eigenen Umfeld wahrnimmt. Diese Anliegen nehmen wir ernst, moderieren Prozesse und geben Impulse – oft auch über unsere monatlichen Netzwerktreffen, die für alle offen sind.
Wie kommt ihr an die Themen heran?
Kommunikation ist das A und O. Wir wollen möglichst niedrigschwellige Angebote schaffen – zum Beispiel mit einer Umfrage, die wir gerade verteilen, oder ganz direkt: Ich werde in den kommenden Wochen von Straße zu Straße gehen, in Läden reingehen, mich vorstellen und fragen: Was beschäftigt euch? Manchmal entstehen so die besten Gespräche – abseits von offiziellen Wegen.

Du wohnst auch selbst in der Neustadt. Mischt sich da Berufliches und Privates?
Klar, das passiert. Aber ich mag das. Ich sehe es als Vorteil, wenn man mich im Alltag trifft, einfach mal anspricht. So kommen viele Themen zur Sprache, die sonst vielleicht untergehen würden. Und bisher genieße ich das sehr – ich fühle mich hier zu Hause.
Hast du einen Lieblingsort im Stadtteil?
Definitiv der Werdersee. So ein grünes Herz mitten im Stadtteil zu haben, ist etwas ganz Besonderes.
Was wünschst du dir für die Zukunft des Stadtteils – und für deine Arbeit?
Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen Lust bekommen, sich einzubringen – ob als Mitglied im Verein, im Ehrenamt oder einfach durch Ideen. Die Neustadt ist stark, weil hier viele mitgestalten wollen. Und das Stadtteilmanagement versteht sich als Plattform dafür. Jede und jeder kann vorbeikommen und Teil davon werden.
Mehr Informationen finden sich auf der Internetseite der Neustadt Bremen.