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Club100 Selig die band
Dennis Dirksen

Mit dem Club100 nimmt das Bremer Kulturleben wieder Fahrt auf

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Konzerte im Pier 2 als solidarisches Projekt für die Szene

Einfach mal wieder auf ein Konzert gehen – das wünschen sich inmitten der Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen viele, um Kultur lebendig zu halten. Gigs werden daher als Alternative ins Internet verlegt und zum Beispiel via Stream in die heimischen Wohnzimmer transportiert. Das ist auch der Grundgedanke des Projekts Club100. Dieser hat sein temporäres Zuhause im Pier 2 gefunden. Dort gibt es in den kommenden Monaten rund 40 Veranstaltungen zu erleben, die aber weit über das bloße Streaming hinausgehen.

Die Bremer Initiatorinnen und Initiatoren haben mit dem Club100 in der Corona-Krise etwas bundesweit bislang Einmaliges geschaffen. „Wir wollen die Kultur zurück in die Stadt bringen – mit allen, die dazu gehören. Künstlerinnen und Künstler sollen ihre Bühne bekommen. Clubs ihre Hallen füllen. Veranstalterinnen und Veranstalter ihre Shows durchführen. Kneipen ihr Bier verkaufen. Technik, Catering, Sicherheitspersonal, Kameraleute, Regisseurinnen und Regisseure sowie Stagehands sollen wieder arbeiten können“, betont das Kollektiv, das hinter dem Club100 steht.

Diese Gemeinschaft ist unter dem Dach des Vereins Clubverstärker solidarisch aufgestellt. Neben den Bremer Konzertspielstätten, die sich darüber zusammengeschlossen haben, sind zum Beispiel  Veranstaltungsagenturen wie Koopmann Concerts & Promotion sowie Hafensänger Konzerte dabei, aber etwa auch die Sendefähig GmbH. Deren Mitarbeitende haben den Club100 in ein modernes TV-Studio verwandelt. Und sie sind für die Streaming-Produktion verantwortlich.

Was ist das Besondere am Club100?

Klar ist laut Julia von Wild vom Verein Clubverstärker, dass der Tag X, an dem alles wieder so ist wie vorher, vorerst nicht kommen wird. „Deswegen müssen wir Hybridmodelle entwickeln und neue Wege finden, um sicher und zukunftsfähig Konzerte veranstalten zu können“, sagt sie. Hybridmodell bedeutet, dass  man die Konzerte an das im Rahmen der Pandemie Erlaubte anpassen kann. Die unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstler kommen also definitiv nach Bremen ins Pier 2 für ihren Auftritt – unter Einhaltung der aktuellen Hygiene- und Sicherheitsvorgaben. Sobald es das Infektionsgeschehen zulässt, können die Veranstaltungen dann mit einer gewissen Publikumsgröße stattfinden. Gleichzeitig wird wie im Shutdown aber weiter gestreamt. So soll das Kulturleben langsam wieder Fahrt aufnehmen – und darüber allen Beteiligten ein – wenn auch kleines –Einkommen generieren. Finanziell unterstützt wird das Projekt dabei vom Bremer Wirtschaftsressort sowie der Wirtschaftsförderung der Hansestadt.

„Es geht schlichtweg um Existenzen“, sagt Olli Brock, Geschäftsführer von Hafensänger Konzerte und Betreiber des Pier 2 und des Tower Musikclubs. „Veranstalterinnen und Veranstalter, Technik- und Sicherheitspersonal, Tresenkräfte: Hinter einem einzigen Konzert stehen nicht nur die Künstlerinnen und Künstler, sondern eine lange Wertschöpfungskette, die betroffen ist“, so Brock . Sie alle kämpften seit dem ersten Shutdown im März 2020 um ihr berufliches Überleben.

Daher werden auch nicht nur die an den Konzerten generell beteiligten Akteurinnen und Akteure einbezogen. „Bremer Musikkneipen, die ebenso unter der Pandemie leiden, übernehmen die Schirmherrschaft für einzelne Veranstaltungen. Sie können dadurch vom Solidarprinzip des Club100 profitieren“, so die Verantwortlichen.

Und sie alle haben wie das Publikum „Bock auf Konzerte“, sagt Victor Frei vom Clubverstärker. Diese gibt es nun erst einmal bis 31. Mai 2021 zuhauf.

Hochkarätige Gäste im Club100

Club100 Olli Schulz Konzert
Olli Schulz ist einer von rund 40 Acts im Club100. Jenna Dallwitz

„Das hätten wir uns vor ein paar Wochen nicht träumen lassen, dass bald Bands wie Milliarden, Selig, Madsen oder Thees Uhlmann wieder auf einer Bremer Bühne stehen.“ Das betonte Gero Stubbe von Koopmann Concerts & Promotion kurz vor der Premiere vom Club100. Den Auftakt bestritt mit einer Lesung kein Geringerer als Wladimir Kaminer, Autor von „Russendisko“ und weiteren Bestsellern.

In den folgenden Monaten steht nun vorrangig die Musik im Fokus. Neben den bereits erwähnten Acts kann sich das Publikum etwa auf Pohlmann & Band, Grillmaster Flash und Dota freuen. Ebenfalls dabei sind Miss Allie, Olli Schulz, Fanny van Dannen, Wirtz und viele mehr. Auch die beliebte Poetry-Slam-Reihe „Slammer Filet“ wird ihre nächste Ausgabe im Club100 auf die Bühne bringen.

Und das alles getreu der Club100-Devise: „Es wird wieder laut. Weil wir Konzerte lieben.“

Das komplette Programm vom Club100, Tickets sowie weitere Informationen gibt es auf der Website des Projekts.

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Autorenbild Steffi Urban

Von Steffi Urban

Vom Harz in die Hansestadt: Inzwischen lebe ich seit mehr als zehn Jahren in Bremen und entdecke mit Kamera und Klapprad immer noch tolle neue Ecken.

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